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Siegerin der Herzen : Natalie du Toit trotzt ihrer Behinderung

Botschafterin du Toit: „Wenn du an dich glaubst, kannst du alles erreichen” Bild: AFP

Für Natalie du Toit ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Nach einem Unfall musste der Südafrikanerin ein Unterschenkel amputiert werden. Nun startete sie beim olympischen Schwimm-Marathon und belegte Platz 16.

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          Nachdem die russische Langstreckenschwimmer Larisa Ilschenko erste Olympiasiegerin über zehn Kilometer geworden war, dauerte es noch eine Minute und 22,2 Sekunden bis der eigentliche Star des Tages sein Rennen beendet hatte. Natalie du Toit kam als 16. ins Ziel, doch das war unerheblich. Die Südafrikanerin hatte im Jahr 2001 einen schweren Unfall. Damals war sie noch ein Teenager, die Qualifikation für Sydney hatte die Lagenschwimmerin nur knapp verpasst. Sie war mit dem Motorroller unterwegs, als das Auto sie traf. Die Ärzte konnten ihr linkes Bein nicht mehr retten, und so wurde der Unterschenkel der damals Siebzehnjährigen amputiert.

          Cai Tore Philippsen

          Leitender Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

          Drei Monate später ging sie wieder zum Training, versucht sich für die Spiele der Nichtbehinderten in Athen zu qualifizieren, doch mit nur einem Bein kann sie mit der Konkurrenz im Becken nicht mehr mithalten. Dafür reist sie zu den Paralympics und kommt mit fünf Gold- und einer Silbermedaille aus Griechenland zurück.

          Beinschlag nur im Schlussspurt wichtig

          Als dann der Schwimmmarathon in das olympische Programm aufgenommen wird, sieht die junge Frau mit den kräftigen, breiten Schultern die Chance, doch noch zu Olympia zu kommen. Auf der langen Strecke ist der Beinschlag nur im Schlussspurt wichtig, es gibt keine Wenden und der Startsprung ist unbedeutend. „Sie hat einfach weitergemacht“, sagte ihre Mutter in Peking, „sie hat sich nie wie eine Behinderte gefühlt.“

          Besonderheit beim Langstreckenschwimmen: Beinschlag nur im Schlussspurt wichtig

          Bei der Weltmeisterschaft in Sevilla im Mai kommt Natalie du Toit als Vierte ins Ziel, nur 5,1 Sekunden hinter der damaligen Gewinnerin und heutigen Olympiasiegerin Larisa Ilschenko (1:59:27,7 Stunden) - die Qualifikation ist geschafft.

          „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“

          Den Wirbel, den ihr Landsmann Oscar Pistorius, der mit zwei Karbon-Unterschenkelprotesen vergeblich versucht hatte, sich für das 400-Meter-Rennen bei den Leichtathleten zu qualifizieren, gab es bei ihr nicht. Ihr konnte man im Gegensatz zu Pistorius auch schwerlich einen Vorteil durch ihre Behinderung nachsagen, da sie ohne Hightech-Hilfe ihrem Sport nachgeht.

          Dafür wird sie nun in Peking von Kameras umringt. „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, erzählt sie den vielen Reportern. „Meine Botschaft richtet sich nicht nur an die Behinderten sondern an alle. Wenn du hart arbeitest, dir Ziele setzt und an dich glaubst, dann kannst du alles erreichen.“

          Angela Maurer auf dem „blöden vierten Platz“

          Die Vierundzwanzigjährige verdient in Südafrika als Motivationstrainerin ihr Geld, hält Vorträge in Schulen, Firmen und Kirchen. Routiniert redet sie über ihre Lebensgeschichte und ihren Traum, der nun wahr geworden ist. Nur mit dem sportlichen Ergebnis ist sie nicht zufrieden. Unter die ersten Fünf wie in Sevilla wollte sie kommen. „Wenn es nach mir geht, dann müsste Natalie du Toit auch eine Goldmedaille bekommen“, sagte die Siegerin Larisa Ilschenko.

          Auch Angela Maurer wusste nach ihrem vierten Platz nicht so recht, ob sie sich nun über die gute Plazierung freuen oder über die verpasste Medaille ärgern sollte. „Enttäuscht bin ich nicht, aber traurig. Der vierte Platz ist immer der blödeste“, sagte die 33 Jahre alte Mutter eines dreijährigen Sohnes.

          Maurer: „An den Wendebojen mehrmals versenkt“

          Wie so oft beim Langstreckenschwimmen war die Entscheidung auf den letzten Metern gefallen. Die beiden Engländerinnen Keri-Anne Payne und Cassandra Patten hatten lange die Führungsarbeit geleistet und das Tempo bei zermürbenden 30 Grad Luft- und 27,5 Grad Wassertemperatur hochgehalten. Larisa Ilschenko hielt sich wie immer zurück, um kurz vor dem Ziel allen davonzuschwimmen. Angela Maurer versuchte noch an diesem Trio vorbeizuschwimmen, doch am Ende fehlten die Kraft und 0,9 Sekunden zur Medaille. Keri-Anne Payne gewann Silber und Cassandra Patten Bronze.

          Mit Cassandra Patten war Angela Maurer schon im Wasser aneinander geraten und die Engländerin hatte sich auch an Land noch nicht wieder beruhigt. „Ich schwimme sportlich fair“, schimpfte die 21-Jährige, Angela Maurer habe versucht sie auf den letzten Metern zurückzuziehen. Anders als im Becken sind die Athleten nicht durch Leinen von einander getrennt. „Ich wurde an den Wendebojen mehrmals versenkt, aber ich war heute auch kein Engel“, meinte Angela Maurer.

          Du Toit: „Ich möchte nichts umsonst haben“

          Der Kampf im Wasser gehört beim Langstreckenschwimmen dazu. Auch Natalie du Toit wird an den Wendemarken nicht geschont. „Das gehört dazu, ich möchte nichts umsonst haben“, sagt sie. Während ihre Konkurrentinnen nun in aller Ruhe ihre geschundenen Körper pflegen lassen können, bereitet sich Natalie du Toit auf den nächsten Wettkampf vor, die Paralympics in Peking im September.

          Dann schwimmt sie wieder im Becken und will ebenso viele Medaillen gewinnen, wie ihr das in Athen gelungen war. Vorher will Natalie du Toit sich aber im Olympischen Dorf mit Natalia Partyka treffen. Die 19 Jahre alte Polin spielt beim olympischen Tischtennisturnier mit. Seit der Geburt fehlt ihr der rechte Unterarm.

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