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Olympia in Sotschi : Russische Umweltschützer widersprechen Bach

Bus und Bahn statt Baum: Für den Bau der Trasse zwischen Sotschi und Krasnaya Poljana wurde knapp eine viertel Millionen Bäume gefällt Bild: REUTERS

Für jeden gefällten Baum wurden in und um Sotschi „mehr als drei neue gepflanzt“, sagte IOC-Präsident Bach der F.A.Z. „Stimmt nicht“, antwortet Umweltschützer Suren Gasarjan. Er beklagt einen Kahlschlag - und mehr.

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          Russische Umweltschützer haben abermals Kritik an den Organisatoren der in zehn Tagen in Sotschi beginnenden Winterspiele und am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geübt. Suren Gasarjan, Vorstandsmitglied der „Ökologischen Wacht im Nordkaukasus“, widersprach der Behauptung des IOC-Präsidenten Thomas Bach, wonach für jeden im Zuge der Bauarbeiten für die Winterspiele gefällten Baum „mehr als drei neue Bäume“ gepflanzt worden seien. Das hatte Bach in einem Interview mit der F.A.Z. gesagt.

          „Das stimmt einfach nicht“, heißt es in einer Email des diplomierten Biologen Gasarjan an diese Zeitung. Er schreibt: „Gemäß der offiziellen Angaben der an den Bauvorhaben beteiligten Firmen ist die Zahl der gepflanzten Bäume weit niedriger als die der gefällten.“

          Allein für den Bau der Straßen- und Bahntrasse zwischen dem Olympiakomplex am Schwarzen Meer und der Bergstation Krasnaja Poljana seien nach offiziellen Angaben 242.561 Bäume 46 verschiedener Arten gefällt worden, vom staatlichen russischen Bahnunternehmen RSchD aber nur 70.000 wieder aufgeforstet worden.

          Zudem belegten Daten der staatlichen Aufsichtsbehörde für natürliche Rohstoffe (Rosprirodnadsor), dass bis ins Jahr 2013 die Hälfte dieser neu gepflanzten Bäume wieder eingegangen seien. „Die Neupflanzungen kamen nicht aus Baumschulen, sondern wurden aus dem Nationalpark im Kaukasus verpflanzt“, schreibt Gasarjan. „Deshalb ist es kein Wunder, dass sie auf den sogenannten „Kompensationsflächen“ eingegangen sind.“

          Darüber hinaus sei der ökologische Schaden im Nationalpark Sotschi, wo unberührte Ökosysteme zerstört worden seien, weit größer. „Für die subalpinen Grasflächen, die für die olympischen Bauten zerstört wurden, gibt es keinen Ersatz“, schreibt Gasarjan. Bach hatte gesagt, als Ausgleich sei der Nationalpark im Westkaukasus um 20.000 Hektar vergrößert worden.

          Gasarjan stellt das nicht in Abrede, kann die Behauptung aber auch nicht verifizieren, da „die neuen Grenzen des Nationalparks nie öffentlich gemacht wurden. Wir haben gerade erst entdeckt, dass mehrere große Waldgebiete im Tiefland von Imeritinskaja nahe des Olympiaparks aus dem Nationalpark herausgenommen und zur kommerziellen Entwicklung ausgeschrieben wurden“.

          Suren Gasarjan: „Das stimmt einfach nicht“ (Aufnahme vom November 2013)

          Die „Ökologische Wacht im Nordkaukasus“ weist seit Jahren auf die Umweltzerstörung im Zusammenhang mit den olympischen Bauvorhaben in Sotschi hin. Im Dezember wurde ein Mitglied der Gruppe, Jewgenij Witischko, zu drei Jahren Lagerhaft verurteilt, weil er einen Zaun um das Anwesen des Gouverneurs der Region Krasnodar, in der Sotschi liegt, beschädigt haben soll. Eine in einem ersten Verfahren im Juni 2012 zur Bewährung ausgesetzte Strafe wurde im Dezember verschärft, weil Witischko gegen die Bewährungsauflagen verstoßen haben soll.

          Gasarjan, der mit Witischko an dem Anwesen war, wurde zunächst ebenfalls zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Später wurde ihm vorgeworfen, er habe gegen Meldeauflagen verstoßen. Inzwischen lebt er in Estland, wo er politisches Asyl erhalten hat. Julija Gorbunowa, Moskauer Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, sagte bereits im Dezember 2012, es gehe darum, Olympiakritiker wie Gasarjan und Witischko mundtot zu machen und hinter Gitter zu bringen.

          „IOC übernimmt Verantwortung nicht“

          Auch Gasarjan geht davon aus, dass die Strafverschärfung in Witischkos Fall im Zusammenhang mit der Kritik an den olympischen Bauvorhaben zu sehen ist. Das IOC stelle sich in diesem Fall nicht seiner Verantwortung. Der jüngste Beleg dafür sei eine Email des IOC-Mediendirektors Mark Adams an die russischen Sektionen des World Wildlife Fund (WWF) und Greenpeace. Igor Chestin, Direktor von WWF Russland, hatte in Witischkos Fall an Bach geschrieben.

          In der Antwort des IOC, die dieser Zeitung in einer Abschrift vorliegt, heißt es, man habe dazu Informationen beim Organisationskomitee der Spiele angefordert. Aus diesen und aus Chestins Brief ergebe sich, dass der Fall nicht im Zusammenhang mit der „Vorbereitung der Olympischen Spiele“ stehe. „Wir können, unabhängig von unserer Beurteilung von Geschehnissen, nur bei Belangen einschreiten, die in direktem Zusammenhang mit den Spielen stehen“, heißt es in der Email Adams’.

          Für Gasarjan zeigt diese Antwort, dass das IOC nicht die Verantwortung übernehme, die es für Umweltschäden und Menschenrechtsverstöße während der Vorbereitung der Spiele trage.

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