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Bogenschießen : Zielen in besonderer Umgebung

Spannungsbogen: Die Bogenschützen vor großer Kulisse Bild: AP

Eine olympische Randsportart dreht auf: Bogenschießen trifft bei den Spielen in Rio den Zeitgeist vor grandioser Kulisse. Jetzt fehlen nur noch deutsche Erfolge.

          „Lieblich erklang die Sehne und hell, wie Schwalbengezwitscher“. So filigran und luftig erledigte der heimgekehrte Odysseus, vom frühen Sportreporter Homer poetisch beschrieben, mit dem mächtigen Bogen, den kein anderer zu spannen vermochte, einst die frechen Freier seines Weibes Penelope. Lieblich erklingt die Sehne auch diesen Freitag früh, vom Klicken und Surren zeitgenössischer Medien verfolgt, und findet so sicher wie drei Jahrtausende zuvor ihr Ziel.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Als Einzige, die Fußballer ausgenommen, haben die Bogenschützen bereits vor der Eröffnungsfeier der Spiele von Rio ihre Wettkämpfe begonnen - mit der Plazierungsrunde mit je zweiundsiebzig Pfeilen über siebzig Meter. Dabei hat am Freitag der einzige deutsche Teilnehmer Florian Floto als Elfter mit 677 Punkten ein Ergebnis geschafft, das am Dienstag und Donnerstag günstige Gegner zumindest bis in die dritte K.-o.-Runde verheißt. Und dann, glaubt Bundestrainer Oliver Haidn, „ist fast alles möglich“. Außer wohl gegen die überragenden Südkoreaner, vor allem gegen Kim Woo-Jin, der mit 700 Punkten den Weltrekord seines Landsmannes Im Dong-Hyun von den Spielen in London 2012 um einen Punkt übertraf.

          Ebenso interessant wie das Resultat ist der Ort, an dem es entstand: das Sambódromo, die weltberühmte Tribünenstraße, in der alljährlich der Umzug und Wettbewerb der Sambaschulen im Karneval von Rio stattfindet. Schon 1960 nutzten die Spiele von Rom das Flair von historischen Stätten für zeitgemäße Wettkämpfe. Da turnte man in den Caracalla-Thermen, rang in der Maxentius-Basilika, und der Marathonlauf führte vom Kapitol über die Via Appia Antica bis zum Konstantinbogen.

          Die Bogenschützen an den attraktiven Orten

          Mittlerweile ist das zur olympischen Mode geworden. Und zu den perfekten Models auf dem Laufsteg historischer Schönheiten, mit denen sich eine olympische Übertragung zugleich als touristischer Werbefilm verbreiten lässt, sind die Bogenschützen geworden. In Athen 2004 ließ man sie im Panathinaikon-Stadion antreten, der Wettkampfstätte der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896. In London 2012 im holzvertäfelten Grün des Lord’s Ground, dem sportlichen Pendant eines britischen Herrenklubs, auch „Heimat des Cricket“ genannt. Und auch drei der vier Bewerber für die Spiele 2024 wollen die Bogenschützen in historischer Umgebung präsentieren: Rom in den Caracalla-Thermen und auf dem Forum Romanum, Paris vor dem Invalidendom, Budapest auf dem Parlamentsplatz.

          Das Sambódromo von Rio hat keine lange Geschichte, es wurde erst 1984 von Oscar Niemeyer erbaut. Doch die kurze Spanne hat ausgereicht, es weltbekannt zu machen. Auch hier erweist sich das Bogenschießen, jener diskrete olympische Gast, der keine aufwendigen neuen Stadien oder Arenen verlangt, sondern sich in jede Umgebung einfügt, als perfekte Besetzung - auch wenn es nur ein Zehntel des 700 Meter langen Sambódromo füllt und nur einen noch viel kleineren Bruchteil der 88.500 Zuschauerplätze.

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