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Timo Boll : „Ich bin das große Fragezeichen“

  • -Aktualisiert am

Der „sexiest Europäer” - haben die Leserinnen einer Frauenzeitschrift in China entschieden Bild: AP

Bei Olympia in Peking wird Timo Boll ein Jäger sein. Obwohl er lange verletzt war, verkörpert er für die Chinesen die größte Gefahr im europäischen Tischtennis. Inzwischen glaubt auch Boll wieder, dass er in Peking eine Medaille gewinnen kann.

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          In Ostfriesland haben gerade die China-Wochen begonnen. Genauer gesagt nur auf Borkum, der westlichsten der Ostfriesischen Inseln, und die Einheimischen bekommen auch gar nichts mit von den China-Wochen, denn sie finden hinter verschlossenen Türen statt. Zutritt hat nur ein exklusiver Kreis, der die Dreifach-Sporthalle chinesisch eingerichtet hat. Der Hallenboden wurde mit genau jenem roten Belag ausgelegt, der auch den Untergrund in der Pekinger Universitätssporthalle bildet, außerdem sind Tische und Zelluloidbälle die gleichen, die beim olympischen Turnier benutzt werden.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mittendrin in der Halle springt, schlägt und schmettert einer, der die Bedingungen in Asien kennt wie kein zweiter Tischtennisspieler aus Europa. Und trotzdem: Für Timo Boll, den Star unter den sieben deutschen Olympiateilnehmern im Tischtennis, wird die Rückkehr ins vertraute China auch zu einer Reise ins Ungewisse. Und das nur, weil Boll womöglich zu viel gewollt hat in zu kurzer Zeit.

          „Mir hat die Geduld gefehlt“, sagt Boll

          Am vorletzten Tag des vergangenen Jahres, beim Krafttraining auf der kanarischen Insel Lanzarote, hatte er sich übernommen. Mit aller Macht hatte er seine Athletik verbessern wollen, um pünktlich zum Olympiajahr die konditionelle Überlegenheit der Chinesen wettzumachen. Das Knie machte plötzlich nicht mehr mit, auf eine Entzündung der Patellasehne folgte eine Zwangspause.

          Die taktischen Finessen trainiert Boll derzeit. „Dazu muss man die Gedankengänge des Gegners vorausahnen”, sagt er

          Boll wollte sich damit nicht abfinden, nicht im Olympiajahr. Er erlaubte sich nur eine kurze Auszeit, biss die Zähne zusammen, weil er Anfang Februar unbedingt beim Europa-Top-12-Turnier in Frankfurt, unweit seines Heimatortes im Odenwald, antreten wollte. „Ich muss zugeben, dass mir die Geduld gefehlt hat“, sagt der Siebenundzwanzigjährige, „irgendwo anders hätte ich nicht gespielt.“ Das Knie schmerzte wieder, Boll musste meistens das Bett hüten. „Drei Monate habe ich damit rumgemacht, bis ich wieder ordentlich trainieren konnte.“ Was als Medaillenrennen bei Olympia geplant war, wurde unversehens zu einer Aufholjagd im Alltag.

          Die Chinesen zogen sich Boll-Doubles heran

          „Ich versuche, mich nicht großartig verrückt zu machen. Ich sehe die Situation ganz realistisch, weil ich so lange verletzt war. Aber ich bin mir sicher, dass ich in Peking ein würdiger Gegner sein werde.“

          Bis vor einiger Zeit war Timo Boll mehr als ein würdiger Gegner: Er war der Beste, eine würdige Nummer eins. Im Januar 2003 wurde der Hesse zum ersten Deutschen, der jemals die Spitzenposition in der Tischtennis-Weltrangliste einnahm. Insgesamt sechs Monate stand Boll 2003 ganz oben. Der Respekt der Chinesen wurde so groß, dass sie sich Doubles des Deutschen heranzogen; Sparringspartner, die sein Spiel kopieren sollten, damit sich die Topleute darauf einstellen konnten.

          Boll kennt den Fanatismus, der in der Pekinger Halle herrschen wird

          Die Ehrerbietung der Asiaten ging so weit, dass sie sich vor zwei Jahren auch das Original ins Land holten. Die Mannschaft von Zhejiang Hongxiang verpflichtete den damaligen Weltranglistenzweiten für zehn Spiele. Boll erlebte hautnah jenen scheinbar grenzenlosen Sport-Fanatismus der Chinesen, der sich Mitte August auch in der 8000 Zuschauer fassenden Pekinger Spielstätte Bahn brechen wird.

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