https://www.faz.net/-g8h-znfa

Olympische Kommunikation : Wie kommen Sportler mit Chinesen in Kontakt?

Freiwillige Olympiahelfer: Kommunikationsprobleme durch noch mehr Freundlichkeit überspielen Bild: dpa

Das IOC sicherte jedem Sportler in Peking - außerhalb der olympischen Stätten - seine individuelle Meinungsfreiheit zu. Sprachbarrieren werden jedoch den Kontakt zu chinesischen Sportlern und Pekinger Bürgern erschweren.

          Viel ist über die Meinungsfreiheit in China gesprochen worden, seit der Tibet-Konflikt im Frühjahr wieder aufflammte und sich der von den chinesischen Organisatoren als Imagereise geplante Fackellauf zum Ziel von Protesten wurde. Es blieben Bilder im Gedächtnis, auf denen Londoner Polizisten mit chinesischen Sicherheitsleuten rangeln, und etliche deutsche Sportler sagten ihre Meinung dazu.

          Fechterin Imke Duplitzer will aus Protest der Eröffnungsfeier fernbleiben, vielen anderen war bange vor einem Boykott, sie verwiesen auf ihren Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen. Sören Mackeben, Kapitän der Wasserball-Nationalmannschaft, wollte zunächst in einem orangefarbenen Bademantel für Tibet demonstrieren und nahm öffentlich Abstand von dem Vorhaben, als er sich „besser informiert“ hatte. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sicherte jedem Sportler seine individuelle Meinungsfreiheit zu – außerhalb der olympischen Stätten, die frei von politischen Äußerungen zu bleiben haben.

          Sprachbarrieren und differenzierte Umgangsformen

          Der Rahmen ist abgesteckt, in dem der völkerverbindende Geist der Spiele, den IOC-Vizepräsident Thomas Bach beim Symposion „Zwänge, Chancen, Strategien: Sport und Politik vor den Olympischen Spielen in Peking“ der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) betonte, Ausdruck finden darf. Auf Verständigung hofft Bach, und die „ist nur möglich, wenn man bereit ist, in einen Dialog zu treten“, sagte er.

          China heute: Viele Menschen, eine Meinung?

          Doch ein solcher Dialog mit chinesischen Sportlern und Pekinger Bürgern könnte schwierig werden für die deutschen Athleten: „Es ist illusorisch, zu glauben, die Sportler könnten mit Chinesen in Peking kommunizieren – dazu können chinesische Sportler und erst recht Pekinger Bürger viel zu wenig Englisch“, sagte Thomas Heberer, Professor für die Politik Ostasiens an der Universität Duisburg-Essen, bei der DOA-Veranstaltung. Schwierig könnte sich die Kontaktaufnahme gestalten, da es „Chinesen sehr wichtig ist, sich richtig auszudrücken. Deshalb tendieren sie dazu, unter sich zu bleiben.“

          Der Politikwissenschaftler Heberer hält die Vergabe der Spiele nach Peking für „richtig und sinnvoll“. 1977 arbeitete er erstmals als Übersetzer in Peking, seither forscht er beinahe jedes Jahr mehrere Monate in China. Die Verbesserungen in der chinesischen Gesellschaft seit Ende der Mao-Ära nennt er „in der Geschichte einmalig“. Appelle oder Kritik an China durch deutsche Athleten während der Spiele aber würden ungehört verhallen, sagt Heberer. „Das wird in China niemand sehen, also wird es auch niemanden mobilisieren.“ Schlechte Aussichten für Sportler, die nicht nur mit ihren Wettkämpfen China verändern wollen.

          Unsicherheit mit Freundlichkeit überspielen

          Knapp einen Monat vor den Olympischen Spielen sieht Heberer auch bei den chinesischen Behörden Unsicherheit im Umgang mit den Ausländern: „Das hat zu der sehr restriktiven Visapolitik geführt und zu den Umweltmaßnahmen gegenüber Autofahrern und Unternehmen, die fast eine Überreaktion sind.“ Ebenso sei es im Umgang mit den ausländischen Medien, da die Behörden „fragmentiert“ seien. „Da hat die Zentralregierung wenig Einfluss auf lokale Behörden“, so Heberer. Ein gutes Beispiel sei die Behinderung eines ZDF-Teams an der chinesischen Mauer Anfang des Monats, das trotz Genehmigung von lokalen Sicherheitskräften am Dreh gehindert wurde. Die chinesische Regierung entschuldigte sich anschließend für die Unannehmlichkeiten.

          Heberer erwartet, dass die Gastgeber Kommunikationsprobleme durch „ein Vierfaches an der ohnehin großen Freundlichkeit“ überspielen werden. „Die Chinesen wissen, dass sie hervorragende Gastgeber sind – das wird die Besucher mitreißen.“ Durch einen guten, friedlichen Verlauf der Spiele könnten sich gemäßigtere Kräfte in der chinesischen Politik womöglich wieder stärker durchsetzen. Weniger könnte mehr sein – vielleicht legte Thomas Bach beim DOA-Symposion deshalb Wert auf die Feststellung, dass die Meinungsfreiheit auch das Recht zu schweigen beinhalte.

          Weitere Themen

          Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho Video-Seite öffnen

          Transfer-Neuzugang : Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho

          Auf dem Spielfeld während des Trainings suchte man ihn noch vergebens. Der FC Bayern hatte aber bestätigt: Er und der FC Barcelona haben grundsätzlich eine Einigung über einen Transfer von Philippe Coutinho nach München erzielt.

          Topmeldungen

          Zweifelhaftes Manöver: CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer

          Streit zwischen AKK und Maaßen : Selbstdemontage einer Volkspartei

          Der Streit zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Hans-Georg Maaßen ist zwei Wochen vor den Wahlen in Ostdeutschland das Dümmste, was der CDU passieren kann.

          Bundesliga im Liveticker : Dortmund dreht auf – Bayer wieder vorne

          Bis zur Pause hält Augsburg ein 1:1 in Dortmund – doch nach Wiederanpfiff ist die BVB-Offensive nicht mehr zu halten. Zwei Aufsteiger drohen hingegen mit einer Niederlage in die Saison zu starten. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.
          Wer klug umschuldet, hat womöglich schneller als der Nachbar wieder Geld für den neuen Anstrich.

          Die Vermögensfrage : Umschulden macht Spaß

          Die Zinsen sind so niedrig wie nie zuvor. Davon können mehr Leute profitieren als gedacht. Wer einen alten Baukredit hat, spart besonders viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.