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Doping bei Antonio Pettigrew : IOC entzieht amerikanischer Staffel Gold von Sydney 2000

  • Aktualisiert am

Das 4 x 400-Meter-Staffelgold von 2000 aus Sydney ist weg - weil Antonio Pettigrew (l.) dopte Bild: REUTERS

Es war keine Überraschung mehr, nun ist der Sieg definitiv entzogen. Weil Antonio Pettigrew Doping gestand, muss die amerikanische 4 x 400-Meter Staffel ihre Goldmedaillen aus Sydney 2000 zurückgeben. Wer nun zum Sieger wird, ist noch unklar.

          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat der 4 x 400-Meter-Staffel der Vereinigten Staaten die 2000 in Sydney gewonnene Goldmedaille wegen Dopings aberkannt. Dies teilte IOC-Sprecherin Giselle Davies am Samstag nach einer Sitzung des IOC-Exekutivkomitees mit. Der frühere 400-Meter-Weltmeister Antonio Pettigrew hatte zugegeben, dass er von 1997 an zu unerlaubten Mitteln gegriffen hat. Dem Gold-Quartett der Vereinigten Staaten gehörten neben Pettigrew die Brüder Alvin und Calvin Harrison sowie Michael Johnson an.

          „Wir unterstützen diese Entscheidung des IOC“, sagte Darryl Seibel, Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees der Vereinigten Staaten (USOC). Die Entscheidung war nur noch eine Formalie, da Pettigrew bereits im Juni seine Medaille zurückgegeben hatte. Der Amerikaner hatte zuvor im Meineid-Prozess gegen seinen ehemaligen Trainer Trevor Graham die Einnahme des Blutdopingmittels Epo und Wachstumshormonen vor den Sydney-Spielen gestanden.

          „Das ist Teil der Aufklärungsarbeit des Balco-Falles“

          Das IOC aberkannte damit in den vergangenen neun Monaten den amerikanischen Leichtathleten insgesamt sechs der in Sydney gewonnenen Olympia-Medaillen, darunter vier goldene. Drei Gold- und zwei Bronze-Plaketten musste die amerikanische Sprinterin Marion Jones zurückgeben, die als Folge des Skandals um das kalifornische Doping-Labors Balco ebenfalls Doping-Vergehen gestanden hatte.

          Noch nicht entschieden hat die IOC-Exekutive darüber, ob Nigerias 400-Meter-Staffel als zweitplaziertes Quartett von 2000 auf den Gold-Rang aufrückt. Jamaika war in Sydney Dritter und die Bahamas Vierter. „Das ist Teil der Aufklärungsarbeit des Balco-Falles. Es ist eine sehr gründliche Arbeit“, sagte Giselle Davies.

          „Wir wollen ihr ein faires Verfahren bieten“

          Fraglich ist, ob die Disziplinarkommission unter dem Vorsitz des deutschen IOC- Vizepräsidenten Thomas Bach am Donnerstag schon einen Beschluss dazu fasst oder die Entscheidung erst auf der nächsten Exekutivsitzung im Dezember in Lausanne fällt.

          Die Bach-Kommission muss dagegen der IOC-„Regierung“ vorschlagen, ob die griechische Sprinterin Ekaterina Thanou in Peking starten darf und sie als Zweite des Sprint-Finales von Sydney nachträglich zur Olympiasiegerin erklärt wird. „Wir werden uns damit gründlich auseinandersetzen“, erklärte Bach. „Wir wollen ihr ein faires Verfahren bieten und sie anhören.“

          Motorradunfall im August 2004 in Athen nur vorgetäuscht

          Thanou hatte die Qualifikationsnorm über 100 Meter erfüllt und ist von Griechenland für Peking gemeldet worden. Im Jahr 2004 war sie für zwei Jahre gesperrt worden, weil sie sich unmittelbar vor den Olympischen Spielen in Athen mit ihrem Landsmann Kostas Kenteris einem Doping-Test entzogen hatte (Siehe auch: Ekaterina Thanou: Der Spuk der Dopingsünderin verschwindet einfach nicht).

          Die griechische Justiz kam zu dem Schluss, dass beide einen Motorradunfall am 12. August 2004 nur vorgetäuscht hatten, um ihre Abwesenheit bei der Kontrolle zu erklären. Zudem bestand der Verdacht, sie hätten sich wiederholt Tests im olympischen Dorf entzogen. Nachdem sie ihre Olympia-Akkreditierungen zurückgegeben hatten, hatte das IOC kein Hoheitsrecht mehr über den Fall.

          Aberkanntes Olympia-Gold wegen Dopings

          Sommerspiele

          1972 in München: Rick DeMont (Vereinigte Staaten), Schwimmen
          1976 in Montreal: Zbigniew Kaczmarek (Polen), Gewichtheben - Walentin Hristow (Bulgarien), Gewichtheben
          1988 in Seoul: Ben Johnson (Kanada), Leichtathletik - Mitko Grablew (Bulgarien), Gewichtheben - Angel Gunschew (Bulgarien), Gewichtheben
          2000 in Sydney: Alexander Leipold (Schifferstadt), Ringen - Isabella Dragnewa (Bulgarien), Gewichtheben - Andreea Raducan (Rumänien), Kunstturnen - Marion Jones (Vereinigte Staaten), Leichtathletik (verlor drei Mal Gold, wohin die Medaillen gehen, ist noch unklar) - Jerome Young und Antonio Pettigrew (beide Vereinigte Staaten), Leichtathletik, 4 x 400-m-Staffel (wohin die Medaillen gehen, ist noch unklar)
          2004 in Athen: Irina Korschanenko (Russland), Leichtathletik - Robert Fazekas (Ungarn), Leichtathletik - Adrian Annus (Ungarn), Leichtathletik - Deutsche Springreiter-Equipe (nach positiver Dopingprobe bei Ludger Beerbaums Pferd Goldfever) Cian O'Connor (Irland), Springreiten

          Winterspiele

          2002 in Salt Lake City: Johann Mühlegg (Spanien), Ski-Langlauf (verlor drei Mal Gold) - Olga Danilowa (Russland), Ski-Langlauf - Larissa Lasutina (Russland), Ski-Langlauf

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