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Olympische Spezialisierung : Raus aus der Sonnenfinsternis

Eine dieser neuen Ideen, die sich durchgesetzt hat: Beachvolleyball - auch bei strömendem Regen im Bikini gespielt Bild: AP

Und nun: vier Jahre warten. Ginge das nicht jährlich: Olympia? Was nützen Athleten, die sich vier Jahre lang unsichtbar in seltsamen Spezialdisziplinen abarbeiten? Nur um irgendwann zum Strichlein im Medaillenspiegel zu werden? Der Zuschauer will Sport, von dem er jede Woche etwas hat.

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          Und nun: vier Jahre warten. Ginge das nicht jährlich: Olympia? Gewiss fände sich stets ein neuer neureicher Staat, der sich mit den Spielen gern ins globale Schaufenster stellte. Und: Es gäbe dem, was olympische Athleten tun, einen Hauch mehr Sinn. Sie müssen uns leid tun: wieder vier Jahre Eisen stemmen, Kacheln zählen, Kilometer schrubben. Vier Jahre schuften, für vielleicht einen Wettkampf, der sie belohnt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Und dabei diese verrückte Spezialisierung. Manche der 302 olympischen Wettbewerbe wirken, als bereite sich einer auf die Spiele der Zuckerbäcker vor, indem er vier Jahre lang nur noch die Medaillendisziplin Cremeschnitte dreilagig Zitrone betreibt. Oder der Frisör, der sein Training einseitig ausrichtet auf die Konkurrenz im Nasenhaartrimmen männlich einhändig.

          Tausendmal üben, um einmal auf die Bühne zu treten

          Wohl nirgendwo (außerhalb von Kasernen, aber manchmal gerade dort) werden die Ressourcen begabter junger Menschen so sehr vergeudet wie im olympischen Sport. Über die Hälfte der Spiele 2008 bestand aus Disziplinen, die man erst 2012 wieder bemerken wird. Schon bei nur einer Trainingseinheit pro Werktag heißt das: tausendmal üben, um einmal auf die Bühne zu treten. Kein Mime, kein Musiker könnte so existieren, auch kein Fußballer.

          An den Ringen erkennt man, dass dieser Sport olympisch ist: Skeet

          Braucht die Welt Sportler, die so selten auftreten wie eine Sonnenfinsternis? Oder ist vielleicht Zeit, darüber nachzudenken, ob man all dem teuren, technologischen Künstlichkeits-Sport, der nur durch öffentlichen Artenschutz lebensfähig ist (und zwei Drittel der Nationen vom hochgerüsteten Wettbewerb ausschließt), den Subventions-Saft abdreht? Und dafür jenen Sport forciert, der genug Schau- und Spannungswert hat, wie man in Peking sah: Hockey, Badminton, Volleyball, Ringen, Tischtennis, Turnen, Wasserspringen. Dieser Sport verdient es, nicht nur alle vier Jahre gezeigt zu werden. Er braucht nur ein paar neue Ideen.

          Sport braucht Saison und Rhythmus

          Im Biathlon gelang es, einen reizarmen Randsport in einen Quotenbringer mit Serienreife zu verwandeln. Der Zuschauer will Sport, von dem er jede Woche etwas hat. Also Fußball. Oder wenigstens Sport, der seine Saison hat und seinen Rhythmus, der ein Begleiter des Alltags und der Jahreszeiten wird: Tennis, Tour, Biathlon; selbst Snooker oder Darts.

          Was nützen ihm Athleten, die sich vier Jahre lang unsichtbar in knochenharten Ausdauersportarten oder seltsamen Spezialdisziplinen abarbeiten? Nur um irgendwann vom stillen Trainingshelden zum Strichlein im Medaillenspiegel zu werden? Früher schien Olympia, der Tempel des Sports, Anreiz genug für ein vierjähriges Opfer von Athlet und Publikum. Aber zuletzt sah Olympia, der Tempel von Macht und Marketing, nicht mehr aus, als lohne sich das lange Warten.

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