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Olympia-Absage 1940 : Die Ideale Coubertins verraten

  • -Aktualisiert am

Erwartungen, die sich nicht erfüllten: Die Olympischen Spiele 1940 wurden abgesagt. Bild: Getty

Schon einmal blickten die Ausrichter der Olympischen Spiele in Japan in eine ungewisse Zukunft. Das IOC blieb gleichgültig gegenüber den japanischen Kriegsverbrechen – schließlich sagte die Regierung die Spiele 1940 in Tokio selbst ab.

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          Das Jahr 1940 war für Japan ein ganz besonderes Jahr. Das Land wollte den 2600. Jahrestag der Gründung des Kaiserreiches feiern – unter anderem mit Olympischen Spielen. Mit Mussolini war bereits 1935 ausgehandelt, dass Rom auf eine Bewerbung verzichten und dafür beim Bemühen um die Spiele 1944 von Japan unterstützt werden würde. Was wirkte wie ein diplomatischer Schachzug der Italiener, hatte seinen Grund auch darin, dass in Rom kein Stadion vorhanden war und der italienische Angriffskrieg in Abessinien die nationalen Ressourcen verschlang.

          Am Vortag der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele von Berlin 1936 entschied das Internationale Olympische Komitee (IOC), an welchem Ort die Spiele 1940 stattfinden sollten. Während der 35. Sitzung des Gremiums am Vormittag jenes 31. Juli 1936 im Hotel Adlon am Brandenburger Tor schälten sich aus dem Bewerberfeld von zehn Städten vier Favoriten heraus: Rom, London, Tokio und Helsinki. Schließlich kam es zur Entscheidung zwischen Helsinki und Tokio. Finnland führte seine sportliche Tradition gegenüber Japan ins Feld, das erst 1932 in Los Angeles durch Siege seiner Schwimmer sportliches Ansehen erlangt hatte. Die erste Abstimmung endete unentschieden. Beflügelt durch diesen Achtungserfolg, machten die Finnen den Fehler, die Rückkehr zur Einfachheit der Spiele zu fordern. Die Aussicht auf kaiserlichen Glanz in Tokio und die Hoffnung auf die Verbreitung des olympischen Gedankens in Asien schienen im aristokratisch geprägten IOC aber mehr Gewicht gehabt haben.

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