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Olympia : Kampf um Sportarten - Rogge vor Machtprobe

  • Aktualisiert am

Jacques Rogge macht den Streichungsversuch von Sportarten aus dem Olympia-Programm zum Vabanque-Spiel: Er muss bei dieser Machtprobe mit einer Niederlage rechnen.

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          Der Countdown zur Vertreibung aus dem Paradies ist für Baseball, Softball und Modernen Fünfkampf angelaufen. Am Freitag entscheiden 117 Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Mexiko-Stadt in einer historischen Abstimmung darüber, ob erstmals seit 1936 (Polo) für Peking 2008 wieder Sportarten aus dem Programm der Sommerspiele genommen werden. Bei dieser Machtprobe muss IOC-Präsident Jacques Rogge mit einer Niederlage rechnen.

          Auf Anweisung von Rogge soll die Exekutive dabei „versammeltes Schweigen“ demonstrieren: „Wir werden uns vor der Session nicht äußern“, bestätigte IOC-Vize Thomas Bach. Der Belgier Rogge hatte sich am Dienstag im Führungsgremium in einer Kampfabstimmung mit knappstem Ausgang durchgesetzt, wie mehrere Teilnehmer bestätigten. Über das genaue Ergebnis (angeblich 7:6) wurde Stillschweigen vereinbart.

          Anschließend schwor der IOC-Präsident die Exekutive auf strikte Neutralität auf dem Kongress ein. Bach hatte zuvor mit seinem Vorschlag keine Mehrheit gefunden, Ausschlüsse erst ab 2012 gelten zu lassen: „Dann wäre erst eine neue Sportlergeneration davon betroffen. Aber natürlich trage ich die Entscheidung voll mit.“

          Auch die 28 Sommersportverbände hatten Rogge mit der Forderung konfrontiert, keine Entscheidung für 2008 zu fällen. Doch der ehemalige Olympia-Segler ließ sich auch dann nicht von seinem Kurs abbringen, als die See in der Diskussion stürmisch wurde. Die Abstimmung am Freitag erfolgt geheim in alphabetischer Reihenfolge, die Ergebnisse werden erst am Ende geschlossen verkündet. Zum Ausschluss ist die absolute Mehrheit der Wahlberechtigten erforderlich. Zuvor können die drei Verbände jeweils zehn Minuten vor den Delegierten sprechen.

          Fünfkampf-Präsident Klaus Schormann (Darmstadt): „Meine Rede ist fertig. Sie wird ein Aufruf, nicht die Wurzeln der olympischen Bewegung zu verleugnen.“ Der Ausgang ist schwer vorherzusagen. „Jede Prognose ist reine Spekulation“, meint Bach. Doch die Stimmung in der Lobby des Hotels Camino Real deutete vor der Eröffnung der Session am Mittwoch eher darauf hin, dass keine der drei Sportarten die olympische Familie verlassen muss.

          Ein langjähriges IOC-Mitglied begründete dies so: „Viele kleinere Verbände fürchten, dass sie die nächsten sind, die zum Abschuss freigegeben werden, wenn das Tor erst einmal offen ist. „ Zum großen Verlierer könnte damit Exekutiv-Mitglied Franco Carraro werden, dessen Spezialkommission die Abwahl vorgeschlagen hat.

          Bach bricht für den Italiener und seine Truppe, darunter auch der Hannoveraner Roland Baar, dennoch schon jetzt eine Lanze: „Sie haben vielen mit ihren berechtigten Argumenten Angst eingejagt. Wer seinen Platz behalten will, muss sich bewegen.“ So wird der Geländeritt beim Militaryreiten in Athen von 25 km auf 5 km verkürzt, um der drohenden Streichung ab 2008 zu entgehen.

          Ab 2004 soll zudem regelmäßig nach Ende der Spiele das Programm auf den Prüfstand kommen. Bach: „Keiner hat mehr einen Garantieschein bis in alle Ewigkeit.“ Den „Maulkorb“ für die Exekutive vor der Vollversammlung wollte der Tauberbischofsheimer nicht kommentieren. IOC-Generaldirektor Francois Carrard begründete ihn so: „Es ist nach Auffassung des Präsidenten das Recht der Session, eine dermaßen weitreichende Entscheidung ohne jeden Druck von oben vorzunehmen.“

          Bach lehnte einen Kommentar dazu ab. Mehrere Gründe dürften für Rogges Machtwort ausschlaggebend gewesen sein. Er will das Selbstbewusstsein der einfachen Mitglieder stärken, das seit dem Reiseverbot in olympische Bewerberstädte stark gelitten hat. Er will den Riss, der in dieser Frage durch die Exekutive geht, nicht vor dem gesamten Plenum austragen lassen. Und er will nicht als Verlierer dastehen, wenn alle drei Sportarten weiter ihren Platz behalten. Schließlich hatte er höchstpersönlich die Spezialkommission eingesetzt, um auf dem Reformkongress „die Spiele der Zukunft“ zu präsentieren.

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