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Pekings gebrochene Versprechen : Locker und lustig wird es nicht werden

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Es war eines der Versprechen, das China dem IOC gegeben hatte: Ausländische Journalisten sollten frei in China berichten dürfen. Dafür hat Peking im vergangenen Jahr Beschränkungen für ausländische Reporter in China aufgehoben. Jeder sollte nun frei reisen und recherchieren dürfen. Dies war nun wirklich eine positive Änderung, doch tatsächlich blieb ihre Ausführung mangelhaft. Nach wie vor werden ausländische Journalisten bei Recherchen behindert, manche sogar tätlich angegriffen. Die Sicherheitskräfte, denen die freie Bewegung der Journalisten ein Dorn im Auge war, griffen zu anderen Maßnahmen. Sie schüchterten Oppositionelle und Kritiker ein, keine Interviews mehr zu geben.

Das IOC macht eine schlechte Figur

Eine weitere böse Überraschung erwartete die 25.000 ausländischen Journalisten in den olympischen Medienzentren. Der Internetzugang unterlag dort zunächst denselben Zensurbestimmungen wie im Rest des Landes. Die Reporter haben Zugang zu dem, was sie für die Berichterstattung brauchen, alles andere sei nicht notwendig, erklärte lapidar die chinesische Regierung, bevor es dann doch eine Lockerung der Bestimmungen gab. Das IOC machte in dem Konflikt, wie schon bei früheren Kraftproben, eine schlechte Figur.

In den letzten Wochen läuft die Propaganda-Maschine auf Hochtouren. Während die Provinzen sich bis vor wenigen Monaten noch wenig um die Spiele kümmerten, hat ein aufwendig inszenierter Fackellauf Olympia-Stimmung auch in anderen Landesteilen verbreitet. Zeitungen und Fernsehen sind voller Olympia-Berichte. Hunderttausende Freiwilliger sind im Einsatz. Ein eigens installierter olympischer Kanal im Fernsehen sendet 24 Stunden Sport und Olympia-Berichte.

Ein frischer Wind, der den Smog wegbläst

Die Stadt Peking ist für zwei Monate, bis zum Ende der im September stattfindenden Paralympics, in einen Ausnahmezustand versetzt worden. Wir müssen gute Gastgeber sein, wird den Menschen in Peking eingebleut. Seid freundlich, lächelt, seid höfliche Gastgeber. Die Sicherheitsmaßnahmen sind aus Furcht vor Terroranschlägen extrem. Die Hauptstadt ist vom Umland fast abgeriegelt, U-Bahnen und Busse werden kontrolliert, überall sind Überwachungskameras und Polizisten. Locker und lustig wird es wohl nicht werden, fürchten schon viele. Das Wort von den „No-fun-Olympics „ macht im Internet die Runde.

Nach dem immensen Aufwand der Vorbereitung ist nun die Hoffnung, dass die Pekinger Spiele zwar als „no-fun“, aber doch zumindest als sicher und friedlich gelten dürfen. Und vielleicht wird in den nächsten Wochen doch noch ein frischer Wind wehen, der den Smog wegbläst - und ein olympischer Geist herrschen, der die Probleme Chinas vertreibt. Sie werden, wie der Smog, schnell genug wiederkommen.

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