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Dopingforschung : Der Athlet von heute ist die Ratte von gestern

  • -Aktualisiert am

Früher nannte man sie „Versuchskaninchen” Bild: dpa

In Zeiten, da die Doping-Jäger wie wild immer neue Messverfahren entwickeln, orientiert sich der Sportler von Welt und Klasse an der Basis, allerdings nicht an der sportlichen, sondern an der medizinischen.

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          Es gibt sie noch, die guten Nachrichten, und wir wollen sie niemandem verschweigen. Die heutige gute Nachricht, liebe Tierschützer, ist die: Euer Kampf geht zu Ende, ihr habt es geschafft! Ja, die Zeit ist nah, da müsst ihr euch nicht mehr vor irgendwelchen Forschungslabors der Pharmaindustrie anketten, da müsst ihr nicht mehr wehrlose Kreaturen aus den Klauen skrupelloser Chemieunternehmen reißen. Primaten wie Ratten werden wieder in Frieden und Freiheit leben, keiner wird sie je wieder vollpumpen mit allerlei unappetitlichen Lösungen und Substanzen, und nebenbei wird das hässliche Wort „Versuchskaninchen“ seine Bedeutung verlieren und für alle Zeiten aus dem Wörterbuch der deutschen Sprache gelöscht werden.

          Der Hochleistungssport übernimmt die Tierversuche

          Die Wahrheit, liebe Tierschützer, ist aber auch die: Es ist nicht euer Verdienst! Es ist das Verdienst des Sports, des Hochleistungssports, um genau zu sein. Denn der Trend ist eindeutig: In Zeiten, da die Doping-Jäger wie wild immer neue Messverfahren entwickeln, neuerdings sogar Insulin nachweisen können, orientiert sich der Sportler von Welt und Klasse, wie das die Funktionäre gern fordern, an der Basis, allerdings nicht an der sportlichen, sondern an der medizinischen.

          Zum Beispiel soll er die hübschen neuen Substanzen, die sich wundermittelmäßig als Doping eignen und die GW1516 oder AICAR heißen, schon fleißig in Verwendung haben. Beide Mittel befinden sich im Tierversuchsstadium, aber nicht mehr lange, denn die Zukunft hat schon begonnen: Der Hochleistungssport übernimmt die Tierversuche, und der Athlet von heute, das ist die schlechte Nachricht, ist die Ratte von gestern.

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