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Kommentar : Mit der Hantel zurück ins Leben

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Auf der Gewichtheber-Bühne hat Matthias Steiner gezeigt, warum der Leistungssport die Menschen immer wieder von neuem faszinieren wird. Weil er ihnen vor Augen führt, dass man nicht aufgeben muss, so lange man noch eine Chance hat, weiter zu kämpfen.

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          Es ist eine Geschichte, die das Leben schrieb – und eine Geschichte, die vom Tod geprägt ist. Das Bild des Gewichthebers Matthias Steiner ganz oben auf dem olympischen Siegerpodest, die Goldmedaille auf der Brust, das Foto seiner verstorbenen Frau in der Hand, ernst, aber ohne Tränen, zeigt zweierlei: Dass die Trauer ein inspirierender Begleiter sein kann. Und dass auch nach einem schweren Schicksalsschlag das Leben mit all seinen Möglichkeiten weitergeht.

          Gewichtheben gilt vielen Außenstehenden als ein primitiver Sport, es wird mit roher Kraft, unangenehmem Schweiß und ausufernden Körpern verbunden, doch es ist viel mehr. Nicht nur eine anspruchsvolle Disziplin, die mit ihrem komplizierten Bewegungsablauf turnerische Beweglichkeit verlangt. Sondern auch eine traditionsreiche Kunst - die Kunst, die Kraft zu entwickeln und zu kanalisieren.

          Wie eine Parabel

          Und gleichzeitig kann man einen Gewichtheber-Wettkampf wie eine Parabel für das Leben sehen. Eine Hantel, die am Boden liegt. Eine unglaubliche Anstrengung bis zum Limit der eigenen Möglichkeiten. Ein kurzer, viel zu kurzer Moment des Triumphs über die Schwerkraft, der nur eine Täuschung ist, denn sie wird am Ende mit gleichgültiger Konsequenz gewinnen. Wenn die Hantel mit ihrer ganzen Schwere wieder auf den Boden zurückstürzt. Und da liegt sie dann, als wäre nichts geschehen und am Ende alle Mühe ohne Sinn.

          Matthias Steiner hat die Hantel trotzdem wieder ergriffen. Vor einem Jahr, nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau, hat er beschlossen, weiter zu machen, in seinem Sport einen neuen Sinn und seine Zukunft zu suchen. Er hat nach einem kurzen Innehalten sein Training fortgesetzt und das große Ziel, die Medaille in Peking, mit doppelter Willenskraft in Angriff genommen. Und er ergriff die Hantel entschlossen am Dienstagabend in Peking, als nach seinem Fehlversuch im Reißen schon alles verloren schien.

          Es könnte großes Kino sein, was da in Peking passierte, und ist doch Wirklichkeit. Auf dieser Gewichtheber-Bühne, dort, wo die größten Probleme der Athleten zuhause sind, hat Matthias Steiner gezeigt, warum der Leistungssport die Menschen immer wieder von neuem faszinieren wird. Weil er ihnen immer wieder vor Augen führt, dass man nicht aufgeben muss, so lange man noch eine Chance hat, weiter zu kämpfen.

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