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Olympia : Starke Opposition im Kampf gegen Gigantismus

  • Aktualisiert am

Will das Olympia-Programm reduzieren: Jacques Rogge Bild: AP

Die Sommersport-Weltverbände haben sich mit den vom Ausschluss Bedrohten Olympia-Sportarten solidarisiert und die IOC-Programmkommission scharf verurteilt.

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          Die Spiele sind ausgereizt. Nach einem halben Jahrhundert gigantischen Wachstums ist für die Olympischen Spiele nun Konsolidierung und in Teilbereichen sogar Reduzierung angesagt.

          Diese Forderung einer IOC-Kommission, die mit eindrucksvollen Zahlen den Weg Olympias zum Superfest des Sports beschreibt, geht als Empfehlung an die von Donnerstag an in Mexiko-Stadt tagende Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und löste einen heftigen Konflikt zwischen den Sportverbänden und IOC-Chef Jacques Rogge aus.

          Reduzierung des Olympia-Programms

          Doch wie schwer sich das IOC mit Reformvorschlägen tut, wird bei der Gestaltung des künftigen Olympia-Programms deutlich. Am Freitag wird sich voraussichtlich entscheiden, ob die Vollversammlung überhaupt bereit ist, in Mexiko-Stadt über die Streichung von Baseball, Softball und Modernen Fünfkampf abzustimmen.

          Der Streit um den Ausschluss wird immer heftiger, so dass IOC-Vizepräsident Kevan Gosper (Australien) forderte: „Lasst uns hier entscheiden, sonst nehmen Angst und Uneinigkeit noch weiter zu.“ Das Programm nimmt eine Schlüsselposition ein beim Problem der Kosten-Reduzierung, ohne die Attraktivität der Spiele zu beeinträchtigen.

          „Schneeball-Effekt“

          Bei den Winterspielen im Februar in Salt Lake City kostete die Organisatoren ein Athlet 30 000 Dollar, rechnete die Kommission vor. „Die Entscheidungsträger waren sich bisher nicht vollständig des Schneeball-Effekts bewusst, der aus der Programm-Ausweitung entstand“, kritisierte das von Rogge eingesetzte und von dem Kanadier Richard Pound geleitete Gremium.

          „Die Spiele haben eine kritische Größe erreicht“, heißt es in der Untersuchung. Bei einem weiteren Wachstum „gerät der Erfolg der Spiele in Gefahr“. Von 1948 (London) bis 2000 (Sydney) stieg die Anzahl der Sportarten von 17 auf 28, der Wettbewerbe von 136 auf 300 und der Sportler von 4092 auf 10651.

          Sydney-Zahlen als Maßstab

          In Sydney schwollen die Akkreditierungen auf 200 000 an, allein 20 000 für Medien. Diesem ungezügelten Wachstum müsse Einhalt geboten werden, fordert die Kommission.

          Sie bezieht dabei die Presse und die ständig wachsende Zahl der VIPs mit ein und empfiehlt, die Sydney-Zahlen als künftigen Maßstab zu nehmen, auch was Marketing-Einnahmen und reine Organisationskosten betrifft: Drei Milliarden Dollar wurden von IOC und Organisationskomitee erlöst, zwei Milliarden Dollar vom OK ausgegeben.

          Konkrete Einsparungsvorschläge will die Kommission erst 2003 in Prag vorlegen. Umgesetzt werden kann das Vorhaben erst nach den Peking-Spielen 2008. Doch schon jetzt empfiehlt sie eine bessere Nutzung von Wettkampfstätten, mehr temporäre Anlagen, auch eine Verkleinerung von Zuschauerkapazitäten und des Olympischen Dorfes.

          Solidarität unter Verbänden

          Ob das beim Olympia-Programm gelingt, bleibt offen. Am Dienstag war noch nicht mal sicher, ob der von Rogge angestrebte Ausschluss von Baseball, Softball und Modernem Fünfkampf eine einfache Mehrheit der Vollversammlung finden würde.

          Alle übrigen 25 Sommersport-Weltverbände (Asoif) haben sich per Petition an das Exekutivkomitee mit den vom Ausschluss Bedrohten solidarisiert und das Verfahren der IOC-Programmkommission scharf verurteilt.

          „Verstoß gegen fundamentale Prinzipien“

          In einem Schreiben warfen sie der IOC-Spitze den „Verstoß gegen fundamentale Prinzipien“ der olympischen Bewegung vor. In geschlossener Front konfrontierten die Asoif-Vertreter Rogge mit der Forderung, in dieser Woche „keine Entscheidung für 2008“ zu fällen.

          Asoif-Chef Denis Oswald ist Mitglied der IOC-Exekutive, die am Dienstag das Thema auf dem Tisch hatte. Ob der Schweizer damit auf die Linie von IOC-Vize Thomas Bach einschwenkte, blieb unklar. „Wir sollten hier abstimmen, aber erst mit Wirkung ab 2012“, hatte Bach am Vortag gesagt.

          „Reifeprüfung“

          Rogge dagegen schien weiter gewillt seinen Linie beizubehalten: „Die Session soll hier und jetzt sagen, was sie will.“ Er läuft damit Gefahr, am Ende des zweiten Reformkongresses mit leeren Händen dazustehen. Wenn die Vollversammlung keinen Platz frei macht, bleibt die Tür für neue Sportarten zu.

          Setzt sich der Belgier dagegen mit seiner Strategie durch, ist seine Position als Samaranch-Nachfolger gefestigt. „Dies wird ohne Frage eine Reifeprüfung für ihn“, sagt Athletenvertreter Roland Baar.

          Zuspruch von IOC-Mitgliedern

          „Keine Anhörung, falsche Argumente, mit einem Federstrich raus aus dem Olympia-Programm, so kann man mit Verbänden nicht verfahren“, schimpfte Klaus Schormann. Der deutsche Präsident des Weltverbandes der Modernen Fünfkämpfer ist zuversichtlich, über Athen 2004 hinaus olympisch bleiben zu können.

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