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Olympia : Olympia: Geschlossene Gesellschaft - keine Hoffnung für Trendsport

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Ohne olympische Zukunft: Rugby Bild:

Das Gütesiegel „olympische Diziplin“ bleibt für viele Trendsportarten unerreichbar. Bei den Spielen 2004 in Athen wird es keine neuen Wettbewerbe geben.

          Von einem Auftritt bei Olympia träumt jeder Sportler. Für all jene, deren Sportart bis heute nicht olympisch ist, wird sich dieser Wunsch auch in der nahen Zukunft nicht erfüllen.

          Das Internationale Olympischen Komitee (IOC) hat einen neuen Versuch unternommen, dem ständigen Wachstum der Spiele einen Riegel vorzuschieben: keine neuen Sportarten in Athen 2004, strikte Begrenzung der Teilnehmerzahl auf 10.000 und Einfrieren der Medaillen-Wettbewerbe auf die aktuelle Zahl von 300.

          Die internationalen Verbände, die bereits Anträge auf Erhöhung der Entscheidungen um 13 weitere Disziplinen stellen, müssen sich auf Absagen gefasst machen.

          Das Problem des neuen Präsidenten

          „Wir müssen die Spirale des Gigantismus beenden. Mir sind kleinere, qualitätsvollere Spiele lieber, auch wenn wir zehn bis 15 Prozent weniger Einnahmen bekommen. Wir müssen zurück zu den Wurzeln und den Geist der Spiele in den Vordergrund stellen“, sagte Jacques Rogge. Das Statement des Orthopäden aus Belgien, Kandidat um die Samaranch-Nachfolge, ist zentraler Bestandteil seines Wahlprogramms.

          Mit dem Abschluss der 20 Jahre währenden Samaranch-Regentschaft im Sommer in Moskau wird auch der ständige Sportartenzuwachs enden. Seit seiner Wahl zum IOC-Präsidenten 1980 hat sich die Zahl der Sportarten von 21 auf 28 erhöht, die Medaillenwettbewerbe kletterten gar von 203 auf 300.

          Er habe versagt, sei „gescheitert“, gestand der nicht eben selbstkritische IOC-Präsident in Bezug auf die oft geplante Modernisierung des olympischen Programms ein. „Das ist nun das Problem des neuen Präsidenten“, meinte Samaranch.

          Weder Tanzen noch Wasserski

          Der Weg zur olympischen Bühne bleibt vor allem den Schlange stehenden Trend- und Freizeitsportarten auf Dauer versperrt. Gerade die Wasserskifans hatten sich lange Hoffnungen auf Athen 2004 gemacht. Auch die Tänzer bleiben ausgesperrt. Das Vortanzen von 15 Spitzenpaaren im Ballsaal des Palace Hotels in Lausanne überzeugte die Olympier nicht.

          Aufatmen dürfen dagegen die Neulinge, die „provisorischen“ Sportarten von Sydney. Beachvolleyball, Triathlon, Taek-Won-Do, Softball und die Disziplin Trampolin-Turnen bleiben trotz Vorstellungen von teilweise zweifelhaftem Niveau bis auf Weiteres im Programm.

          Warum die in der kompletten westlichen Welt bedeutungslose Selbstverteidigungsdisziplin Taek-Won-Do und die weibliche Baseball-Variante Softball den Weg in das olympische Programm gefunden haben, bleibt das Geheimnis des IOC.

          Triathlon wird Fünfkampf verdrängen

          Die einzige Hoffnung für alternative Sportarten ist, dass das IOC einem aktuellen olympischen Sport die Gefolgschaft kündigt. „Wenn neue Sportarten zu den Spielen kommen, müssen einige andere das Programm verlassen“, kündigte Samaranch an.

          Doch es bleibt beim IOC vorerst bei markigen Worten. Die olympischen Sorgenkinder haben zumindest bis 2004 eine Schonfrist erhalten. Die dopingverseuchten Gewichtheber bleiben ebenso im Programm wie die Military-Reiter. Wegen der Tierquälerei beim Geländeritt war ihr Dreikampf zu Pferde in Sydney in die Kritik geraten.

          Auch der Moderne Fünfkampf, seit Jahren ganz oben auf der schwarzen Liste, erhält noch eine weitere olympische Überlebenschance. Auf Dauer wird Triathlon, das in Sydney eine glänzende Premiere erlebte, Pentathlon als Vielseitigkeitswettbewerb ablösen.

          Weg nach Olympia wird schwerer

          Doch zittern müssen nicht nur die weniger populären Sportarten, sondern auch die Männer quer durch alle Sportarten und Disziplinen. Weil das IOC den Frauenanteil bei den Spielen auf 40 Prozent in die Höhe treiben will, gleichzeitig aber die Gesamtmenge der Sportler nicht steigen soll, wird die Zahl der Männer bei den Spielen zwangsläufig sinken.

          Erstes Opfer sind die Soling-Segler. Der internationale Segel-Verband strich unter dem Druck der Olympier das traditionsreiche Drei-Mann-Boot zu Gunsten eines Frauenbootes aus dem Programm.

          Der Weg zu den Olympischen Spielen wird für die Sportler und Sportarten in Zukunft schwerer. Selbst die Etablierten wie Schwimmer oder Leichtathleten werden unter dem Nachfolger von Samaranch, egal ob er Jacques Rogge oder Richard Pound heißt, den Modernisierungsdruck der olympischen Bewegung spüren.

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