https://www.faz.net/-g8h-1029b

Jörg Roßkopf im Interview : „Jacques Rogge war sehr naiv“

  • Aktualisiert am

Die Spieler müssten sich schon auf härtere Trainingseinheiten einstellen. Sie wären schon verwundert, dass es auch andere Trainingselemente geben würde. Aber im Endeffekt würde ich nicht so trainieren, wie ich vor 15 Jahren geackert habe. Die Spieler müssen heute generell etwas mehr, aber gezielter trainieren. Sechs Stunden stupides Training - wie früher oft bei uns - das reicht nicht.

Wären Sie als Trainer ein Vorreiter beim DTTB?

Ich würde gerne einiges verändern. Aber auch Richard Prause, der ein sehr guter Trainer ist, würde ganz gerne einiges verändern.

Wer sind die anderen Verbände, mit denen Sie Gespräche führen?

Die Engländer haben sich gemeldet. In vier Jahren finden die Olympischen Spiele in London statt. Es gibt aber auch Exoten, die ihre Sportart nach vorne bringen wollen. Steffen Fetzner ist Trainer in Qatar. Die haben da noch ein bisschen mehr Geld. Ich habe in meiner Karriere aber genug verdient. Ich brauche jetzt nicht dem größeren Scheck nachzurennen. Ich brauche auch eine Aufgabe, ein Ziel. Und mein Ziel liegt, glaube ich, eher in Deutschland. Die Gespräche mit dem DTTB sind schon relativ weit.

Sie haben Ihren Vertrag als Spieler in Jülich um ein Jahr verlängert. Wird das Ihr letztes Profijahr?

Ich weiß es noch nicht. Es kommt ja immer drauf an, wie gut oder schlecht man spielt. Auf keinen Fall will ich mir in der Bundesliga meinen Namen kaputtmachen lassen. Solange ich noch gut spielen und meinem Verein helfen kann, mache ich weiter.

Macht das denn Ihre Gesundheit mit?

Dadurch, dass ich inzwischen weniger trainiere, ist mein Körper sehr dankbar. Früher habe ich zwei- oder dreimal am Tag trainiert, heute normalerweise nur noch ein Mal. Die Belastung, die ich über Jahre hatte, merkt mein Körper immer noch. Ich kann kein Sprungkrafttraining mehr machen. Meine Knie sind relativ kaputt.

Sie sind Fußballfan der Frankfurter Eintracht. Könnten Sie sich dort ein Engagement vorstellen?

Sehr gerne. Es gab auch schon Treffen. Für mich war es ein sehr interessantes Gespräch mit Präsident Peter Fischer über die Chancen, die ein Posten eines Sportlichen Beraters bietet. Die Eintracht hat außer Fußball auch noch andere Sportarten, in denen sie auch erfolgreicher werden und ihre Strukturen verändern will. Man braucht Leute, die Visionen haben für so einen Verein. Für die Eintracht wäre mit Sicherheit jede Tür offen. Ich hänge sehr an dem Klub. Ich würde ja keinen Vertrag auf Lebenszeit unterschreiben bei irgendeinem Verband.

Glauben Sie, dass Timo Boll in absehbarer Zeit erfolgreicher wird als Sie?

Ja. Ich bin sicher, dass er mal Weltmeister wird. Wenn ich seine Voraussetzungen hätte, gepaart mit meinem Ehrgeiz, dann wäre es bei mir noch weiter nach vorne gegangen.

Gibt es jemanden in Deutschland, der Boll auf absehbare Zeit sportlich gefährlich werden kann?

Nein. Dazu sind die spielerischen Möglichkeiten von Dimitrij Owtscharow vergleichsweise zu limitiert. Wenn Timo möchte, beherrscht er die Szene in Europa noch sehr lange.

Wie beurteilen Sie den Hype um Boll in China?

Das wird hier natürlich auch ein bisschen zu groß gemacht. Das ist eine Sache, bei der ich an seiner Stelle ein bisschen auf die Bremse treten würde. Es ist nicht so, dass er dort von Tausenden von Leuten belagert wird. Der große Superstar ist Timo dort nicht. Der größte Star in China als Tischtennisspieler ist Jan-Ove Waldner, weil er die Chinesen als einer der Ersten das Fürchten gelehrt hat.

Weitere Themen

Topmeldungen

Ministerpräsident Armin Laschet in der Staatskanzlei in Düsseldorf

Armin Laschet im Interview : „Wir wollen den Erfolg von AKK“

Vor ihrem Parteitag macht die CDU einen aufgescheuchten Eindruck. Der stellvertretende Parteivorsitzende und NRW-Ministerpräsident, Armin Laschet, spricht im F.A.Z.-Interview über die Querelen in der CDU, über AKK, über Windkraft – und Kopftücher.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.