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Ein unglaublicher Weltrekord : 9,69 - Bolt der schnellste Mann der Welt

Sauberer Sieger? Usain Bolt Bild: REUTERS

Der freche Countdown von Peking: In einem spektakulären Lauf verbessert Usain Bolt aus Jamaika die Bestzeit über 100 Meter auf 9,69 Sekunden. Doch zwanzig Jahre, nachdem der Sprint seine Unschuld verloren hat, bleiben viele Zweifel.

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          Die 91.000 begeisterten Zuschauer im „Vogelnest“ von Peking und Millionen an den Fernsehschirmen haben es mit eigenen Augen gesehen: Usain Bolt ist der schnellste Mann der Welt und einer der frechsten noch dazu. Im Finale der Olympischen Spiele von Peking lief er am Samstagabend den Männersprint über 100 Meter in 9,69 Sekunden und verbesserte damit seinen eigenen Weltrekord um drei Hundertstelsekunden.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Zeit war umso erstaunlicher, als der einundzwanzigjährige Jamaikaner schon weit vor dem Ziel seine Arme zu einer Geste des Jubels ausbreitete und die Zielline, mit großem Vorsprung vor Richard Thompson aus Trinidad and Tobago (9,89) und dem Amerikaner Walter Dix (9,91), dem Publikum zugewandt überquerte. Bolts Landsmann Asafa Powell wurde Fünfter (9,95).

          Demonstration der Stärke

          Bolt feierte seinen Triumph tanzend mit der jamaikanischen Flagge und seinen goldenen Spikes in der Hand. Erstmals hat ein Jamaikaner die Goldmedaille im Sprint gewonnen; die auf der Karibikinsel geborenen Olympiasieger Linford Christie (1992) und Donovan Bailey (1996) starteten für Großbritannien und Kanada. Neben Bolt und Powell lief auch der Jamaikaner Michael Frater von der Karibikinsel im Finale; er wurde Sechster (9,96). Schon im Halbfinale hatte Usain Bolt in 9,85 Sekunden seine Überlegenheit demonstriert. Weltmeister Tyson Gay schied in dem zweiten Rennen seit seiner Verletzung bei den amerikanischen Trials vor sechs Wochen mit 10,05 Sekunden und als Fünfter aus. Powell gewann sein Halbfinale in 9,91 Sekunden.

          Sauberer Sieger? Usain Bolt Bilderstrecke

          Nicht nur die Leichtigkeit, mit der Bolt der Konkurrenz davonlief und den Weltrekord unter 9,7 Sekunden drückte, ruft Stirnrunzeln hervor. Am 24. September jährt sich das Sprintfinale der Olympischen Spiele von Seoul 1988 zum zwanzigsten Mal. Eine unangenehme Erinnerung. Denn seit dem Triumph des aus Jamaika stammenden Kanadiers Ben Johnson und durch seinen tiefen Fall wegen Dopings ist die Welt des Sports eine andere geworden. Eine bessere? Daran darf man mit Fug und Recht zweifeln.

          Olympiasieger regelmäßig gedopt

          Nur einer der fünf Olympiasieger seit 1988 kann nicht mit Doping in Verbindung gebraucht werden: Donovan Bailey, der Erste von Atlanta 1996. Linford Christie, dem britischen Olympiasieger von Barcelona 1992, wurden am Ende seiner Karriere Abbauprodukte von Nandrolon im Urin nachgewiesen: er wurde gesperrt. Maurice Greene, Olympiasieger von Sydney 2000 und inzwischen vom Sport zurückgetreten, hat seit der Aussage des Dopingmittel-Dealers Angel Heredia im Prozess gegen Trainer Trevor Graham einige Mühe, nachvollziehbar zu erklären, warum er Heredia 10.000 Dollar überwiesen hat.

          Green behauptet, er habe das Geld für jemand anderen vorgestreckt. Justin Gatlin, olympischer Champion von Athen 2004 und Doppel-Weltmeister von Helsinki 2005, wurde 2006 zum zweiten Mal positiv getestet, auf Testosteron, und ist für vier Jahre gesperrt. Die Sprinter, die 1988 aufrückten und Gold, Silber und Bronze erhielten - Carl Lewis, Christie und Dennis Mitchell - wurden im Verlauf ihrer Karriere allesamt positiv getestet; Lewis wurde vom amerikanischen Verband nicht gesperrt, weil er ahnungslos ein kontaminiertes Medikament genommen haben soll.

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