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Olympia 2012 : Leipzig macht Tempo

  • Aktualisiert am

Vor dem Rathaus: Leipzig läuft für Olympia 2012 Bild: dpa/dpaweb

Nur zwei Tage nach der Wahl hat die neue Bewerbungs-GmbH für den deutschen Olympia-Anwärter die Arbeit aufgenommen. An der Spitze stehen NOK-Präsident Steinbach und Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee.

          Nur zwei Tage nach der Wahl Leipzigs hat die neue Bewerbungs-GmbH für den deutschen Olympia-Anwärter die Arbeit aufgenommen. Die Gesellschaft wurde am Montag in der sächsischen Messestadt gegründet. An der Spitze stehen der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Klaus Steinbach, als Aufsichtsratsvorsitzender und Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee als sein Stellvertreter. Dies gab das Stadtoberhaupt bekannt.

          „Es ist der erste Arbeitstag. Wir werden sehr schnell eine Organisationsstruktur schaffen und Stühle besetzen und mit atemberaubenden Tempo vorangehen“, kündigte Tiefensee an. Das NOK wird die Mehrheit von 50,1 Prozent erhalten. 45 Prozent gehen an Leipzig, 4,9 Prozent an den Segel-Bewerber Rostock. Damit wird dem NOK gemäß der IOC-Regel ein Übergewicht und die letzte Verantwortung eingeräumt. Die neue Organisation ist erster Ansprechpartner für das Internationale Olympische Komitee (IOC).

          Schily im Aufsichtsrat

          Über weitere personelle Besetzungen der GmbH schwieg sich Tiefensee aus. Ebenso über die mögliche Variante mit zwei Geschäftsführern sowie einer hochkarätigen Persönlichkeit als „Gesicht der Bewerbung“, mit der Leipzig auch am 6. Juli 2005 in Singapur bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2012 siegreich sein will. Zuvor müsste die Stadt jedoch im Juni 2005 die Vorauswahl schaffen, bei der das IOC-Exekutivkomitee von voraussichtlich etwa zehn Bewerbern nur vier bis sechs für das Wahlfinale zulässt.

          Der Aufsichtsrat soll aus 15 Personen bestehen. Dabei kann Leipzig sieben Positionen besetzen. Für die acht NOK-Stellen nominierte die olympische Organisation bereits Bundesinnenminister Otto Schily, den NOK-Vizepräsidenten Dieter Graf Landsberg-Velen, den Chef der Deutschen Sporthilfe, Hans-Ludwig Grüschow, sowie Manfred von Richthofen als Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB).

          RTL buhlt um Olympia-Rechte

          „Wir haben weiterhin ein kleines Budget, aber Geld muss man intelligent einsetzen“, erklärte Tiefensee. Für die internationale Bewerbungsphase haben die Sachsen 30 Millionen Euro veranschlagt, die die Gesellschafter der „Leipzig, Freistaat Sachsen und Partnerstädte GmbH“ bereits garantierten. Die 2,6 Milliarden Euro zur möglichen Vorbereitung und Durchführung der Spiele sichert die Stadt Leipzig ab.

          Gegenüber der Financial Times Deutschland kritisierte IOC-Vizepräsident Bach den geplanten Etat von 30 Millionen für die internationale Bewerbung Leipzigs. Das sei „mehr als genug“, sagte Bach, „aus Sicht des IOC, wäre ein kleineres Budget besser“. Bei der Vergabe der Fernsehrechte für die Olympischen Spiele ab 2008 zeichnet sich laut Bach in derselben Ausgabe ein Vorteil für RTL ab. Nach seiner Ansicht hat der Kölner Sender, dessen Planungen Informationschef Hans Mahr vor kurzem in der IOC-Zentrale in Lausanne vorgestellt hat, „in allen Punkten ein überzeugendes Konzept vorgelegt“. Man sei für Verhandlungen aber noch „nach allen Seiten offen“, so Bach.

          Stolpe sichert Mittel zu

          Nach der GmbH-Gründung bei einem Leipziger Notar müssen nun noch kleinere formale Schritte erledigt werden. Dazu zählt eine Stammeinlage, die nach Angaben der „Leipziger Volkszeitung“ noch am Montag in Höhe von 25.00 Euro geleistet worden sein musste, damit die GmbH ins Handelsregister aufgenommen werden kann.

          „Wir haben mit den NOK-Mitgliedern gesprochen, um erste Weichen zu stellen“, sagte Tiefensee. „Wir müssen verschiedene Spatenstiche machen“, kündigte er an. Auf diese Weise soll Überzeugungsarbeit gegenüber dem IOC für die dritten Spielen in Deutschland nach 1936 in Berlin und 1972 in München geleistet werden. Bereits am Montagmorgen hatte Tiefensee mit Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe telefoniert. „Er versicherte mir, dass es nun Prioritäten für den sächsischen Raum und besondere Aufstockungen geben wird.“
          Tiefensee vereinbarte zudem mit seinem Rostocker Amtskollegen Arno Pöker eine enge Zusammenarbeit, die Hansestadt ist als deutscher Segelort als Mitbewerber im Boot.

          Bewerbungs-GmbH bis Juni 2004

          Während die Gesellschaften der vier unterlegenen Städte Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart in Marketing-Unternehmen umgewandelt oder aufgelöst werden, soll sich die Gesellschaft der siegreichen Sachsen vor allem um die lokalen und regionalen Aktivitäten kümmern. „Wir werden an den Mitarbeitern
          festhalten“, erklärte Tiefensee. Die neue Bewerbungs-GmbH existiert mindestens bis Juni 2004, wenn das IOC die offiziellen Kandidaten-Städte benennt. Gehört Leipzig zu ihnen, verlängert sich die Existenz der GmbH bis zur Vergabe. Sollten die Sachsen den Zuschlag erhalten, würde die GmbH von einem olympischen Organisationskomitee (OK) abgelöst werden.

          Gelassen reagierte Tiefensee auf das geteilte Echo in den deutschen Medien, die in einigen Fällen die internationalen Chance der 500 000 Einwohner zählenden Stadt stark in Frage stellten. „Bei aller Euphorie und Begeisterung - der Sieg der Sachsen bedeutet das Ende des Traums von Olympia in Deutschland“, meinte beispielsweise die „Braunschweiger Zeitung.“ Dazu Tiefensee: „Deutschland sollte nicht so kleinmütig herangehen. Mein Gott, es geht doch nicht danach, welche Stadt wie viele Einwohner hat oder einen guten
          Namen.“

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