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Pekings gebrochene Versprechen : Locker und lustig wird es nicht werden

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Olympia-Tourismus: Ein Foto vom „Vogelnest” muss mit Bild: Julia Zimmermann/F.A.Z.

Kein Smog, freie Berichterstattung und „humanistische Spiele“: Das waren Versprechen, die Chinas Führung vor Olympia gemacht hat. Je näher die Spiele rücken, desto offensichtlicher wird, dass sie diese Versprechen nicht wird einhalten können.

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          Die negativen Auswirkungen von Chinas Wirtschaftsboom überschatten nun auch das Sportfest. Ungezügeltes Wachstum ohne Rücksicht auf die Umwelt hat in vielen Teilen Chinas die Luft verpestet und das Wasser vergiftet. Da hilft es nicht mehr, wenn die Stadt saubergemacht wird; der Smog liegt über ganz Nordchina und auch den olympischen Stätten. Sportler müssen um ihre Leistungen fürchten.

          Je näher die Spiele rücken, desto offensichtlicher wird, dass die chinesische Regierung ihr Versprechen kaum noch wird einhalten können: Die Qualität der Luft in Peking ist katastrophal. Obwohl die Stadt Fabriken geschlossen, Betriebe in Urlaub geschickt, ein Stahlwerk umgesiedelt und die Hälfte der Autos von der Straße verbannt hat, lag in den Wochen vor dem Beginn der Spiele noch immer dichter Smog über der chinesischen Hauptstadt, die zudem von schwüler Sommerhitze geplagt wird.

          Kritik an Chinas Politik kann die Spiele nur wenig stören

          Das trübt den Augenblick ein, auf den Chinas Parteiführer seit Jahren hingearbeitet haben. Wenn am Freitag die ersten Olympischen Spiele auf chinesischem Territorium mit einem prächtigen Spektakel eröffnet werden, verneigt sich die Welt vor der Volksrepublik. Staats- und Parteichef Hu Jintao wird im strahlend neuen „Vogelnest“ die Parade der Sportler abnehmen und dem Publikum zuwinken, Milliarden in aller Welt werden das Schauspiel verfolgen. Hu Jintao wird umgeben sein von den Mächtigen der Welt, der amerikanische Präsident Bush wird da sein und auch Frankreichs Präsident und EU-Ratsvorsitzender Sarkozy, der noch vor Wochen von einem Boykott der Eröffnungsfeier gesprochen hatte.

          Im Hintergrund: Die neuen Hochhäuser des Olympischen Dorfes

          Doch die Kritik an Chinas Tibet-Politik und an Menschenrechtsverletzungen konnte zum Schluss die Olympischen Spiele nur wenig stören, die Welt will den Sport feiern und China sich selbst. „Wir sind gegen eine Politisierung der Spiele“, schimpft erbost die chinesische Regierung auf kritische Anwürfe. Die Olympischen Spiele seien ein Sportereignis, ihre Austragung in China der „Jahrhunderttraum des chinesischen Volkes“.

          Die ramponierte Legitimität auffrischen

          Nicht ganz. Zu allererst war die Ausrichtung der Olympischen Spiele in China ein Traum der Kommunistischen Partei und ihrer Führer. Mehr als zehn Jahre lang bemühten sich die Mächtigen, die Spiele nach China zu bringen. Damit trug die Parteiführung nicht nur der Tatsache Rechnung, dass die Volksrepublik seit den achtziger Jahren zu einer der größten Sportnationen der Welt geworden war. Die Ausrichtung der Spiele sollte auch politischen Zwecken dienen. Chinas erste Olympiabewerbung im Jahr 1993 folgte der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989. Die chinesische Führung war damals international isoliert und geächtet.

          Mit der Kandidatur wollte China internationale Anerkennung wiedergewinnen. Die Welt sollte mit „Tiananmen“ nicht mehr ein Massaker, sondern Beachvolleyball assoziieren. Auch gegenüber der eigenen Bevölkerung sollte das Recht auf Austragung der olympischen Wettbewerbe die ramponierte Legitimität der chinesischen Regierung wieder auffrischen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC), allen voran der damalige Präsident Samaranch, waren der Bewerbung zugeneigt. Doch im ersten Anlauf unterlag Peking noch Sydney.

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