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Huaiwen Xu : Rückkehr in eine verbotene Stadt

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„Ich habe härter trainiert als die anderen”, sagt Huaiwen Xu - jetzt kehrt sie als Medaillenkandidatin nach Peking zurück Bild: ddp

Sie war zu klein, um in China Karriere zu machen. Trotzdem hatte Huaiwen Xu in Peking nur neunzig Minuten Freizeit am Tag, hat die chinesische Mauer nie gesehen. Deshalb zog die Badminton-Spielerin nach Deutschland. Nun ist sie eine große Medaillenhoffnung.

          In diesen Tagen empfindet es Huaiwen Xu als großen Genuss, recht kleingewachsen zu sein. Wenn sie größer wäre als jene 160 Zentimeter, die in ihrem Pass stehen, dann könnte sie nicht entspannt in der Sonne sitzen und eine Apfelsaftschorle trinken, dann könnte sie nicht die Einladungen von Fernsehanstalten annehmen und in Sportsendungen locker über ihr Leben und ihre Laufbahn plaudern, und sie hätte am vergangenen Samstag auch nicht den 33. Geburtstag im trauten Kreise ihres kleinen olympischen Badmintonteams gefeiert.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn Huaiwen Xu größer wäre als jene 160 Zentimeter, dann wäre sie keine Deutsche, sondern immer noch eine Chinesin, und niemand hätte sich groß für ihren Geburtstag interessiert, sondern nur dafür, dass sie ihrem Heimatland ein Geschenk macht in Form einer olympischen Medaille. Die kleine Huaiwen Xu stünde in diesen Tagen unter großem Druck, so wie alle anderen Sportler im Reich der Mitte, das sie vor acht Jahren frustriert und fluchtartig verließ.

          Huaiwen Xu wurde zum Glücksfall für das deutsche Badminton

          Von allen Olympiateilnehmerinnen, die in China geboren wurden, ist Huaiwen Xu derzeit bei weitem die entspannteste: Das Lächeln gehört für sie zum olympischen Vorprogramm. „Ich freue mich auf ein tolles Erlebnis, egal ob ich gut oder schlecht abschneide“, sagt die Weltranglistenachte, der als Einzige im fünfköpfigen deutschen Badmintonteam eine Medaille zugetraut wird.

          Hart schlagen und locker bleiben, das ist Huaiwen Xus Stärke

          Als Peking 2001 den Zuschlag für die Olympischen Spiele erhielt, hatte Huaiwen Xu ihrer Heimat gerade ein Jahr den Rücken gekehrt. War ihre Karriere in China wegen ihrer Körpergröße zum Scheitern verurteilt, so entwickelte sie sich hierzulande schnell zum Glücksfall für das Badminton: zunächst für ihren ersten Bundesligaklub VfB Friedrichshafen, dann für den Deutschen Badminton-Verband (DBV).

          Als Deutsche kann sie ihren Traum von Olympia erfüllen

          2002 verfügte der Verband zwar über einige vielversprechende Talente, doch es mangelte an einem Vorbild, an einem prominenten Profi, der die anderen zu Höchstleistungen anstachelt. Sportdirektor Martin Kranitz und seine DBV-Kollegen überzeugten Huaiwen Xu davon, dass sie sich mit einem Wechsel der Staatsbürgerschaft ihren Traum erfüllen könnte, der ihr in China verwehrt blieb: die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Im Jahr 2003 folgte ihre Einbürgerung, die von Misstönen begleitet wurde.

          Huaiwen Xus neue Landsfrauen ahnten schon, dass sie kaum eine Chance hätten gegen die Spitzenspielerin aus jener Badminton-Nation, die in der Damenwelt dominiert. Tatsächlich hat Huaiwen Xu von 2004 bis heute alle fünf deutschen Meisterschaften gewonnen, an denen sie teilgenommen hat. „Am Anfang fehlte mir die Konkurrenz.“ Aber nun, da sich Juliane Schenk, die zweite deutsche Olympiateilnehmerin im Damen-Einzel, und die anderen deutschen Damen verbessert haben, „habe ich richtig Spaß“. Die Mitspielerinnen teilen mittlerweile die Freude.

          Mit dem Erlernen der deutschen Sprache sei sich aus sich hherausgekommen

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