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Olympia : Samaranch-Session in Moskau: Die Macht des scheidenden Präsidenten

  • -Aktualisiert am

Abschied: Juan Antonio Samaranch Bild: dpa

Die 112. IOC-Session hatte historische Dimensionen: Jacques Rogge ist neuer IOC-Präsident, Peking wird Olympiastadt 2008. Dazu ein FAZ.NET-Spezial.

          2 Min.

          Wenn es um Selbstinszenierung geht, ist das Internationale Olympische Komitee (IOC) beinahe unschlagbar. Und zum offiziellen Abschied von Juan Antonio Samaranch von der Bühne des Weltsports haben sich die Olympier noch einmal ganz besonders eifrig ins Zeug gelegt.

          Auf den Tag genau 21 Jahre nach seiner Inthronisierung am 16. Juli 1980 in Moskau hat der 80 Jahre alte Spanier am 16. Juli 2001 - natürlich wieder in der russischen Hauptstadt - seinem Nachfolger Jacques Rogge gratuliert. Das wird den Historikern den Eintrag Samaranchs in die Geschichtsbücher erleichtern, nach dem der greise Patriarch sich so sehnt.

          IOC-Vizepräsident Thomas Bach erwartete in Moskau „einen großen Einschnitt im Leben dieser Organisation“, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Walther Tröger, sprach sogar von einer „historischen“ Vollversammlung. FAZ.NET begleitet die wegweisende IOC-Session mit aktuellen Berichten aus Moskau, Interviews, Hintergründen und Einschätzungen von Experten.

          Unpolitisches Jahrzehnt

          Durch die Wahl Pekings zur Olympia-Stadt 2008 hat die 112. Session die internationale politische Bedeutung erhalten, in der sich die Sportfunktionäre gern sonnen. Nach den Boykott-Spielen 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles sowie den Spielen in Südkorea 1988 hat die Olympische Bewegung ein unpolitisches Jahrzehnt durchlebt.

          Die 118 anwesenden IOC-Mitglieder haben dem Präsidenten nicht nur das gewünschte Abschiedsgeschenk geliefert, sondern gleichzeitig eine weitreichende politische Entscheidung getroffen.

          Nach der Städte-Kür bildete der Wechsel an der Spitze der mächtigsten Sportorganisation der Welt den Höhe- und Schlusspunkt der IOC-Vollversammlung. Mit dem neuen Präsidenten Jacques Rogge wird eine neue olympische Epoche beginnen. Nach der Ära Samaranch, die durch die Kommerzialisierung und Professionalisierung der Spiele gekennzeichnet war, sind weiterführende Reformen in der olympischen Organisation dringend erforderlich.

          Topfavorit Jacques Rogge

          Das IOC ist auch nach den zarten Reformen in Folge des Korruptionsskandal um die Vergabe der Winterspiele 2002 nach Salt Lake City eher ein elitärer Klüngelzirkel als ein moderner Sportverband. Dem Belgier Jacques Rogge, der, unterstützt von den europäischen IOC-Mitgliedern und protektioniert von Samaranch, wird zugetraut, das IOC zukunftsfähig zu machen.

          Im krassen Gegensatz dazu stand die Kandidatur des 70-jährigen Un Yong Kim. Selbst in den Salt-Lake-City-Skandal tief verstrickt, wollte der Südkoreaner das Rad wieder zurückdrehen. Sein populistisches Wahlkampfmotto: Besuche der IOC-Mitglieder in den Bewerberstädten wieder erlauben. Doch nach der Peking-Wahl waren seine Chancen rapide gesunken. Zumal er im Gespräch mit FAZ.NET jedem IOC-Mitglied 50.000 Dollar pro Jahr in Aussicht stellte. Als Stimmenkauf wollte er das nicht verstanden wissen. Das sei nur eine einfache und neutrale Botschaft.

          Kim hat Hausmacht hinter sich

          Das ging selbst Samaranch zu weit. In mehreren Interviews und in einem Rundbrief an alle Mitglieder rüffelte er bereits in der Vergangenheit die Ideen des Südkoreaners. Kim holte seine rückwärtsgewandte Politik und seine zweifelhaften Vergangenheit als Geheimdienstmann mehrerer südkoreanischer Despoten ein.

          Als chancenlos galten vorher ohnehin die Amerikanerin Anita Defrantz, der Ungar Pal Schmitt und Richard „Dick“ Pound. Der Kanandier war zwar unumstritten der erfahrenste Sportmanager, hatte sich aber als Chefermittler nach dem Bestechungsskandal zu viele Feinde im IOC gemacht.

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