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Beachvolleyball : Laura Ludwig im Olympia-Modus

Diese Frau ist geballte Energie: Laura Ludwig Bild: AFP

Nach dem „Maracanaço“ auf Sand von Rio verwehrt Laura Ludwig der Brasilianerin Agatha Bednarczuk abermals olympischen Erfolg im Beachvolleyball. Ludwig/Kozuch schlagen die Weltranglistenersten Agatha/Duda.

          3 Min.

          Es gibt Spielvarianten im Beachvolleyball, die beherrscht keine Spielerin so exzellent wie Laura Ludwig. Die frechen vor allem, so wie den „Laura-Hecht“, einen Flug-Bagger aus dem Hinterfeld, den sie sogleich zum Punktgewinn nutzt. Oder den „Rainbow-Shot“, ein Lob aus dem Handgelenk, hoch über Block und Feldabwehr der gegnerischen Seite gespielt, genau hineingelegt in das Eckchen, welches von Grund- und Seitenlinie gebildet wird. Gefolgt dann von einem Jubelschrei, der auch in einer vollbesetzten Arena heraustönen würde.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Einen solchen ebenso gefühlvollen wie mutigen Ball legte Laura Ludwig an diesem Sonntag im Achtelfinale des olympischen Beachvolleyballturniers zu einem denkbar wichtigen Zeitpunkt den Brasilianerinnen auf der Gegenseite ins Feld: es war der Punkt zum 21:19 im ersten Durchgang: Satzball verwandelt und die Grundlage gelegt zum Einzug ins Viertelfinale.

          Am Ende eines hochdramatischen und auch spielerisch über weite Strecken besonders wertvollen Matches gewann Laura Ludwig an der Seite von Margareta Kozuch mit 2:1 (21:19, 19:21, 16:14) gegen Agatha Bednarczuk und Eduarda Santos Lisboa, genannt Agatha/Duda, das Duo, das als Weltranglistenerste ins Turnier gegangen ist und schon qua Herkunft als eines der großen Favoriten-Teams auf olympischen Gold galt.

          Beachvolleyball und Brasilien, das gehört zusammen. Doch Beachvolleyball bei Olympischen Spielen und Laura Ludwig, das passt offenbar noch besser. Vor fünf Jahren gewann die für den Hamburger SV spielende Berlinerin gemeinsam mit ihrer kongenialen Partnerin Kira Walkenhorst an der Copacabana gegen ein brasilianisches Duo die Goldmedaille es war eine Art „Maracanaço“ auf Sand für die Beachvolleyball-verliebten Gastgeber, und besonders schmerzhaft traf es Agatha Bednarczuk, die schon damals Favoritin war und gemeinsam mit Bárbara Seixas de Freitas im Endspiel 0:2 unterlag.

          In der nachfolgenden, auf fünf Jahre verlängerten Olympiade, unternahm die mittlerweile 38 Jahre alte Weltmeisterin von 2015 dann mit einer jungen Partnerin einen neuen Versuch. Duda heißt das vielversprechende Talent an ihrer Seite, 23-Jährig seit ihrem Geburtstag an diesem Sonntag, und damit exakt eineinhalb Jahrzehnte jünger als die Altmeisterin. Doch auch die 35-Jährige Laura Ludwig ist mit neuer Partnerin am Start. Und obwohl Margareta Kozuch nur ein halbes Jahr jünger ist, gilt auch sie als Newcomer in der Szene, denn sie spielte bis 2016 Hallenvolleyball auf hohem Niveau.

          Wieder nichts: Agatha Bednarczuk verliert abermals bei Olympia gegen Laura Ludwig
          Wieder nichts: Agatha Bednarczuk verliert abermals bei Olympia gegen Laura Ludwig : Bild: Reuters

          Im bislang wichtigsten Match ihrer gemeinsam Zeit zeigten Ludwig/Kozuch nun an diesem mittleren Olympia-Sonntag, dass sie zu einem Team auf Augenhöhe zusammengewachsen sind. Agatha/Duda hatten sich überraschenderweise Laura Ludwig als Opfer ihrer Aufschläge ausgeguckt und servierten konsequent in ihre Richtung. Doch die topfitte junge Mutter wackelte auch unter höchstem Druck kaum und blieb bis auf zwei, drei Ausnahmen sicher in der Annahme.

          Die synchron mit schwarzen Stirnbändern in ihren blonden Haaren angetreten Deutschen zeigten eine homogene Teamleistung und zogen sich auch nach Zwischentiefs immer wieder gegenseitig nach oben. So überwanden sie im zweiten Satz einen 4:9-Rückstand, schnupperten bei 19:18 bereits am Sieg, ließen sich aber auch nicht umwerfen, als der Durchgang 19:21 verloren ging.

          Der Medaille ein gute Stück näher gekommen: Laura Ludwig, umarmt von Margareta Kozuch
          Der Medaille ein gute Stück näher gekommen: Laura Ludwig, umarmt von Margareta Kozuch : Bild: dpa

          Und auch im Entscheidungssatz gerieten sie zwar 2:5 und 4:7 ins Hintertreffen, blieb aber dennoch cool und glichen aus zum 9:9, 11:11, 13:13. Als Kozuch dann einen Aufschlag zu einem denkbar unglücklichen Zeitpunkt ins Netz schlug, hieß es Matchball Brasilien. Doch auch den konterten die Deutschen. Obwohl ihre Annahme zunächst misslang, traf Kozuch danach mit einem Notschlag, viel Mut und einigem Glück ins hintere Eck; das Lob dafür gab sie weiter: „Ich bin so stolz auf Laura, dass sie diesen Ball von irgendwo hochgedrückt hat und ich habe ihn übers Netz gebracht“, sagte Kozuch bescheiden.

          Den ersten Matchball für Deutschland verwertete die einstige Hallen-Rekordnationalspielerin dann mit einem starken Block gegen Agatha zum 16:14. „Wir sind einfach nur stolz aufeinander“, sprudelte es anschließend aus Laura Ludwig. „Es ist einfach ein schönes Gefühl, weiter dabei zu sein.“

          Im Viertelfinale bekommen sie es nun am Dienstagmorgen (2.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Olympia, in der ARD und bei Eurosport) mit Alix Klineman und April Ross aus den Vereinigten Staaten zu tun. Das im olympischen Qualifikations-Ranking topnotierte Duo bezwang die Außenseiterinnen Lidianny Echevarria Benitez und Leila Consuelo Martinez Ortega aus Kuba am Montagmorgen 2:0 (21:17, 21:15).

          Ludwig/Kozuch mussten ein paar Stuanden warten, bis die Gegnerinnen feststanden, doch Geduld haben sie gelernt, schließlich mussten sie wegen des positiven Corona-Tests ihrer nominellen Gruppengegnerinnen Barbora Hermannova und Marketa Slukova fast eine Woche auf das Achtelfinalspiel warten. „Wir haben die freien Tage genossen, um runterzukommen und dann wieder die Spannung aufzubauen“, sagte Ludwig. Auch das keine leichte Übung, aber schließlich befindet sie sich im Olympia-Modus.

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