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Sudan und der Sport : Angeklagt - und anerkannt

Der Sport hat Abubaker Kaki dem Bürgerkrieg entrissen Bild: AFP

In der Welt des Sports ist Sudan, der Paria der politischen Welt, ein respektierter Gast. Der 800-Meter-Läufer Abubaker Kaki könnte sogar eine Medaille gewinnen - er müsste danach für ein verbrecherisches Regime demonstrieren.

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          Mustafa Abbadi hält die Fahne bereit. Samstag könnte der Tag sein, an dem er sie in den Innenraum des Olympiastadions von Peking wirft; vielmehr werfen lässt, wie es sich eines ehemaligen Generals, Parteisekretärs, und Chefs der Verkehrsbetriebe von Khartum geziemt. Samstag könnte der Läufer Abubaker Kaki eine Medaille im 800-Meter-Lauf gewinnen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Dann würde er mit der Fahne auf die Ehrenrunde gehen. Das wäre der Tag, der die Welt daran erinnert, dass es etwas gab, das sie vor der Magie der Spiele beschäftigte: Sudan, der international geächtete Protegé des Olympia-Gastgebers China, der sich mit der Ausbildung seiner Soldaten und Waffenlieferungen für Öllieferungen entlohnen lässt. Sudan, das Land, für dessen Staatspräsidenten Omar al-Bashir der Internationale Gerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl wegen Völkermordes ausgestellt hat.

          „No doping“ verboten, Sudans Flagge nicht

          In der Welt des Sports ist der Paria der politischen Welt ein respektierter Gast. Seit 1960 nimmt Sudan regelmäßig an den Olympischen Sommerspielen teil. Für Athen konnten Athleten des Sudan sich erstmals qualifizieren, statt auf die Quote von zwei Teilnehmern bauen zu müssen. Diesmal haben sich acht Leichtathleten und ein Schwimmer qualifiziert; so groß war die sudanesische Olympiamannschaft noch nie. Bis auf die aus Kuba stammende Dreispringerin Yamile Aldama, Silbermedaillengewinnerin der Weltmeisterschaften von Sevilla 1999, sind alle Leichtathleten Läufer.

          Bei der Eröffnungsfeier durfte der Junioren-Weltmeister die Flagge des Sudan tragen

          Als im März in Valencia die Schiedsrichter der deutschen Stabhochspringerin Anna Battke verboten, den Schriftzug „no doping“ auf dem Körper zu tragen, gab es keinerlei Einwände dagegen, dass der 800-Meter-Läufer Abubaker Kaki nach seinem Sieg die rot-weiß-schwarze Flagge des Sudan mit dem grünen Keil über die Stadionrunde trug. Weil Kaki im Sommer auch noch Weltmeister der Junioren wurde, hoffen der 67 Jahre alte Abbadi und er, der am Donnerstag zwanzig Jahre alt wird, auf die Gelegenheit zu einer Wiederholung.

          Die Läufer haben in Sudan ihr Glück gemacht

          Die Geschichten von Kaki und dem Team Sudan sind fast zu schön, um wahr zu sein. Trainer Jama Aden, der 1984 und 1988 für den Sudan über 1500 Meter startete und der den somalischen Läufer Abdi Bile trainierte, besucht Schulsportfeste und Fußballspiele im ganzen Land, um sportliche Talente zu finden. Vor fünf Jahre fiel ihm ein Bursche auf, der bei einem Volkslauf an die Spitze stürmte, barfuss, und bald das Schicksal aller erlitt, die sich übernehmen: Er brach ein. Was Aden allerdings beeindruckte, war, dass der Junge sich gegen jeden einzelnen, der ihn überholte, wehrte. „Er war ein Krieger“, schwärmte er und nahm ihn mit Khartum. Kaki ging in genau dem Stil, in dem er Aden von sich überzeugte, in Spanien ins Finale - nur dass er sich nicht überholen ließ.

          Kaki stammt, ebenso wie sein Mannschaftskamerad Ali Abubakr Nagmeldin, aus Darfur. Der Sport hat sie dem Bürgerkrieg entrissen - beides ironischerweise vom Staat alimentiert. Die Läufer haben ihr Glück gemacht. Nicht nur, dass die Olympiamannschaft, die sich von der Olympischen Solidarität unterstützen lässt, in der Business-Class nach Peking geflogen ist und üppige Tagegelder erhält. Für den jungen Star Kaki ließ der Staatspräsident eine Hymne komponieren und schenkte ihm nach und nach zehn Grundstücke in und um Khartum. „Kaki ist reich“, sagt Abbadi.

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