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Olympia-Slalom : Pech und Blech

  • -Aktualisiert am

Das Ende einer olympischen Slalom-Hoffnung: Felix Neureuther fädelt ein und scheidet aus Bild: REUTERS

Slalom-Star Neureuther träumt von einer „coolen Geschichte“ und scheidet aus. Kollege Dopfer ärgert sich über Platz vier. Gold und Silber geht an Österreich.

          Er hatte alles versucht. Wollte sich von dem kaum fassbaren Pech direkt vor dem wichtigsten Rennen in vier Jahren weder körperlich noch psychologisch beeinflussen lassen. Und Felix Neureuther war tatsächlich auf dem besten Weg, die Widrigkeiten der vergangenen Woche vergessen zu machen, sein großes Ziel trotz allem zu erreichen – eine Medaille zu gewinnen im olympischen Slalom-Rennen am Samstagabend im Alpinzentrum Rosa Khutor. Bis dieser verhängnisvolle Einfädler nach der letzten Zwischenzeit kam. Aus, vorbei, Ende aller Medaillen-Träume.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es war ein Schlusspunkt der Olympischen Spiele in Sotschi, der Neureuther mächtig zusetzte. „Es ist schwer, jetzt die richtigen Worte zu finden“, sagte der WM-Zweite. „Für mich hätte es nicht schwieriger kommen können als in der letzten Woche.“ Wegen seines Autounfalls vor acht Tagen auf dem Weg zum Flughafen in München, wegen des Schleudertraumas und der Rippenprellungen, die er erlitten hatte, wegen des gesundheitlichen Auf und Abs, das er danach erlebt hatte, dem Hin und Her zwischen immer neuer Hoffnung und immer neuen Rückschlägen. „Es hätte eine ganz coole Geschichte werden können“, sagte Neureuther, „aber im Endeffekt ist es mit die unglücklichste Woche geworden, die ich in meiner Karriere erlebt habe.“

          Trost vom Trainer: Neureuther nach dem Ausscheiden Bilderstrecke

          Noch unglücklicher wurde der Abend aus deutscher Sicht durch den vierten Platz für Neureuthers Teamkollegen Fritz Dopfer – fünf Hundertstelsekunden hinter dem norwegischen Bronzemedaillengewinner Henrik Kristoffersen. „Das ist schon extremst bitter“, sagte Dopfer, der von Rang 14 nach dem ersten Durchgang nach vorne gefahren war. „Ich kann mir wenig vorwerfen, ich habe im ersten Lauf viel probiert, aber leider einen Fehler gehabt. Im zweiten Lauf bin ich besser gefahren, mit Köpfchen. Aber Platz vier, davon kannst du dir bei Olympia herzlich wenig kaufen.“

          Der älteste Alpin-Olympiasieger in der Geschichte

          Ganz oben stand am Samstag der 34 Jahre alte Österreicher Mario Matt, der damit nun der älteste Alpin-Olympiasieger in der Geschichte der Spiele ist. Er siegte vor seinem Landsmann Marcel Hirscher, dem Slalom-Weltmeister, und Kristoffersen, der wiederum der jüngste Alpin-Medaillengewinner bei Olympia ist.

          Diese Drei kamen am besten zurecht mit der umstrittenen Kurssetzung durch Ante Kostelic. Der 75 Jahre alte kroatische Trainer, der für seine unrhythmischen, schwer zu fahrenden Läufe berüchtigt ist, steckte im zweiten Durchgang wieder einmal einen Kurs mit vielen tückischen Ecken und Kanten. Prompt schieden die Läufer reihenweise aus. „So einen Kurs bei Olympia zu setzen, halte ich für extrem bedenklich“, sagte Alpindirektor Wolfgang Maier. „Ich finde, der Kurs ist eine Katastrophe gewesen.“

          Ähnlich empfand das Felix Neureuther. Der Lauf sei „extrem schwierig“ gewesen, „an der Grenze des Fahrbaren“, sagte der 29 Jahre alte Partenkirchner. „Ich hab’s im Endeffekt nicht fahren können. Aber wenn man die Saison betrachtet, stehen drei verdiente Sieger auf dem Podium.“

          Körperlich war Neureuther beim Olympia-Slalom voll auf der Höhe gewesen, so behauptete er jedenfalls. „Alles super“, sagte er nach dem ersten Lauf, auch wenn das vom Ton her nicht so begeistert rüberkam, wie es inhaltlich klang. Die Zurückhaltung mochte aber auch damit zu tun gehabt haben, dass Neureuther mit dem ersten Lauf nicht restlos zufrieden war. Er startete als letzter der Spitzenfahrer in der ersten Startgruppe, und „die Piste war mit Nummer sieben schon ziemlich unruhig“, sagte Neureuther, eine Folge der hohen Temperaturen am Nachmittag in Krasnaja Poljana. Prompt kam er schon im oberen Teil in Schwierigkeiten. „Mir hat es den Ski verschlagen, ich hab’ mich gleich mal retten müssen. Es war ein Fehler, der mich viel Geschwindigkeit gekostet hat“, sagte er. Im Anschluss behielt er aber die Nerven und brachte den Lauf sicher ins Ziel.

          Mit Platz sieben hatte er sich eine gute Ausgangsposition geschaffen, nur zwölf Hundertstelsekunden betrug sein Rückstand auf Platz drei. Im zweiten Durchgang aber rutschte ihm gleich am ersten Tor eine Stange unter die Ski, „so was ist mir in meiner ganzen Karriere nicht passiert“. Danach fand er zunächst gut in den Lauf – ehe weiter unten das plötzliche Ende kam.

          Das Ende eine wilden Woche

          Wenn er im Slalom am Start stehe, sagte Neureuther schon vor Tagen, werde es danach keine Ausreden geben. Und so hielt er es denn auch am Samstagabend. „Es war extrem schwierig heute, aber es war für alle gleich“, sagte er. „Man hat heute das Richtige tun müssen, sehr clever Ski fahren und trotzdem attackieren. Das ist mir leider nicht gelungen.“

          Die ganzen Emotionen, die diese wilde Woche für Felix Neureuther mit sich gebracht hatte, standen ihm da noch ins Gesicht geschrieben. Wie es jetzt weitergeht? Das zu entscheiden, sagte Felix Neureuther, „das braucht jetzt sicher Zeit und Abstand“.

          Ski alpin, Herren, Slalom

          Gold: Mario Matt (Österreich)  1:41,84 Min. (46,70/55,14 Sek.)
          Silber: Marcel Hirscher (Österreich) 1:42,12 (47,98/54,14)
          Bronze: Henrik Kristoffersen (Norwegen) 1:42,67 (48,49/54,18)
          4. Stefano Gross (Italien) 1:42,72 (47,45/55,27) und Fritz Dopfer (Garmisch) 1:42,72 (48,46/54,26); 6. Adam Zampa (Slowakei) 1:43,28 (49,34/53,94); 7. Mattias Hargin (Schweden) 1:43,60 (47,45/56,15) und Markus Larsson (Schweden) 1:43,60 (48,04/55,56); 9. Sebastian- Foss Solevåg (Norwegen) 1:44,11 (49,08/55,03) und Ivica Kostelic (Kroatien) 1:44,11 (48,75/55,36); Felix Neureuther (Partenkirchen) ausgeschieden (47,57/ - ); Stefan Luitz (Bolsterlang) ausgeschieden (50,79/ - )

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