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Florence Ekpo-Umoh : Die „Kugelstoßerin“ im 400-Meter-Sprint

  • -Aktualisiert am

Sie war eine der schnellsten Deutschen, nun feiert sie eines der bemerkesnwertesten Comebacks: Florence Ekpo-Umoh. Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Florence Ekpo-Umoh war ganz oben, als sie für Deutschland Medaillen gewann. Und die 400-Meter-Hürdenläuferin war ganz unten, nachdem sie während einer Dopingsperre den sozialen Absturz zu verkraften hatte. Bei den Deutschen Meisterschaften will sie sich am Wochenende für Peking empfehlen.

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          Am Telefon klang die Geschichte schon skurril genug. „Hier ist die Flo, du musst mir helfen. Ich will wieder laufen.“ Als Eberhard König dann ein paar Tage später der Anruferin Auge in Auge gegenüberstand, musste der Disziplintrainer der deutschen 400-Meter-Hürdenläuferinnen einen kleinen Schock verdauen. Auch wenn es der Erfurter diplomatischer formuliert: „Sie sah halt aus, wie eine Frau aussieht, die innerhalb kurzer Zeit zwei Kinder bekommen hat.“

          Florence Ekpo-Umoh kann es sich leisten Klartext zu reden, jetzt wo sie ihre alte Figur wieder hat. „Dicker Bauch, dicker Po, ich habe damals 86 Kilo gewogen“, beschreibt sie ihren Zustand und grinst, als sie sagt: „Ich habe ihm erzählt: 'Ich will zu Olympia' und er hat ziemlich blöd geguckt.“ Aber König hat sich überzeugen lassen. Auch wenn er sich mitleidige Blicke und hämische Kommentare gefallen lassen musste: „Vergiss es. Die sieht doch aus wie eine Kugelstoßerin.“

          Einst eine der Schnellsten - dank unerlaubter Hiflsmittel?

          Das ist anderthalb Jahre her, und vor zwei Wochen hat die „Kugelstoßerin“ Florence Ekpo-Umoh beim Europacup im französischen Annecy ihr internationales Comeback gefeiert - in der deutschen 4x400-Meter-Staffel. „Ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt sie. Für eine ungewöhnliche Rückkehr. König traut ihr bei den deutschen Meisterschaften am Wochenende in Nürnberg über die Stadionrunde „einen Platz auf dem Treppchen“ zu.

          Bild aus glücklichen Tagen: Ekpo-Umoh (r.) mit ihren 400-Meter-Staffelkoleginnen Claudia Marx, Grit Breuer und Shanta Ghosh (v.l.) und der WM-Silbermedaille von 2001
          Bild aus glücklichen Tagen: Ekpo-Umoh (r.) mit ihren 400-Meter-Staffelkoleginnen Claudia Marx, Grit Breuer und Shanta Ghosh (v.l.) und der WM-Silbermedaille von 2001 : Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

          Sie war früher eine der schnellsten hierzulande, Bestzeit 51,13 Sekunden, WM-Silber mit der Staffel 2001 in Edmonton, Gold ein Jahr später bei der EM in München. Eine bemerkenswerte Karriere. Bis die gebürtige Nigerianerin, die seit Juli 2000 einen deutschen Pass besitzt, am 24. Januar 2003 in Südafrika positiv auf das anabole Steroid Stanozolol getestet wurde: zwei Jahre Sperre, der Anfang vom Ende.

          Sie beteuert noch immer ihre Unschuld

          Florence Ekpo-Umoh ist damals bis vor den Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne gezogen, aber die Fakten sprachen gegen sie. Noch heute beteuert sie, es sei nicht ihr Urin gewesen, spricht von merkwürdigen Kontrollen, räumt allerdings ein schweres Versäumnis ein: „Ich habe dummerweise meine Bedenken nicht im Protokoll vermerkt.“

          Florence Ekpo-Umoh, die sich immer über den Sport definiert hat, stand plötzlich ganz allein da. Der Trainer und Manager, mit dem sie auch eine Zeitlang verheiratet war, zog sich zurück, der USC Mainz wollte sie nicht mehr, der Ausrüster winkte ab, und sogar der fest zugesagte Ausbildungsplatz zur Fitness-Kauffrau war mit einem Mal weg: „Einen Tag vor Beginn haben sie mir abgesagt.“ Florence versuchte sich erst als Aushilfe in einem Call-Center, dann in einem Supermarkt als Kassiererin. Und scheiterte.

          „Ich habe meine Spikes in den Keller geworfen

          Mit dem richtigen Leben kam sie nicht zurecht, mit der Leichtathletik hatte sie abgeschlossen. „Ich habe meine Spikes in den Keller geworfen, weil ich sie nicht mehr sehen wollte.“ Sie wurde schwanger, bekam erst Holly, inzwischen drei Jahre alt, dann Jotham (knapp zwei), lebte vom Arbeitslosengeld. Eine allein erziehende Mutter ohne jede Perspektive. „Die ist fertig, die kommt nie wieder“, hieß es damals in der Szene.

          Doch irgendwann hat Florence Ekpo-Umoh begriffen, dass Laufen ihre letzte Chance ist. Und sie hat sich im Frühjahr 2007 durchgerungen, Eberhard König anzurufen. Der kennt sie aus seiner Zeit als DLV-Sprinttrainer „als ehrliche und faire Athletin“ und war sofort bereit, ihr beim LAC Erfurt eine zweite Chance zu geben: „Sie ist bestraft worden, und sie hat sehr hart dafür büßen müssen.“ Härter als andere. Mit dem sozialen Abstieg.

          Training auf Schotterwegen

          König hat jedenfalls „höchsten Respekt vor ihrer Selbstdisziplin und ihrer Zielstrebigkeit.“ Vielleicht ist aber auch nur der Leidensdruck hoch genug gewesen. Es gibt auf jeden Fall einfachere Comebacks. Unter ungleich besseren Umständen. Kassel, wo sie wohnt, hat keine Halle, das Auestadion wurde gerade umgebaut, weswegen sie oft auf Schotterwegen im Park trainiert hat, Trainingspartner gibt es nicht.

          Das einzige Privileg ist ein Fitness-Studio, in dem sie kostenlos trainieren darf. Und einmal im Monat geht es mit der Bahn zu König nach Erfurt, zur Kontrolle. Doch was Florence Ekpo-Umoh stets am stärksten beschäftigt hat, war die bange Frage: „Wer passt auf meine Kinder auf?“ Manchmal macht das ihr Bruder, aber es ist oft genug vorgekommen, dass sie die Kinder zum Training mit ins Stadion nehmen musste. Auch im Winter.

          „Wenn ich gute Zeiten laufe, sind alle wieder da“, glaubt Ekpo-Umoh

          Inzwischen ist insofern etwas Entspannung eingekehrt, weil Holly in den Kindergarten geht, und sie bei der Krabbelgruppe von Jotham das Eintrittsalter etwas großzügiger ausgelegt haben. Jetzt kann sie vormittags vernünftig trainieren. Dann allerdings fordern die Kinder ihr Recht.

          Mittlerweile hat Florence sogar wieder einen Ausrüster, das ist fast wie ein Sechser im Lotto. Die verschlissenen Spikes aus dem Keller und die schlabbrigen Trainingsanzüge vom Discounter haben ausgedient. „Wenn ich gute Zeiten laufe, sind alle wieder da“, glaubt Florence Ekpo-Umoh. Eberhard König denkt da schon weiter. „Mir geht es mehr darum, ihr eine berufliche Perspektive nach der Karriere zu vermitteln.“ Die Frau ist 30. Das Leben nach dem Sport kommt früh genug.

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