https://www.faz.net/-g8h-zsoi

Amerikas Basketball-Stars : Auf der Suche nach dem verlorenen Glanz

  • -Aktualisiert am

Der Stolz einer Nation: Die Vereinigten Staaten erwarten von ihren Basketballern wie LeBron James die Goldmedaille Bild: REUTERS

Kein „Dream Team“ mehr, aber immer noch nach eigenem Selbstverständnis das beste Team der Welt. Für die amerikanischen Basketballprofis zählt auch in Peking nur die Goldmedaille.

          2 Min.

          Als die amerikanischen Basketballspieler vor vier Jahren vor den Olympischen Spielen ins Trainingslager einzogen, hatten sie ein merkwürdiges Gefühl. Die Truppe aus lauter NBA-Profis, die zu Hause in ihren Teams eine profilierte Rolle spielen, empfanden das Pensum von Trainer Larry Brown schlichtweg wie Nachsitzen.

          „Das war fast so, als ob du das Basketballspielen noch einmal ganz von vorne lernst“, erinnerte sich Carmelo Anthony von den Denver Nuggets vor ein paar Tagen. Der Höhepunkt der Vorbereitungen auf das Turnier in Athen kam, als der Coach – vergeblich – beim Verband intervenierte, um Spielmacher Stephon Marbury, einen der eigenwilligen und hochbezahlten Stars der Liga, aus dem Kader werfen zu lassen.

          Der alte Glanz des „Dream Teams“ von 1992 war ermattet

          Die Reibungen und die Unlust nahm die Mannschaft anschließend nach Griechenland mit, wo die Vertretung der Vereinigten Staaten, obwohl auf dem Papier haushoher Favorit, am Ende froh sein konnte, eine Bronzemedaille zu gewinnen. Die Mannschaft verlor insgesamt drei Begegnungen.

          Starke Jungs? Was die Autosuggestionskraft wert ist, wird sich zeigen

          Hoffnungsträger Anthony, der bei den Nuggets die meisten Körbe erzielt hatte, kam im Turnier auf nur 2,4 Punkte pro Match. Nur zwölf Jahre nach dem ersten vielbeachteten Auftritt eines Gala-Kontingents mit Stars wie Michael Jordan, Magic Johnson, Charles Barkley und Larry Bird war der letzte Glanz vom „Dream Team“ endgültig ermattet.

          Es wurde an allen Drähten gezogen

          Im Mutterland der Sportart wurde den Verantwortlichen rasch klar, dass sie sich etwas Neues einfallen lassen müssen, wenn sie jemals gegen gut eingespielte Nationalmannschaften wie Argentinien oder Spanien eine Chance haben wollten. Und so wurde bereits für die WM 2006 in Japan ein Kader mit Leistungsträgern und Spielgestaltern auf die Beine gestellt, die als Fernziel die Spiele von Peking im Auge hatten.

          Abermals wirkte das Projekt in der Theorie dank All-Stars wie LeBron James (Cleveland Cavaliers), Dwayne Wade (Miami Heat), dem besten NBA-Center Dwight Howard (Orlando Magic) und Chris Paul, dem begabtesten Spielmacher der Liga, sehr vielversprechend. Aber es reichte nicht für den Titel. Und so wurde für 2008 noch mal an allen Drähten gezogen, um mehr erfahrene Spieler wie Kobe Bryant (Los Angeles Lakers) und Jason Kidd (Dallas Mavericks) zu gewinnen.

          Die Kraft der Autosuggestion

          Seitdem kennt der Optimismus der Verantwortlichen keine Grenzen mehr: „Wir sind bereits eine richtige Mannschaft“, sagte Trainer Mike Krzyzewski vor vier Wochen. „Dieses Programm hat Kontinuität und die Pflege von persönlichen Beziehungen möglich gemacht. Wir werden sofort voll einsatzfähig sein.“ Carlos Boozer (Utah Jazz), der ebenfalls vor vier Jahren dabei war, sieht das ähnlich. „Es scheint, wir sind bereits ein Team. Und das vom ersten Tag an.“

          Was die Autosuggestionskraft wert ist, zeigte sich nicht gleich am vergangenen Freitag, als die Mannschaft in Las Vegas ein Vorbereitungsspiel mit 120:65 gegen Kanada, das in der letzten Woche in Athen bei der Olympia-Qualifikation im Viertelfinale ausgeschieden war. Die behauptete Stabilität wird auch nicht in der Vorrunde von Bedeutung sein, wenn das Team unter anderem gegen Deutschland antreten muss, sondern erst gegen Ende des olympischen Turniers gebraucht, wenn einzelne Begegnungen über Medaillen und Plazierungen entscheiden.

          Zweifel am Trainer

          Ein viel größeres Fragezeichen als der Leistungsstand und die Harmonie der Spieler steht denn auch hinter den Qualitäten des Trainers. Der 61 Jahre alte Mike Krzyzewski, der normalerweise das Team der Universität Duke in Durham/North Carolina betreut, ist zwar einer der erfolgreichsten Coaches im amerikanischen College-Basketball. Aber dort zeigt seine Kurve schon seit einer Weile nach unten.

          Und die entscheidende Niederlage im Halbfinale der WM in Japan 2006 ging hauptsächlich auf seine Kappe. Damals ließ er gegen die ehrgeizigen, aber im Schnitt etwas kleineren Griechen die langen Kerls wie Dwight Howard lieber auf der Bank sitzen und seine Spieler aus der Distanz einen Ball nach dem anderen neben den Korb werfen.

          Weitere Themen

          Schweiz und Dänemark lösen Turnier-Ticket

          EM-Qualifikation : Schweiz und Dänemark lösen Turnier-Ticket

          Mit einem Sieg gegen Gibraltar sichert sich die Schweiz den Sieg in der Gruppe D vor den Dänen. Die Skandinavier qualifizierten sich trotz eines Unentschiedens gegen Irland für die EM. Derweil feiert Italien ein Schützenfest.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.