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Beachvolleyball bei Olympia : Das größte Spiel ihres Lebens

Die Party kann beginnen: Das deutsche Beach-Duo nach gewonnenem Halbfinale im Kreise der Fans. Bild: dpa

Nach einer furiosen Vorstellung gegen zwei Brasilianerinnen an der Copacabana stehen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst im Beachvolleyball-Finale. Nun wartet ein echter Mitternachtskrimi.

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          „Mein Block“ des Rappers Sido schallte gleich fünf Mal durch das Beachvolleyball-Stadion an der Copacabana - jedes Mal, wenn Kira Walkenhorst einen Ball geblockt hatte. Und weil auch ihre Partnerin Laura Ludwig in Aufschlag und Annahme eine überragende Leistung zeigte, haben die beiden Deutschen am Dienstagabend das bisher größte Spiel ihres Lebens gemacht. Mit 21: 18 und 21:12 besiegten sie die Brasilianerinnen Larissa und Talita in knapp mehr als einer halben Stunde und zogen in das Finale ein. Es wird mit Beginn um 23.59 Uhr Ortszeit am Mittwochabend (4.59 Uhr am Donnerstagmorgen in Deutschland) die späteste Veranstaltung der Spiele von Rio.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Mit einem Finalsieg - entweder gegen abermals brasilianische Konkurrenz namens Agata/Barbara oder gegen die Amerikanerin Kerri Walsh Jennings, die dreifache Olympiasiegerin, und deren Partnerin April Ross - können die beiden Deutschen im Sand des berühmtesten Strandes der Welt in die Fußstapfen treten, die Jonas Reckermann und Julius Brink 2012 mit dem Olympiasieg am künstlichen Strand von London hinterlassen haben. „Das haben wir über Jahre Schritt für Schritt aufgebaut“, sagte ihr Trainer Jürgen Wagner, der zuvor auch Brink und Reckermann betreut hatte.

          Nach dem verwandelten Matchball folgte ein weiterer Block, der kleine deutsche Fanblock, in dem die 30-jährige Laura Ludwig und ihre fünf Jahre jüngere Partnerin sich von zwei, drei Dutzend Landsleuten feiern ließen. Das geschah in einem kleinen Meer von Schwarz-Rot-Gold, in dem sich auch eine Fahne des Hamburger SV zeigte. Beide, die aus Berlin stammende Laura Ludwig und die gebürtige Essenerin Kira Walkenhorst, leben in Hamburg.

          Raus mit der Freude! Kira Walkenhorst (l.) und Laura Ludwig siegen souverän gegen die Brasilianerinnen Bilderstrecke
          Raus mit der Freude! Kira Walkenhorst (l.) und Laura Ludwig siegen souverän gegen die Brasilianerinnen :

          Die befürchtete Nervenschlacht gegen ein buhendes brasilianisches Publikum war ausgeblieben. Beim ersten Aufschlag am frühen Nachmittag war kaum die Hälfte der 12.000 Plätze besetzt, und als sie sich im Laufe der kurzen Partie allmählich füllten, war der Verlauf bereits so eindeutig, dass das Aufbäumen der Menge ausblieb. Nur beim 11:14-Rückstand im ersten Satz waren die beiden Deutschen, die mit fünf Turniersiegen in dieser Saison an die Spitze der Weltrangliste vorgestoßen waren, kurzzeitig in Schwierigkeiten. Doch glichen sie rasch aus, zogen auf 20:17 und zum Satzgewinn mit 21:18 davon - und ließen die beiden Brasilianerinnen nie wieder herankommen.

          Insgesamt dreizehn Bälle holte die Abwehrspezialistin Ludwig in der Feldabwehr, entschärfte Schmetterbälle, kratzte Bälle im Hechtsprung mit der flachen Hand knapp über dem weißen Copacabana-Sand weg und entnervte die Gegnerinnen. Fünf Punkte hintereinander führten zum 7:2 im zweiten Satz, ein Vorsprung, den sie sicher hielten und sogar ausbauten. „Wir haben etwas nervös begonnen, hatten sie dann aber im Griff“, sagte Laura Ludwig. „Das war eine geile Teamleistung“.

          Für die Ältere der beiden sind es, nach zwölf Jahren im Sand, bereits ihre dritten Olympischen Spiele. Nach acht Jahren mit Sara Goller, mit der sie zwei Europameistertitel gewann und die nach Platz fünf in London 2012 ihre Karriere beendete, fand sie in Kira Walkenhorst eine perfekte neue Partnerin. Das Vierjahresprojekt mit dem großen Ziel Rio wurde 2014 auf eine harte Probe gestellt, als die jüngere Kollegin an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankte und lange ausfiel. „Das hat uns noch mehr zusammengeschweißt“, sagt Laura Ludwig. „Kira hat einen unfassbaren Biss.“ Seit der Genesung läuft es wie am Schnürchen. 2015 und 2016 wurden sie Europameisterinnen und übertreffen das nun noch in Rio.

          „Wir haben jetzt eine Medaille sicher“, jubelte Kira Walkenhorst. „Klar wollen wir jetzt auch gewinnen.“ Laura Ludwig sagte heiser: „Nach dem Sieg habe ich so laut geschrieen, da war ich mehr außer Puste als im Spiel. Jetzt habe ich kaum noch Stimme.“ Bis zum Mitternachtskrimi von Rio wird sie wieder da sein.

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