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Olympia 2012 : Im bescheidenen Dorf wird es herzlich - und eng

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Computersimulation Leipzig: „Überschaubare und maßvolle Spiele” Bild: AP

Fünf Städte, ein Traum - Olympia 2012. Am 12. April fällt die nationale Entscheidung durch das NOK. Die FAZ.NET-Serie zu den fünf deutschen Kandidaten, Teil 3: Leipzig will seine olympischen Gäste zur Not aufs Abstellgleis bitten.

          Wie sich die Mitglieder des Nationalen Olympischen Komitees am 12. April entscheiden, welche Rolle der Evaluierungsbericht und andere Einschätzungen spielen werden, was eine gute Präsentation am Wahltag in München noch bewirken oder eine schlechte noch kaputtmachen kann - dies alles ist kaum schlüssig zu beantworten. Fest steht indes schon: Jede der fünf Städte ist wählbar als Olympiabewerber für 2012 und international präsentabel. Jede Rangordnung - auch die von F.A..Z-Redakteur Michael Reinsch (mit Wohnsitz Berlin) nach seinen fünf Besuchen - muß subjektiv bleiben.

          Leipzig hat es geschafft. "Die Evaluierung ist ein schönes Zertifikat", sagt Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, als hätte er das Abitur bestanden. In seinen Augen ist die Bewertung von Leipzigs Olympiabewerbung durch das Nationale Olympische Komitee (NOK) Ausweis dafür, daß die Stadt die Spiele nicht nur veranstalten will, sondern sie auch veranstalten kann. Mit - je nach Auswahl der Kriterien - Platz zwei oder drei in der Evaluierung läßt sich ein quälender Komplex kurieren. "Keiner kann mehr davon sprechen, daß wir einen Ost-Bonus bräuchten", sagt Tiefensee erfreut:

          "Wir sind der Favorit der Herzen."

          Mit Herz und Schwung gehen die Sachsen die Sache an. Wer bei einem Anruf in die Warteschleife der Bewerbungsgesellschaft geschickt wird, bekommt ein fröhliches Liedchen zu hören, das so geht: "Für Hamburg wird es wirklich hart, Tränen fließen in Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf wie schade, Leipzig kriegt die Olympiade, weil dann unsere schöne Stadt, fünf Ringe und fünf Prinzen hat!"

          So frech ist kein anderer Bewerber. Kein anderer Bewerber hat die Prinzen; eine Band, die aus ihrer Ausbildung im bald achthundert Jahre alten, durch die Arbeit von Johann Sebastian Bach persönlich geadelten Thomanerchor einen Platz in der deutschen Popmusik gemacht hat. Die fünf Musiker stehen für den Schwung, in den die an Traditionen so reiche Stadt gekommen ist. Mit den Montagsdemonstrationen aufgebrochen aus der Erstarrung des Sozialismus, mit gewaltigen Investitionen - in Neue Messe und Flughafen, in Fabriken von Porsche und BMW - gestartet ins Rennen der Regionen, soll Olympia für eine Spitzenplazierung sorgen: Weltstadt Leipzig.

          Temporäre Denkmale Olympias

          In einem abgedunkelten Kuppelsaal der Alten Messe zeigen die Leipziger, wie sie sich das vorstellen. Von einer Brücke aus geht der Blick übers Wasser zu zwei Stadien, von denen das eine in seiner Bewegung um die Arena anschwillt und an der Stirnseite verspringt, während das andere sich in einen Hügel duckt und mit einem dünnen Membrandach bedeckt: temporäre Denkmale Olympias am Elsterbecken, die das innerstädtische Sportforum ausweiten und ein Gegengewicht zum Stadion für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Rund des Zentralstadions bilden. Die Entwürfe stammen aus den Büros von Peter Eisenman, New York, und Peter Kulka, Dresden. Nach den Spielen soll das Stadion zurückgebaut werden zu einer Leichtathletik-Arena.

          In der Olympia-Ausstellung herrscht Betrieb. 2012 wolle er bei den Olympischen Spielen als "Feranstaltungskaufmann" dabeisein, hat ein Fünftkläßler ins Gästebuch geschrieben. "Viel Glück - Leipzig 2012 (oder 2016)" lautet ein Gruß, den Fedor Radmann hinterlassen hat; der Mann, der im Schatten von Franz Beckenbauer die Fußball-Weltmeisterschaft nach Deutschland und damit auch nach Leipzig geholt hat. Er macht kein Hehl aus der bayrisch-sächsischen Verbundenheit.

          „Überschaubare und maßvolle Spiele“

          Wenn eine Stadt die Forderung von IOC-Präsident Jacques Rogge nach dem Ende des Gigantismus und einer neuen Bescheidenheit des olympischen Sports vertreten könnte, dann Leipzig mit seinen 500.000 Einwohnern. Sommerspiele in einer so kleinen Stadt hat es noch nie gegeben. Anders als Metropolen wie New York und Moskau wäre Leipzig durch und durch von Olympia geprägt; nicht nur während der Spiele, sondern auch jahrelang vorher und nachher. Zumal Leipzig nach Kritik am Verkehrskonzept seine Spiele weiter zentriert hat: aus Dresden und Chemnitz wurden Wettbewerbe abgezogen und Leipzig einverleibt. "Auf keinen Fall ist Leipzig zu klein", behauptet Tiefensee. "Es könnte ein gewichtiges Argument sein, daß wir überschaubare und maßvolle Spiele veranstalten."

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