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Olympische Spiele : „Ein Kindheitstraum“: Erstes Gold für Deutschland

Ein Mann in seinem Element: Alexander Grimm Bild:

Alexander Grimm hat die erste deutsche Goldmedaille gewonnen. Der Kajak-Fahrer setzte sich im Kanu-Slalom vor dem Franzosen Fabien Lefevre durch. Benjamin Boukpeti aus Togo gewann Bronze und holte damit als erster Afrikaner überhaupt eine Medaille im Eiskanal.

          Das große Gefühl kam schon vor dem Olympiasieg. Als Alexander Grimm am Dienstagnachmittag zum Finale sein Kajak in die Wellen des mächtigen Betonkanals von Shunyi Park stieß, war er sich seiner Sache sicher. Grimm war entspannt und entschlossen zugleich, er hörte die Anfeuerung der großen deutschen Kolonie unter den 37 000 Zuschauern, und er genoss sie.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Ich bin echt mit Freude in den Lauf gegangen“, sagte der 21 Jahre alte Augsburger, „das war ein Gefühl, wie ich es noch nie im Wettkampf hatte.“ Heraus kam die erste Goldmedaille der deutschen Olympiamannschaft in Peking, die nicht nur in dem Wassersportzentrum bejubelt wurde. „Ein Kindheitstraum!“, jubelte der Olympiasieger.

          Grimm: „Ich habe nicht gegen das Wasser gearbeitet“

          Grimm, Berufssportler bei der Bundeswehr, brauchte vier Läufe, bis er als Olympiasieger feststand. Den ersten absolvierte er selbst, und zwar so schnell und so sicher, dass er anschließend zusehen konnte, wie die Konkurrenten in den folgenden drei Läufen an der Zeit scheiterten, die er vorgelegt hatte. „Ich habe den Weg gefunden“, freute sich Grimm über seinen Vorstoß von Platz vier auf Rang eins. „Ich war immer auf dem Wasser, ich habe nicht gegen das Wasser gearbeitet.“

          Deutscher Goldjunge: Alexander Grimm

          Zweiter wurde mit mehr als eineinhalb Sekunden Rückstand der Franzose Fabien Lefevre vor Benjamin Boukpeti, einem in Toulouse lebenden Franzosen, der für das Land seines Vaters, Togo, startet und so die erste Medaille für ein afrikanisches Land im Kanuslalom holte.

          Erste Revolte gegen den Trainer, nun Rendite in Gold

          Für Grimm, Junioren-Weltmeister und Weltmeister mit der Mannschaft, ist der Olympiasieg nicht nur ein sportlicher Triumph. Gemeinsam mit Weltmeisterin Jennifer Bongardt hatte der ruhige junge Mann zudem vor den Spielen eine Revolte gegen Bundestrainer Helmut Schröter angezettelt und dafür gesorgt, dass dieser aus der Olympiamannschaft gestrichen wurde.

          Der Deutsche Kanu-Verband entschied, Schröters Platz Sven Peiler zu überlassen, dem Trainer der Kanutin. So finanzierte Grimms Verein Schwaben Augsburg die Reise seines Trainers Thomas Apel nach Peking - eine Investition, die goldene Rendite abwarf.

          Apel verhalf seinem Schützling zum „Flow“

          Zwar konnte Apel mit seinem Athleten zwischen Halbfinale und Endlauf nicht sprechen, weil er keine Akkreditierung, sondern lediglich eine Eintrittskarte für die Tribüne besaß. Doch wichtiger als die Videoanalyse zwischen den beiden Läufen war das Gespräch zwischen Trainer und Athlet vor dem Wettbewerb. „Mit dem Thomas arbeite ich zusammen, seit ich Jugendfahrer war“, sagte Grimm. „Er weiß, was bei mir nicht stimmt, er hat den Blick dafür.“

          Bevor sich sein Sportler in die Wellen des chinesischen Eiskanals stürzte, verhalf Apel ihm offenbar zum „Flow“, einem Zustand, in dem der Athlet buchstäblich über sich hinaus wächst. „Wichtiger, als sich auf die technischen Feinheiten zu konzentrieren, ist es, den Kopf klar zu kriegen“, sagte Grimm. „Ich habe positive Energie gespürt.“ Sie war so stark, dass sogar Silbermedaillengewinner Lefevre bemerkte: „Heute hätte es einer besonderen Magie gebraucht, um Alexander zu besiegen.“

          „Jetzt macht mir das Paddeln viel zu viel Spaß“

          Trainer Apel schaute sich die Läufe von Grimms Konkurrenten in aller Ruhe an. Als es um den Platz in der deutschen Olympiamannschaft gegangen war, hatte er nicht die Nerven zum Zuschauen. „Die Ausscheidung war schwerer gewesen“, urteilte er nach dem überragenden Olympiasieg Grimms.

          Von seinen Plänen, im Falle eines Medaillengewinns endlich das Studium zu forcieren, wird Grimm nun vermutlich Abstand nehmen. „Jetzt macht mir das Paddeln viel zu viel Spaß“, sagte er. Spaß ohne Paddel dürfte in den nächsten zehn Tagen im Mittelpunkt seines Lebens stehen. Grimm will bis zur Schlussfeier im Olympischen Dorf von Peking bleiben und versprach: „Jetzt wird erst mal Party gemacht.“

          „Bei dieser Strecke liegen Lust und Frust nah beisammen“

          Neben der großen deutschen Kolonie auf der Tribüne feuerte auch Mannschaftskameradin Jennifer Bongardt, die als Kajak-Weltmeisterin und als Playboy-Modell im Blickpunkt steht, Grimm an. Gemeinsam mit Trainer und Betreuer rannte sie im Innenraum an der 280 Meter langen, im Halbkreis angelegten Strecke entlang und sorgte mit spitzen Schreien für die richtige Atmosphäre, Olympiasieger zu werden. Sie war es auch, die Grimm die Deutschland-Fahne zuwarf, mit der er seinen Sieg feierte. Am Donnerstag wird sie ins Rennen gehen - als Favoritin und diesmal von Grimm angefeuert. Auch sie wirbt um Aufmerksamkeit. „Bei dieser Strecke liegen Lust und Frust nah beisammen“, sagte sie.

          Das kann Canadierfahrer Jan Benzien nur bestätigen. Der Leipziger schied im Halbfinale aus. „Ich wollte eine Zehntelsekunde gewinnen und habe alles verloren“, klagte er, nachdem er in einer Walze hinter dem vierten Tor buchstäblich stecken geblieben war. „Dies ist der schwerste Kurs der Welt“, sagt Canadier-Olympiasieger Michal Martikan aus der Slowakei. Und während sein Landsmann Peter Cibak im Ziel sein Paddel zerbrach, weil er im Kajak-Halbfinale gescheitert war, stimmte sich Alexander Grimm in aller Ruhe auf seinen Olympiasieg ein.

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