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Amantle Montsho : Die unnahbare Läuferin

„In Dakar zu leben ist ein Opfer“: Läuferin Amantle Montsho aus Botswana Bild: AFP

Seit 2006 lebt Amantle Montsho aus Botswana in Senegal. Sie verlässt ihr spartanisches Heim nur zum Essen und zum Training. Nun will sie über 400 Meter die erste olympische Medaille für ihr Heimatland gewinnen.

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          Wenn sie zu Hause vor die Tür tritt, erwarten sie Grün und Wildnis. Daheim in Maun in Botswana arbeitet ihre Mutter in einem Reservat mit Löwen, Giraffen und Elefanten. Ihr Vater besitzt eine Farm nicht weit entfernt. Doch Amantle Montsho, das Mädchen vom Land, tritt nur ganz selten vor die Tür, und zu Hause ist sie schon gar nicht. Seit 2006 lebt sie praktisch in einem Stadion in Dakar, der Hauptstadt von Senegal, in einem kleinen Zimmer mit Fenster zum Hinterhof, sechseinhalbtausend Kilometer entfernt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Sie verlässt ihr spartanisches Heim nur zum Essen, das ihr nicht schmeckt, und zum Training, das phänomenal anschlägt. Stadion, Strand und die nahen Hügel - die Trainingsstätten decken Amantle Montshos Bedarf an Ausflügen. Dakar ist ihr zu laut, zu dreckig, zu unübersichtlich. Sie spricht weder Französisch noch Wolof, die gebräuchlichen Sprachen dort. Von ihren Trainingskameraden aus einer Vielzahl afrikanischer Länder schottet sie sich mit Kopfhörern und südafrikanischer Musik ab.

          Die paar Quadratmeter Dakar, auf denen sie lebt, wo sie täglich Stunden bei Facebook im Internet und mit indischen Soap Operas vor dem Fernsehgerät verbringt, sind Teil des High Performance Centre, das der Welt-Leichtathletikverband an der westafrikanischen Küste zur Entwicklungshilfe unterhält. Und wie sich Amantle Montsho entwickelt hat! Aus dem 22 Jahre alten Talent, das vor sechs Jahren kam, ist eine gestählte Athletin geworden, der ihr Trainer Anthony Koffi wohlmeinend das Kompliment macht, sie sei für ihn wie ein Sohn.

          Um drei Sekunden hat sie unter seinem Regime ihre Bestzeit über 400 Meter verbessert. 2011 gewann sie in Daegu den WM-Titel. Mit 49,56 Sekunden unterbot sie dabei knapp die Siegeszeit von Christine Ohuruogu, der Lokalmatadorin von London, bei deren Olympiasieg in Peking. „In diesem Jahr bin ich schneller“, leitet sie aus ihren Trainingsdaten ab. Die Afrikameisterschaft gewann sie in persönlicher Bestzeit von 49,54 Sekunden - und ist damit derzeit die Nummer vier der Weltrangliste.

          Die Afrikameisterschaft gewann sie in persönlicher Bestzeit von 49,54 Sekunden - und ist damit derzeit die Nummer vier der Weltrangliste

          Ein Vertrag mit Nike bringt ihr Kleidung und Prämien ein, doch das Leben eines Stars führt sie nicht. Obwohl ihr amerikanische Hochschulen Stipendien angeboten haben, will sie in ihrer selbstauferlegten Einzelhaft an der einstigen Sklavenküste von Senegal bleiben und sich darauf vorbereiten, als erster Athlet aus Botswana bei Olympischen Spielen eine Medaille zu gewinnen. Dann erst wird sie sich erlauben heimzukehren.

          „Ich bin in Dakar, um zu trainieren“, sagt sie. „Sonst tue ich dort nichts.“ Olympia, davon gibt sie sich überzeugt, sei das Einzige, was ihr noch zu gewinnen bleibe. Dabei verspricht selbst die Heimat nicht nur Glück. Als die Weltmeisterin im vergangenen Herbst in Botswanas Hauptstadt Gaborone gefeiert worden war, wurde sie ausgeraubt. Doch Amantle ist Schlimmeres gewohnt. Sie ist wieder nach Dakar geflogen und hat härter trainiert denn je. „In Dakar zu leben ist ein Opfer“, sagt sie. „Ohne das wäre ich nicht so gut.“

          Bei der Eröffnungsfeier durfte sie die Fahne ihres Heimatlandes ins Stadion tragen

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