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Olympia 2012 : Neuer Geschäftsführer für Leipzig, Entlastung für Tiefensee

  • Aktualisiert am

Leipziger Schattenspiele Bild: dpa/dpaweb

Der frühere Wirtschaftsmanager Peter Zühlsdorff soll als neuer Geschäftsführer die Leipziger Olympiabewerbung wiederbeleben. Das gab der Aufsichtsrat in Frankfurt bekannt. Zwei Prüfberichte entlasten Oberbürgermeister Tiefensee.

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          Am Buß- und Bettag wurde erst reiner Tisch gemacht, dann die frohe Botschaft verkündet: Angeführt vom „Ein-Euro-Mann“ Peter Zühlsdorff bleibt Leipzig weiter als deutscher Kandidat für die Olympischen Spiele 2012 im Rennen. Diese Entscheidung verkündeten Aufsichtsrats-Chef Klaus Steinbach und Bundesinnenminister Otto Schily am Mittwoch abend in Frankfurt. „Daumen hoch für Leipzig“, brachte Schily die Beschlüsse auf den Punkt.

          Entlastung für Tiefensee und Milbradt

          „Ein guter Tag für die deutsche Kandidatur“, freute sich Steinbach, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Der frühere Außenminister Hans Dietrich Genscher übernimmt den Vorsitz im Kuratorium, Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sport-Bundes (DSB), bleibt im Aufsichtsrat. Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee und Ministerpräsident Georg Milbradt wurden vom Verdacht freigesprochen, in Affären verwickelt zu sein. Die mit Spannung erwartete Klausurtagung war kurzfristig vom Haus des Sports in die Opel-Zentrale nach Rüsselsheim verlegt worden, um dem starken Medienandrang zu entgehen.

          Der frühere Wirtschaftsmanager Peter Zühlsdorff wurde zum neuen Spitzenmann der Bewerbung berufen. Einen Monat nach der Entlassung von Dirk Thärichen besetzte das Gremium die Position mit dem 63jährigen, der sich im Vorstand der Unternehmen Wella und Tengelmann einen guten Ruf erworben hat und Leipzig als „Ein-Euro-Mann“ weiterhelfen soll. Er wurde von Schily persönlich verpflichtet: „Herr Zühlsdorff ist ein Patriot der Praxis“, sagte der Sportminister. Der neue erste Mann sagte in einer ersten Stellungnahme: „Ich bin gerne Deutscher und will dem Land etwas zurückgeben - und die Menschen im Osten haben eine Perspektive verdient.“

          Der Dank des Aufsichtsrates galt den beiden Mitte Oktober ernannten Krisenmanagern Bernd Rauch und Thomas Middelhoff. „Mit dem heutigen Tag ist unsere Arbeit früher als gedacht zu Ende“, meinte der Münchner Stararchitekt und Bayern-Vize Rauch. Der kommissarische Leipziger Büroleiter Mike de Vries rückt wieder ins zweite Glied.

          Lothar Späth im Aufsichtsrat

          Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee und Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt wurden durch zwei Prüfberichte offensichtlich „abschließend entlastet“, wie Steinbach betonte. Danach waren die beiden Politiker nicht in die Affären der Bewerbung verwickelt. Sowohl die alte GmbH aus der Zeit der nationalen Ausscheidung sowie die jetzige GmbH waren Gegenstand der Untersuchungen gewesen.

          Erleichterung und Zufriedenheit waren in Frankfurt spürbar, nachdem die Weichen zum ersten Etappenziel am 15. Januar auf Grün gestellt worden waren. Bis zu diesem Datum müssen die technischen Eckdaten der Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne eingereicht sein.

          Den Aufsichtsrat verstärken mit Lothar Späth und Arend Oetker künftig zwei weitere bekannte Namen. Baden-Württembergs früherer Ministerpräsident Späth übernimmt die Position von Sachsens früherem Olympia-Staatssekretär Wolfram Köhler; der Unternehmer Oetker ersetzt den vormaligen Olympiabeauftragten Leipzigs, Burkhard Jung. Der Platz von Landessportbund-Chef und CDU-Generalsekretär Hermann Winkler bleibt vorerst frei.

          Manfred von Richthofen bleibt Mitglied des Führungsgremiums. „Die Prüfberichte haben mich davon überzeugt, daß alle Affären der Vergangenheit restlos aufgeklärt wurden und keine weiteren Aufdeckungen zu erwarten sind. Deshalb bleibe ich im Team“, sagte der DSB-Vorsitzende. Zuvor hatte der Berliner mit Rücktritt gedroht.

          Ernannt wurden die ersten sieben Mitglieder des Kuratoriums, das von dem ehemaligen Außenminister Hans Dietrich Genscher geleitet wird. Ihm gehören auch die IOC-Mitglieder Thomas Bach und Roland Baar sowie bekannte frühere Sportler wie Rosi Mittermaier und Hartwig Gauder an.

          Am 10. Dezember kommt der Aufsichtsrat in Leipzig nochmals zusammen, um das endgültige Konzept zu verabschieden. Es wird nach der Abgabe am 15. Januar von Experten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) unter die Lupe genommen und bewertet. Am 18. Mai entscheidet die IOC-Exekutive, welche der neun Bewerberstädte als Kandidaten für 2012 akzeptiert werden. Leipzigs Konkurrenten sind Havanna, London, Istanbul, Madrid, Moskau, New York, Paris und Rio de Janeiro. Die Wahl durch die IOC-Session erfolgt am 6. Juli 2005 in Singapur.

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