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Wie sollen die Deutschen in Peking auftreten? : Der Wunschathlet siegt und schweigt

Vom DOSB-Präsident positiv hervor gehoben: Wasserball-Nationalmannschaftskapitän Sören Mackeben Bild: AFP

Auch in Peking wird den deutschen Startern der Medaillenspiegel als Qualitätsnorm vorgegeben: besser als in Athen sollen sie abschneiden. Dabei sind auch umstrittene Sportler am Start. Denn während Zweifel an der Integrität kein Problem zu sein scheinen, kann die offen geäußerte Meinung zum Makel werden.

          Es ist eine Randnotiz, die Claudia Bokel von der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und der Nationalen Olympischen Komitees Anfang April in Peking mitgebracht hat. Aber sie ist nicht unwichtig, wenn es um das Verständnis geht, das Funktionäre von Sportlern haben. „Der Funktionär eines afrikanischen Landes“, erzählte Bokel auf einem Symposion der Deutschen Olympischen Akademie im Juli, „hat bei der Vollversammlung zum Besten gegeben, am liebsten sei ihm, dass seine Sportler gar nicht denken und nur laufen.“

          Die Degenfechterin Bokel hat die Qualifikation für Olympia verpasst, während der Spiele möchte sie als Aktivenvertreterin ins IOC gewählt werden. Bei der Vollversammlung im Frühjahr trat sie couragiert auf als es darum ging, ob und wie Sportler sich zu politischen Themen in Peking äußern dürfen. „Es ist wichtig, dass die Sportler die Chance kriegen, etwas zu sagen.“ Wer sich äußern möchte, solle das dürfen. Bokel erfuhr, wie wenig Sportfunktionäre von dem so oft propagierten Prinzip des mündigen Athleten halten. Ihre ohnehin geringen Chancen auf eine erfolgreiche Kandidatur gelten seitdem als noch geringer.

          Das Interesse der Öffentlichkeit an der politischen Meinung des Athleten

          Spätestens mit den Unruhen in Tibet, eigentlich aber schon mit der Wahl Pekings als Austragungsort der Spiele im Jahr 2001 entstand für die Entscheidungsträger des Sports ein Problem: das Interesse der Öffentlichkeit an der politischen Meinung der Athleten. Während es 2004 in Athen vorhersehbar war, was Sportler über gerade rechtzeitig fertiggestellte Sportstätten dachten, und uninteressant, was sie zur griechischen Innenpolitik zu sagen hatten, sorgten die Aussagen, etwa der Degenfechterin Imke Duplitzer, zur Menschenrechtslage in China für Schlagzeilen.

          IOC-Vizepräsident Bach: „Meinungsfreiheit beinhaltet das Recht zu schweigen”

          Kaum waren auf Initiative eines Sportlernetzwerks Armbänder mit der Aufschrift „Sports for Human Rights“ hergestellt, hatten die Funktionäre Probleme, der Diskussion darüber Herr zu werden, ob und wo diese in Peking getragen werden dürften. Das sei in der olympischen Charta geregelt, wurden die Olympier nicht müde zu sagen, und mit jeder Wiederholung klang es, als koste es sie mehr Mühe, den Deckel auf dem Topf zu halten.

          Thomas Bach beschwört „die Mittel des Sports“

          Bislang beschränkte sich die Aufmerksamkeit für die Rolle der Sportler bei Olympischen Spielen auf die des Siegers oder die des Verlierers, des Helden für den Augenblick, der über den Wettkampf spricht und in dessen Erfolg sich Funktionäre sonnen können. Dieses Mal aber könnte der Sportler auch über die Diktatur sprechen, auf derem Gebiet er an den Start geht. Der Präsident des Kanu-Weltverbands, Ulrich Feldhoff, sagte, er hätte kein Problem mit dem Tragen eines Armbands auch während des Wettkampfs gehabt. Doch er bleibt die Ausnahme - und das Armband wie jedes andere Zeichen politischer Meinungsäußerung in den olympischen Sportstätten verboten.

          „Olympische Wettbewerbe dürfen kein Marktplatz der Meinungsäußerungen werden, das ist das Ende des Sports“, sagt Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). „Mit den Mitteln des Sports“ sollen die Athleten für ihre Ideale eintreten, sagt Bach. Längst nicht alle deutschen Sportler wollen sich zu China äußern, für die Mehrheit dürfte die Politik keine Rolle spielen. Einige Athleten, die schon in China waren, so der Segler Johannes Polgar, sind vielmehr begeistert von den sportlichen Bedingungen dort.

          „Meilenstein“ Peking: Im Medaillenspiegel soll es aufwärts gehen

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