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Straßenradrennen : Das Wetter als Anti-Epo - Schumacher steigt aus

Stefan Schumacher: die Kopfschmerzen sind ihm ins Gesicht geschrieben Bild: dpa

„Das Rennen war absolut grenzwertig“, meinte Stefan Schumacher zum olympischen Straßenrennen in drückender Schwüle an der Chinesischen Mauer. Wie schon beim Giro und bei der Tour gewann auch in China ein Spanier, diesmal war es Samuel Sanchez.

          Stefan Schumacher muss schon beim Aufstehen nach einem Blick aus dem Fenster gewusst haben, dass seine Goldhoffnung sich an diesem Tag nicht erfüllen würden. Der Profi vom Team Gerolsteiner hatte schon an den Trainingstagen am meisten im deutschen Radteam mit dem quälenden Klima in Peking zu kämpfen. Nur in seinen schlimmsten Albträumen hätte er solche Bedingungen befürchtet, sagte Schumacher.

          Cai Tore Philippsen

          Leitender Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

          In den Bergen vor Peking an der Chinesischen Mauer wurden seine Befürchtungen Wahrheit. Nach vier Stunden musste der 27-Jährige, der bei der Tour de France noch beide Einzelzeitfahren gewinnen konnte, mit schweren Kopfschmerzen und brennender Lunge aufgeben. „Das Rennen ist absolut grenzwertig, wenn man das überhaupt noch sagen kann“, meinte Schumacher. „Man fühlt sich, als wäre man in 3.000 Metern Höhe.“ Das feuchtheiße Klima entziehe den Fahrern den Sauerstoff, erläuterte der Sportliche Leiter der Deutschen, Hans-Michael Holczer. Das Wetter spielt sozusagen Anti-Epo. Andere Fahrer redeten von einer „Sauna“-Tour. „Mein Kopf explodiert“, klagte der Niederländer Karsten Kroon.

          Sanchez setzt sie spanische Siegesserie fort

          Vor Schumacher waren auch Jens Voigt, Bert Grabsch und Sprinter Gerald Ciolek vor Rad gestiegen. Nur Fabian Wegmann kämpfte sich mit zweieinhalb Minuten Rückstand bis ins Ziel. Von den 143 gestarteten Fahrern kam nur 90 an. Olympiasieger wurde der Spanier Samuel Sanchez (6:23:49 Stunden) vor dem Italiener Davide Rebellin und dem Schweizer Fabian Cancellara. Sanchez, der bei der Tour im Euskatel-Team auf Platz sieben fuhr, setzte damit die beängstigende spanische Siegesserie im Jahr 2008 fort: Alberto Contador hatte den Giro d' Italia gewonnen, Carlos Sastre die Tour de France.

          Der deutsche Radprofi fand das Rennen „absolut grenzwertig”

          Spanien gilt nicht nur wegen des Skandals um den Frauenarzt Eufemiano Fuentes, der Sportler aus allen Disziplinen mit Leistung steigernden Medikamenten versorgte, als wenig ehrgeizig im Anti-Doping-Kampf. Sanchez sieht selbstredend andere Gründe für die Erfolge der spanischen Armada: Eine goldene Generation, Unterstützung von der Regierung und harte Arbeit.

          „Gesund ist das hier nicht“

          Die Kombination von quälenden Temperaturen, drückender Schwüle und dem schwersten Olympia-Kurs aller Zeiten über 245 Kilometer hatte schon vor dem Rennen für Diskussionen gesorgt. Der Internationale Radsportverband (UCI) und das lokale Organisationskomitee (Bocog) hatten eine Strecke ausgesucht, die den Fernsehzuschauern in der Welt alle touristischen Highlights der Region Peking ins heimische Wohnzimmer transportiert.

          Start am Yongdingmen Tor, vorbei an Himmelstempel, am Platz des Himmlischen Friedens, an der Verbotenen Stadt und am Olympiastadion ging es in die Berge an der Chinesischen Mauer. Dort mussten dann noch sieben quälende Runden über jeweils 23,8 Kilometer absolviert werden. Jeweils mit dem zehn Kilometer langen Anstieg auf den 650 Meter hohen Badaling-Pass und einer kurze, aber steilen Rampe direkt vor dem Ziel am Juyongguan-Tor. „Es hätten ruhig ein paar Runden weniger sein können“, sagte Schumacher, „gesund ist das hier nicht.“

          Ein reinigendes Donnerwetter hätte dem Radsport besser getan

          In der Nacht vor dem Rennen machten Gerüchte die Runde, das Rennen könnte abgesagt werden. Die Fernsehsender hatten angeblich schon ein Ersatzprogramm geplant. Nein, dass alle Favoriten aus dem Kreis der üblichen Verdächtigen in diesem dopingverseuchten Sport kamen, bereitete niemandem Sorge. Es war die Wettervorhersage.

          Neben Smog und drückender Hitze drohten am Nachmittag auch noch Gewitter im Ziel an der Mauer. Doch Gerüchte und Gewitterwolken verzogen sich, das Rennen konnte gestartet werden. Dabei hätte ein reinigendes Donnerwetter dem Radsport besser getan als ein weiterer Sieger aus Spanien.

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