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Olympia 2012 : Seriöse Schwaben

  • Aktualisiert am

Modell des Olympiaparks Stuttgart: „Spiele der kurzen Wege” Bild: dpa

Stuttgart setzt im nationalen Kampf um die Olympischen Spiele 2012 in erster Linie auf wirtschaftliche Seriösität um die NOK-Kommission zu beieindrucken.

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          Schwäbische Tugenden und kurze Wege statt Pomp und Protz: Stuttgart setzt im nationalen Kampf um die Olympischen Spiele 2012 in erster Linie auf wirtschaftliche Seriösität und hat damit die Evaluierungskommission des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) offenbar beeindruckt.

          „Was wir hier vorgefunden haben, war ganz, ganz hervorragend. Aus technischer Sicht sind Olympische Spiele in Stuttgart ohne Einschränkung machbar“, erklärte der Kommissions-Vorsitzende Dieter Graf Landsberg-Velen am Dienstag nach der Inspektionstour durch baden-württembergische Landeshauptstadt.

          Nach den Lobeshymnen auf das Konzept der Stadt Hamburg wollte Landsberg-Velen nun offenbar den Eindruck beiseite wischen, man habe diesen Bewerber begünstigen wollen. So überschüttete er auch den
          potentiellen Olympiastandort Stuttgart mit Lob und war sichtlich bemüht, dessen Ebenbürtigkeit mit Hamburg zu unterstreichen.

          „Bescheidenheit und Gründlichkeit“

          Besonders beeindruckte den NOK-Vizepräsidenten bei der zweitägigen Stippvisite die „Bescheidenheit und Gründlichkeit“ der Bewerbung. Als großes Plus wertete Landsberg-Velen wie bereits zuvor in Hamburg die zentrale Lage der meisten Wettkampfstätten rund um den Cannstatter Wasen.

          „In Sachen Infrastruktur ist die Stuttgarter Bewerbung ebenso wie die von Hamburg großartig“, urteilte der 77-Jährige, der die eigene Rolle als Prüfer realtiviert. „Wir sehen uns eher als Partner der Bewerberstädte. Durch eine gute Zusammenarbeit wollen wir in Blickrichtung 2012 alles möglichst professionell machen.“

          „Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit“

          Das eigentlich elfköpfige Gremium, welches aber ohne das NOK-Mitglied Willi Holdorf und IOC-Präsidiumsmitglied Roland Baar angereist war, hatte am Montag die neu gestaltete Ausstellung zu den Olympiaplanungen im Stuttgarter Rathaus besichtigt. An den Modellen des Olympiastadions und des Olympiaparks Cannstatter Wasen hatte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster („Für uns sind Olympische Spiele erfolgreich machbar“) den Evaluatoren erste konzeptionelle Einblicke in das auf „Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit“ fußende Konzept gegeben, das „Spiele der kurzen Wege“ vorsieht.

          84 Prozent aller Entscheidungen finden in einem Radius von zwölf Kilometern statt. 44 Prozent der Wettbewerbe sollen direkt im Olympiapark am Cannstatter Wasen ausgetragen werden, in Sichtweite von Hanns-Martin-Schleyer-Halle und Gottlieb-Daimler-Stadion.

          „Per Bahn zum Wettkampf“

          Neben der Arena, die als Olympiastadion auf ein Fassungsvermögen von 80. 000 Zuschauern aufgestockt werden soll, ist als zweites Zentrum die neue Messe in unmittelbarer Nähe des Flughafens geplant. Dort ist außerdem das Pressedorf für rund 18.000 Journalisten vorgesehen. Für weitere Wettkampfanlagen würden Ludwigsburg, Fellbach, Esslingen, Kornwestheim, Sindelfingen, Böblingen und Waiblingen den Zuschlag erhalten.

          Einen etwas längeren Anreiseweg aus Stuttgart müssten Ruderer, Kanuten (beide Karlsruhe), Reiter (Mannheim) sowie Mountainbiker (Bad Wildbad) in Kauf nehmen. „Allerdings sind ihre Wettkampfstätte per Bahn in 34 Minuten erreichbar“, betont Raimund Gründler, Geschäftsführer der Stuttgart 2012 GmbH.

          Faktor Publikum

          Für den 38-Jährigen ist der gute Ruf in der Sportwelt ein weiteres „Pfund“. Stuttgart sei die einzige Stadt, die noch nicht Olympische Spiele ausgerichtet habe, „aber trotzdem mit der Unesco-Fair-Play- und IOC-Trophy für ihr Publikum bei der Leichtathletik-EM 1986 und WM 1993 ausgezeichnet wurde“, meinte Gründler.

          Für die Landsberg-Kommission geht die Inspektion der restlichen deutschen Bewerberstädte fast ohne Pause weiter. Bereits am Mittwoch und Donnerstag wird Frankfurt unter die Lupe genommen, dann folgen Düsseldorf (18./19. Oktober) und Leipzig (1. /2. November).

          Die Entscheidung über den deutschen Kandidaten wird am 12. April 2003 auf einer Außerordentlichen NOK-Mitgliederversammlung in München fallen. Im Sommer 2005 wird das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Sommerspiele 2012 vergeben.

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