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Jelena Isinbajewa : Und fliegt und fliegt und fliegt

Russische Strahlefrau in Peking: Jelena Isinbajewa holte sich Gold - mit Weltrekord Bild: AP

Jelena Isinbajewa gewinnt mit 5,05 Metern den Stabhochsprung. Es ist der 24. Weltrekord der Russin - und 100.000 Euro wert. Dabei hatte für sie der Wettkampf erst angefangen, als die Konkurrenz schon ausgeschieden war.

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          Im Liegen statt im Fliegen schien Jelena Isinbajewa am Montagabend Olympiasiegerin werden zu wollen. Dann sprang sie Weltrekord. Als die Russin zu später Stunde das Vogelnest mit seinen 91.000 Zuschauern ganz allein für sich hatte, steigerte sie ihre Bestleistung auf 5,05 Meter. Es ist ihr insgesamt 24. Weltrekord.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Auf einer Matratze im Innenraum des Olympiastadions ruhte die Russin, während die Konkurrenz wie im Fluge ausschied. Zwei Mal nahm die 26jährige Athletin aus Wolgograd, die in Monaco lebt und in Forni in Italien trainiert, das auffällig rot gemusterte Frotteehandtuch, das sie vom russischen Olympischen Komitee für die Reise nach Peking erhalten hatte und mit dem sie sich von der Welt abschottete, vom Kopf. Dann sprang sie. Bei 4,70 Meter stieg sie in den Wettbewerb ein, der zweite Sprung ging über 4,85 Meter und brachte schon den Olympiasieg. Keine Konkurrentin meisterte diese Höhe.

          Das NOK Russlands zahlt für Gold 100.000 Euro

          Als nunmehr zweimalige Olympiasiegerin wurde Jelena Isinbajewa erst richtig wach. Als die Konkurrentinnen allesamt den Wettbewerb beendet hatten - als letzte die Amerikanerin Jennifer Stuczynski, die 4,80 Meter überwand, sich erfolglos an 4,90 Meter versuchte und Silber gewann - versuchte sie sich zunächst an 4,95 Meter. Im dritten Versuch war sie drüber, dann ließ sie die Latte zehn Zentimeter höher legen - auf Weltrekordmaß, als Bonus für das begeisterte Publikum und den Olympischen Geist.

          Zur Vorbereitung ihrer Höhenflüge konsultierte sie regelmäßig ihren Trainer Witali Petrow, der schon die ukrainische Stabhochsprung-Legende Sergej Bubka betreute. Zur Konzentration reichte das Handtuch nun nicht mehr; vorsorglich hatte sie die Daunendecke von ihrem Bett im Olympischen Dorf mitgebracht. Sie machte den Weltrekord möglich. Für den Olympiasieg erhält sie vom Nationalen Olympischen Komitee Russlands 100.000 Euro.

          Caroline Hingst zieht sich eine dicke Lippe zu

          Jelena Isinbajewa hat seit ihrem Olympiasieg vor vier Jahren in Athen nicht nur neun Weltrekorde erzielt - den vorletzten mit 5,04 Metern vor wenigen Wochen in Monaco; sie hat zudem zwei Weltmeisterschaften und eine Europameisterschaft gewonnen. Sie legte sogar noch eine Schaffenskrise ein, die sie erst in diesem Jahr beendete - und zwar eindrucksvoll. Seit sie wieder fliegt wie sie will, hat sie drei Weltrekorde aufgestellt und ist Olympiasiegerin geworden.

          Die deutschen Teilnehmerinnen Silke Spiegelburg und Caroline Hingst konnten da erwartungsgemäß nicht mithalten, schlugen sich aber mit jeweils 4,65 Meter achtbar. Die Mainzerin Caroline Hingst zog sich beim Zusammenstoß mit der Latte sogar eine dicke Lippe zu.

          „Die erste Goldmedaille im Frauen-Diskus seit 1932“

          Was die amerikanischen Läufer derzeit verpassen, versucht wenigstens die Diskuswerferin Stephanie Brown Trafton zu holen. Sie gewann die Goldmedaille im Diskuswerfen gleich im ersten Wurf - 64,74 Meter. Die Kubanerin Yarelys Barrios wurde mit 63,64 Meter Zweite vor der seit zwei Tagen 35 Jahre alten Olena Antonowa aus der Ukraine mit 62,59 Meter. Die dreimalige Weltmeisterin Franka Dietzsch aus Neubrandenburg fehlte.

          „Die erste Goldmedaille im Frauen-Diskus seit 1932“, freute sich die Amerikanerin. „Wir brauchen so viel Gold wie wir kriegen können.“ Da waren die Hürdenläufer noch nicht unterwegs gewesen. Mit einem glatten Dreier sicherten sich Angelo Taylor in 47,25 Sekunden sowie Kerron Clement (47,98) und Bershawn Jackson (48,06) alle drei Medaillen im Lauf über 400 Meter Hürden.

          Der Sieg im Hindernislauf geht, wie üblich, an Kenia

          Im 800-Meter-Lauf der Frauen siegte, beinahe erwartungsgemäß, die erst 18 Jahre Überraschungsläuferin der Saison, Pamela Jelimo. Sie brauchte für die zwei Runden lediglich 1:54,87 Minuten. Damit stellte sie wieder einmal einen neuen Jugend-Weltrekord und Afrika-Rekord auf; Weltmeisterin Janeth Jepkosgei kam 1,20 Sekunden hinter ihr ins Ziel und freute sich über die Silbermedaille fast mehr als ihre junge Mannschaftskameradin im Team Kenia über den Olympiasieg. Dritte wurde die Marokkanerin Hasna Benhassi (1:56,73). Maria Mutola, die dreimalige Olympiasiegerin aus Mosambique, kam bei ihren vierten Olympischen Spielen auf Platz fünf (1:57,68).

          Auch der Olympiasieg im Hindernislauf ging, wie üblich, an einen Kenianer. Brimin Kiprop Kipruto siegte im Endspurt und 8:10,34 Minuten vor dem Franzosen Mahiedine Mekhissi (8:10,49) und seinem Landsmann Richard Kipkemboi Mateelong (8:11,01).

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