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Spitzensport als Markt der Zukunft : Der Heißhunger Asiens

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Auch Indien soll in den Streckenplan der Formel 1

Um die wichtigsten Sportveranstaltungen ist ein Wettbewerb entbrannt. Der Herr der Formel 1, Bernie Ecclestone, will nach Japan, Malaysia, China, Bahrein und Singapur von 2010 an auch noch Indien auf den Streckenplan bringen. „Jeder Veranstalter und jeder Sportfunktionär schielt im Moment darauf, was er in Asien rausholen kann“, sagt Luer.

Das im Herbst startende Ozeanrennen der Weltumsegler wird nicht nach alter Tradition Häfen auf der Südhalbkugel in Australien oder Neuseeland ansteuern, sondern erstmals Abstecher nach Indien, Singapur und China unternehmen; die Segler fürchten schon Piraten in der Andamanensee. Mit dem International Cricket Council zog gleich ein ganzer Weltverband von seinem traditionsreichen Stammsitz in London um - nach Dubai.

Schnelle Abstauber unerwünscht

Schon länger bemühen sich die besten europäischen Fußballklubs und Fußball-Ligen inklusive der deutschen Bundesliga um Marktanteile in Asien. Die englische Premier League erzielte für ihre Fernsehrechte über drei Jahre 800 Millionen Dollar in der Region. Die nordamerikanische Basketball-Liga NBA hat 100 Marketingspezialisten im Einsatz, um in Fernost das Geschäft anzukurbeln. Vor den Olympischen Spielen in Peking besuchten NBA-Profis die Hauptstadt der Philippinen und trafen dort auf äußerst enthusiastische Fans.

„Wer als Spieler mal ein Tief hat, der sollte nach Manila kommen. Hier wirst du schnell wieder aufgebaut“, sagte der von kreischenden Anhängern umlagerte Gilbert Arenas von den Washington Wizards. Einen besonders mutigen Vorstoß unternahm die amerikanische Major League im Baseball, die Ende vergangenen Jahres ausgerechnet im cricketverrückten Indien eine großangelegte Talentsuche nach starken Werfern startete, um kurzfristig neue Fans und Sponsoren für den Heimatmarkt zu generieren.

Die Stärkung der lokalen Marke hat Priorität

Fachleute, die sich schon lange mit den Eigenheiten des Marktes beschäftigen, glauben, dass viele Strategien unter einer kolonialen Attitüde leiden und deshalb zum Scheitern verurteilt sind. „Die internationalen Events kommen und gehen, vorbei ist auch die Zeit des schnellen Abstaubens der großen europäischen Fußballklubs. Wir glauben, dass der Schlüssel zum Erfolg in der Entwicklung der heimischen Sportarten und Ligen liegt. Es werden langfristige Investitionen erwartet - die Fans wollen den Erfolg des eigenen Sports sehen“, sagt Kristick.

„Infront“, die Schweizer Agentur mit dem weltweiten Netzwerk, betreibt deshalb in China seit mehreren Jahren in einem Joint Venture mit dem Verband die professionelle Basketball-Liga. Ein neuer und erfolgversprechender Ansatz. Stetig wachsende Zuschauerzahlen, das Interesse der Sponsoren und Medien bestärken „Infront“, das Sportprodukt erst mal mit langem Atem von der Basis aus zu entwickeln, bevor an Wertschöpfung zu denken ist.

Ein bisschen Asien steckt auch in Westfalen

Die Stärkung der lokalen Marke hat Priorität, damit Fernsehsender und Werbepartner bereit sind, viel Geld zu investieren, so Kristick. Cricket in Indien hat diesen Status und die Umsätze, ähnlich dem Fußball in Europa. Eine echte Eigenkreation aus der Retorte ist der Dubai World Cup, aufwendig inszeniert von der Herrscherfamilie der Maktoums - und nun das wertvollste Pferderennen der Welt.

Inzwischen kommt rund um den Sport ein reger globaler Kreislauf in Gang - mit Möglichkeiten auf allen Seiten. Von „Export“ spricht Luer, wenn sich aufstrebende Unternehmen aus Asien immer öfter woanders in der Welt über den Sport positionieren wollen. Es gibt schon die Beispiele von Hyundai, Lenovo, Samsung oder Toyota. „In zehn Jahren werden wir vielleicht das beste Fernsehgerät der Welt von einer Firma kaufen, deren Namen wir heute noch nicht aussprechen können“, so Luer. Der Internationale Fußball-Verband schloss unlängst den ersten Sponsorenvertrag mit einer indischen Firma - dem IT-Unternehmen Satyam. Und ein bisschen Asien steckt jetzt auch in einer westfälischen Fußballmarke. Borussia Dortmund stellte gerade den Generalimporteur der chinesischen Automarke Brilliance als neuen Partner vor.

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