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Guo Jingjing : Königin und Leibeigene der Volksrepublik

Für Guo Jingjing ist der Olympiasieg Pflicht Bild: AFP

Wasserspringerin Guo Jingjing ist die populärste und bestbezahlte chinesische Sportlerin. Für sie beginnt die große Freiheit wohl erst nach den Olympischen Spielen in ihrer Heimat.

          Eigentlich kann man Guo Jingjing kaum erkennen. Was man sieht, sind Köpfe, Mützen, Hüte und Digitalkameras, mitsamt den zugehörigen Chinesen. Was man in dem Gedränge nicht sieht, ist die Person, um die sich alles dreht, ist Guo Jingjing. Man wundert sich ein bisschen, warum sich jemand bemüßigt fühlt, ein so unspektakuläres Video ins Internet zu stellen, und man wundert sich noch mehr, wenn man sieht, dass selbst ein solches Video mehr als 1100 Mal angeschaut worden ist. Andererseits geht es hier nicht um irgendwen. Es geht um Guo Jingjing.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Guo Jingjing, 26 Jahre alt, 1,63 Meter groß, 49 Kilogramm schwer, ist Wasserspringerin. Und die populärste, bestbezahlte chinesische Sportlerin. In Deutschland wäre diese Kombination unmöglich. In China ist sie selbstverständlich. Wasserspringen ist nationale Herzenssache, wie Turnen, Tischtennis oder Volleyball. Bei den Olympischen Spielen in Athen gewannen die Chinesen in acht Wettbewerben sechsmal Gold.

          Guo Jingjing - ein Kind des Systems

          Als der amerikanische Fernsehsender NBC mit all seinem Geld erreichte, dass die Schwimmfinals bei den Spielen 2008 in Peking zur amerikanischen Primetime angesetzt wurden, und damit am chinesischen Vormittag, ging das für die Chinesen gerade noch hin. Beim Wasserspringen freilich hörte der Spaß auf. Da gab es nichts zu verhandeln. Um Gold gesprungen wird in Peking abends. Zur chinesischen Primetime.

          Guo Jingjing führt ein Leben an der Schnittstelle zwischen...

          „Die körperliche Ausbildung hat in China von jeher einen hohen Stellenwert“, erklärt Lutz Buschkow, Bundestrainer der deutschen Wasserspringer, die Bedeutung seines Sports im Reich der Mitte. Kampfkunst und Akrobatik sind andere Beispiele, bei denen extreme Körperbeherrschung, gewissenhafte Trainingsarbeit und über lange Jahre perfektionierte komplexe Bewegungsabläufe eine wichtige Rolle spielen. Bei den Wasserspringern kommt dazu ein „ausgeklügeltes Nachwuchskonzept“, so Buschkow, in dem schon Sechsjährige gezielt gesichtet und gefördert werden.

          Guo Jingjing ist ein Kind dieses Systems. Und gleichzeitig sein Idealtyp, seine Vollendung. „Sie ist vom Ansehen und vom Auftreten her eine Persönlichkeit“, sagt Buschkow. „Mit den Meriten, die sie hat, ist sie die absolute Königin im Wasserspringen.“ Guo Jingjing war sechs, als sie mit dem Wasserspringen begann, im Baoding Trainingszentrum in der Provinz Hebei. Mit elf rückte sie ins Nationalteam auf, zwei Jahre später, im September 1995, im Alter von noch nicht mal 14 Jahren, gewann sie in Atlanta ihr erstes Weltcup-Springen. Ein Jahr darauf begann am selben Schauplatz ihre olympische Leidensgeschichte. Angereist als Riesentalent, als Goldhoffnung, kam sie bei den Spielen in Atlanta über Rang fünf nicht hinaus.

          Sie sei zu nervös gewesen, sagte sie später, sie habe noch gezittert, als sie schon oben auf dem Turm stand. Die nächste Chance kam 2000 in Sydney. Da war Guo Jingjing nicht mehr die Goldhoffnung, sie war die Goldfavoritin. Doch ein Fehler kurz vor Schluss bedeutete das Ende aller Träume. Guo Jingjing wurde Zweite, Silbermedaillengewinnerin vom Dreimeterbrett, eigentlich aber doch nur Goldmedaillenverliererin. Als sie auch noch im Synchronwettbewerb zwei Russinnen unterlag, gerieten die Spiele von Sydney endgültig zum Desaster. Sie wollte aufhören, nichts mehr mit dem Wasserspringen zu tun haben.

          Politische Turbulenzen

          Ein Jahr später war sie zurück. Guo Jingjing wurde Weltmeisterin 2001 vom Dreimeterbrett, im Einzel- und im Synchronwettbewerb, wie auch 2003 und 2005 und 2007. Nie zuvor hatte eine Wasserspringerin die beiden Titel viermal nacheinander gewonnen. Doch vor den Olympischen Spielen in Athen kam der nächste Tiefschlag: Beim Grand Prix im Mai 2004 in Atlanta fiel sie vom Brett, einfach so. Eine Unachtsamkeit, ein Blackout. Der Bauchplatscher war wie eine kalte Dusche, ein Weckruf, wie leicht auch die Spiele in Athen trotz aller Dominanz zur dritten großen Enttäuschung ihrer Karriere werden könnten. Sie nahm die Warnung ernst. In Athen fand sie sich am Ziel aller Wünsche wieder: Sie wurde Olympiasiegerin vom Dreimeterbrett, im Einzel- und im Synchronspringen.

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