https://www.faz.net/-g8h-101cg

Interview mit Hein Verbruggen : „Das chinesische Volk ist beleidigt“

  • Aktualisiert am

Rogge hat gesagt, es werde keine Zensur geben, dieses Thema war vor zwei Jahren besonders in der Diskussion. Er meinte damit, dass die Journalisten frei berichten können, und das haben wir auch bekommen. Das ist es, was Jacques Rogge mit seiner Zusage gemeint hat. Brauchen Sie denn all die Websites, um von den Spielen zu berichten?

Ja, natürlich.

Sie sagen ja, die Chinesen sagen nein.

Der Australier Kevan Gosper, Chef der IOC-Medienkommission, hat angedeutet, es hätte ein Einverständnis zwischen der IOC-Spitze und Bocog zum Thema Internetzensur gegeben. Hat er die Unwahrheit gesagt?

Er wurde mit der Kritik der Journalisten konfrontiert und hat geantwortet. Er hat später gesagt, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. Er hat vermutet, dass es einen Deal gab, von dem er nichts wusste. Da er auch Vizepräsident der Koordinierungskommission ist, kamen dafür nur zwei Leute in Frage: Jacques Rogge oder ich. Diese Äußerungen waren nicht gerade positiv für uns.

Haben Sie mit den Chinesen ähnlich zähe Erfahrungen wie bei der Internetfrage gemacht, wenn es um die Einhaltung der Menschenrechte geht?

In der endgültigen Analyse, wenn man alles abwägt, wird das Endergebnis der Spiele auch in dieser Beziehung positiv sein. Die Menschenrechtsorganisationen schauen immer nur auf das, was sie nicht bekommen haben.

Geht Ihnen denn die Menschenrechtsdiskussion auf die Nerven?

Ein bisschen, wenn immer nur das Negative gesehen wird. Aber ich habe gute Nerven. Wenn jemand behauptet, durch die Spiele werde die Menschenrechtslage schlechter, dann ist das nicht wahr.

Amnesty International erinnert aber immer wieder an chinesische Zusagen, dass sich durch die Spiele die Lage verbessert werde. Gelten die denn nicht mehr?

Ich bin selbst Mitglied von Amnesty International. Natürlich ist es wichtig, dass man gegen Folter und Todesstrafe ist. Ich habe aber einen Brief an Amnesty geschrieben, als Privatmann, und gefragt: Können Sie mir sagen, was die Chinesen versprochen haben? Vor der Vergabe der Spiele 2001 in Moskau hat ein sehr hoher chinesischer Politiker gesagt, er glaube, dass die Spiele nützlich für die soziale und ökonomische Entwicklung seines Landes wären – einschließlich der Menschenrechte. Erstmals hat ein Politiker über die Menschenrechtsfrage überhaupt gesprochen und sinngemäß gesagt, es könnte Verbesserungen geben. Glauben ist aber etwas anderes als versprechen. Das ist nun keine Wortklauberei. Ich habe Amnesty International das geschrieben und keine Antwort bekommen.

Haben die Menschenrechtsorganisationen die Macht des IOC also erheblich überschätzt?

Wir sind keine politische Organisation, und wir können auch keine politischen Forderungen erfüllen. Wir können segensreich für die Politik sein und gleichzeitig nicht politisch. Das ist kein Widerspruch. Die Presse beschuldigt uns, dass wir uns nicht in die Politik einmischen und nichts mit der Politik zu tun haben wollen. Wir arbeiten täglich mit der Politik, der IOC-Präsident spricht mit den Vereinten Nationen, um für den Sport zu werben. Thomas Bach als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes spricht mit Politikern, weil er Geld braucht. Der Präsident eines internationalen Fachverbandes spricht mit Politikern, weil er logistische Hilfe bei seinen Großereignissen braucht. Aber heißt das, dass wir Politik machen? Nein.

Was halten Sie von dem Vorschlag, die Einhaltung der Menschenrechte in die Vergabekriterien aufzunehmen?

150 Länder stehen auf der Liste von Amnesty International. Dann müsste man also abwägen, welches Land akzeptabel ist und welches nicht. Das ist nicht möglich.

Weitere Themen

Topmeldungen

Ein Eurofighter Typhoon auf der Farnborough Airshow nahe London im Juli 2018

Konzernumbau : Airbus zerlegt die Rüstungssparte

Die Folgen von Exportverboten für Waffen und verzögerte Großaufträge bekommt vor allem Deutschland zu spüren. 2400 Stellen will Airbus Defence abbauen. Und es soll einen neuen Jagdbomber geben.
Lange hinterher, jetzt vornedran: die Wissenschaftsstadt Nürnberg

Neue TU Nürnberg : Ein Professor für 25 Studenten

Die neue TU Nürnberg soll die erste deutsche Uni-Neugründung seit 30 Jahren werden. Das Konzept ist ambitioniert – nicht nur, weil in Nürnberg alles komplett auf Englisch stattfinden soll.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.