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Das Olympia-Attentat von 1972 : Eklat um Vortrag eines Sporthistorikers

  • -Aktualisiert am

Das Attentat am 5. September 1972: Krüger wunderte sich, dass die Israelis das Olympische Dorf nicht früher verlassen hatten Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Mit gewagten Thesen zum Palästinenser-Attentat während der Olympischen Spiele 1972 in München stellt sich der Sporthistoriker Arnd Krüger ins Abseits. Er unterstellt den neun ermordeten israelischen Sportlern eine Selbstopferung. Der Vortrag sorgt für heftige Reaktionen.

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          Der Zentralrat der Juden spricht vom „schlimmsten Stück an Hass in akademischen Kreisen seit Jahren“. Die Uni Göttingen hat die universitäre Ombudskommission beauftragt zu untersuchen, ob der Direktor ihres sportwissenschaftlichen Instituts, Professor Arnd Krüger, die gute wissenschaftliche Praxis verletzt habe. Und die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (DVS) prüft den Ausschluss des Sporthistorikers aus ihren Reihen.

          Diese heftigen Reaktionen ausgelöst hat ein Vortrag Krügers bei der Jahrestagung der Sektion Sportgeschichte der DVS am 19. Juni zum Thema „Sportgeschichte erforschen und vermitteln“. Darin suchte Krüger den Kontext eines der meistdiskutierten Ereignisse der Sporthistorie aufzuklären.

          Warum sind die israelischen Athleten nicht geflohen?

          Am 5. September 1972 bei den Olympischen Sommerspielen in München nimmt die palästinensische Terrorgruppe „Schwarzer September“ im olympischen Dorf elf Athleten der israelischen Mannschaft als Geiseln, zwei davon werden schon bei der Geiselnahme ermordet. Die Gruppe der Terroristen um Anführer Mohammad Massalha fordert die Freilassung von über 200 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen sowie der RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Bei einem gescheiterten Befreiungsversuch der deutschen Behörden werden in Fürstenfeldbruck ein deutscher Polizist, fünf Terroristen und alle neun israelischen Sportler getötet.

          Der ausgebrannte Hubschrauber in Fürstenfeldbruck ist bis heute Sinnbild der gescheiterten Geiselbefreiung
          Der ausgebrannte Hubschrauber in Fürstenfeldbruck ist bis heute Sinnbild der gescheiterten Geiselbefreiung : Bild: picture-alliance / dpa

          Krüger stellte in seinem Referat die Frage: Warum sind diese Athleten im Gegensatz zu einigen ihrer Kollegen im olympischen Dorf geblieben, da sie doch wussten, dass ein Überfall auf sie geplant war? Als ob die Frage und die Annahme, auf der sie beruht – das Wissen der israelischen Sportler über die Gefahr – nicht heikel genug wären, bietet Krüger in seinem Vortrag noch zwei Antwortmöglichkeiten an: Entweder vertrauten die Sportler dem olympischen Frieden und den Sicherheitsvorkehrungen in München mehr als den Warnungen vor den Palästinensern und blieben deshalb im Dorf. Oder die Sportler sind freiwillig und bewusst in den Tod gegangen.

          Merkwürdiger Vergleich mit arabischen Pogromen

          Belege für diese Thesen ist der Zeitzeuge Krüger, der bei den Olympischen Spielen in München nach eigener Aussage als Journalist akkreditiert war, schuldig geblieben. Stattdessen verglich der Sporthistoriker in seinem prophetisch „Hebron und München. Wie vermitteln wir die Zeitgeschichte des Sports, ohne uns in den Fallstricken des Antisemitismus zu verhaspeln?“ benannten Vortrag die Situation der Athleten mit jener der 67 Juden, die 1929 bei den Araberaufständen in Hebron ermordet wurden.

          Bei den Pogromen in 700 Städten in Palästina sei damals die Hälfte aller jüdischen Opfer in Hebron zu beklagen gewesen, obwohl die Anwohner der Stadt konkret durch die israelische Untergrundorganisation Hagana gewarnt worden seien, sagte Krüger. Die Anwohner seien damals geblieben, weil sie sich nicht hätten vorstellen können, dass die arabischen Nachbarn, mit denen man seit Generationen zusammengelebt habe, zu solchen Greueln fähig sein würden.

          Krüger wurde vorgeworfen, dass er den Israelis Selbstopferung unterstelle

          Dass dieser Vergleich unangebracht sei, da sich die historischen Hintergründe der beiden Ereignisse zu unterschiedlich gestaltet hätten, sehe er in der Rückschau ein, sagte Krüger in dieser Woche. Allerdings sollte der zwanzigminütige Vortrag als unfertiger „Werkstattbericht“ behandelt werden, in dem es „von Fragezeichen nur so wimmelt“. Die Teilnehmer der Tagung bemängelten freilich nicht bloß methodische Unzulänglichkeiten Krügers.

          Vor allem seine zweite Erklärungsmöglichkeit für die angebliche Weigerung der Israelis, den Gefahrenort, das olympische Dorf, zu verlassen, sorgte schon auf der Göttinger Tagung für Aufregung unter den Mitreferenten. Krüger wurde unmittelbar nach seinem Vortrag vorgeworfen, er unterstelle den ermordeten israelischen Sportlern eine Art Selbstopferung, deren Motivation noch dazu in einem kulturspezifischen Körperbewusstsein zu finden sei.

          Von einem Opfertod der Israelis will Krüger aber dezidiert nicht sprechen

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