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Beachvolleyball bei Olympia : Ein „Mammut“ ist Brasiliens große Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Auf ihn schauen die Brasilianer im olympischen Sand: Alison Cerutti. Bild: AFP

Alison Cerutti ist ein Superstar des Beachvolleyballs. Wenn er derzeit bei Olympia in Rio auftritt, gibt es Aufregung, Gekreische und viele Selfies. Doch eines fehlt dem Giganten noch.

          Aufregung, Gekreische und viele Selfies: aus dem Tumult, der sich allabendlich vor dem Spielerausgang am Rande der riesigen Beachvolleyballarena an der Copacabana abspielt, ragt unübersehbar der Kopf von Alison Cerutti hervor. Der 203 Zentimeter große Hüne aus Vitória im benachbarten Bundesstaat Espírito Santo ist das Objekt der Begierde. Geschickt weicht der Riese den zahlreichen Händen und ebenso vielen Smartphones aus, trotzdem nimmt sich der Dreißigjährige Zeit für seine Fans. Die Brasilianer haben sich in den Giganten am Netz verliebt.

          Wieder einmal. Zweimal wurde Alison Weltmeister: 2011 an der Seite von Starspieler Emanuel Rego als im Finale gegen das ebenfalls brasilianische Team Márcio Araújo/Ricardo Santos der erste Triumph gelang. Ein Jahr später dann in London der herbe Rückschlag: Die Deutschen Brink/Reckermann schnappen Alison/Rego die Goldmedaille im Finale weg. Drei Jahre dauerte es, bis Alison an der Seite seines aktuellen Partners Bruno Oscar Schmidt den nächsten großen Titel holte. Die WM 2015 war schon einmal eine eindringliche Warnung an die Konkurrenz, ein Jahr vor Olympia im eigenen Land.

          Pünktlich zum wichtigsten Turnier seines Lebens ist die Liebe zu „O Mamute“ (Das Mammut) wieder neu entflammt. Und sie hat das ganze Land erfasst. Den Spitznamen hat er, weil er zu Beginn der Karriere noch eher unbeholfen und etwas steif durch den Sand stampfte. Doch Alison nahm es mit Humor. Es war die Zeit, als der Film „Ice Age“ in die Kinos kam. Auch deswegen ziert eine Mammut-Tätowierung den mächtigen Körper des Sprung- und Blockwunders. Kaum ein Spieler in Rio geht kraftvoller zu Werke.

          Das verlorene olympische Finale 2012 hat eine Narbe hinterlassen. Vielleicht rührt Alison Conte Cerutti, wie er mit vollem Namen heißt, die Emotionen seiner Landsleute deshalb so an. Nach dem gewonnenen Halbfinalmatch gegen die Niederländer Brouwer/Meeuwsen (2:1) hatten die Zuschauer in der Arena an der Avenida Atlantico Tränen in den Augen. Ihre Jubelschreie trägt der Atlantikwind bis weit in die Stadt hinein, so dass die Menschen in den Bars und Kneipen im Stadtteil Copacabana, die das Duell mit ein paar Augenblicken und nur wenige Meter entfernt zeitversetzt an den Fernsehern mitverfolgen, voller Vorfreude auf die Bildschirme starren. Und dann recken sich auch hier die Fäuste in die Höhe, umarmen sich wildfremde Menschen.

          Nach dem Einzug ins Finale steckt der Brasilianer den Kopf in den Sand.

          Alison spielt derweil mit den Fans und deren Emotionen. Mit seinen Armen rudernd, fordert er die gelb-grüne brasilianische Wand auf, Stimmung zu machen. Der Student der Wirtschaftswissenschaften weiß um die Wucht des Heimvorteils. Mit jedem Aufschlag und jedem Punktgewinn rückt die ersehnte Goldmedaille ein kleines Stückchen näher. Einmal noch müssen Schmidt, den sie den Magier nennen, und der Gigant aus Vitória die Arena zum Kochen bringen, dann wäre die vielleicht wichtigste brasilianische Goldmedaille dieser Spiele unter Dach und Fach.

          Und Alison hätte seinen Frieden mit der olympischen Vergangenheit gemacht. Das italienische Gespann Nicolai/Lupo musste beim 2:1-Halbfinalsieg in der Nacht zum Mittwoch über Semenov/Krasilnikov bereits an die Reserven gehen. Fast einen halben Tag mehr Zeit zu regenerieren haben Alison/Schmidt, weil sie bereits am Nachmittag dran waren. Kein unwesentlicher Faktor in diesen kraftraubenden Tagen.


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          Der Olympiasieg wäre die Krönung einer Karriere, die keineswegs gradlinig verlief. Erst mit 18 Jahren begann Alison ernsthaft mit dem Sport, der ihn vom Balljungen zum Profi werden ließ. Und anfangs tat sich der noch junge Athlet schwer, Sponsoren zu finden. Inzwischen hat er namhafte Partner, die sich von den Sympathiewerten des Mammuts einen positiven Imagetransfer erhoffen.

          Bislang geht das Konzept auf. Alison liefert nicht nur erstklassigen Sport ab, sondern auch erstklassiges Entertainment. Beachvolleyball ist der vielleicht emotionalste, weil authentischste Wettbewerb dieser Sommerspiele. Weil gleich nebenan eine ganze Armee von Hobbyspielern ihren großen Idolen nacheifern und in den unzähligen Amateurwettbewerben am Strand der Copacabana und Ipanema eine einzigartige Atmosphäre verbreiten. Ein Sieg im Finale in der Nacht zum Freitag und Alison wäre genau hier unsterblich. Und hätte damit seinen Namensgebern dann etwas nicht Unwesentliches voraus.

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