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Jörg Roßkopf im Interview : „Jacques Rogge war sehr naiv“

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Täglich. Auch zu ausländischen Spielern. Ich habe einen guten Überblick über das, was passiert und wie die Spieler drauf sind. Die Tischtennisspiele versuche ich schon alle anzuschauen.

Denken Sie dabei wie ein Trainer?

Da denkt man als einer, der den Spielern Tipps geben will, damit sie besser spielen können. Der Druck für Timo Boll ist sehr groß. Er hat mich im Vorfeld mehrmals gefragt, wie er damit umzugehen hat.

Wäre es nicht sinnvoll gewesen, wenn Sie der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) in irgendeiner Funktion nach Peking mitgenommen hätte?

Der Mannschaft hätte es mit Sicherheit geholfen. Das ist aber nicht immer so einfach, eine Akkreditierung zu bekommen. Und für mich persönlich wäre es auch schwierig gewesen, vor Ort zu sein. Man sieht dann nämlich, welche schlechten Spieler aus anderen Nationen dabei sind. Da sind Sportler, die in der Weltrangliste viel weiter hinten sind als ich.

Schauen die deutschen Spitzentrainer im Tischtennis über den Tellerrand hinaus?

Nein. Sie gucken sich nur in der eigenen Sportart um. Bei den Lehrgängen sind mal Schweden, Kroaten oder Japaner da. Unsere Trainer sollten offensiver werden und sich bei anderen Kollegen informieren. Man kann sich mit Sicherheit austauschen. Im Basketball macht Bundestrainer Dirk Bauermann auch außerhalb seiner Sportart ein ziemlich gutes Training.

Wird es Zeit, dass Sie Tischtennis-Bundestrainer werden?

Nein. Es kann aber nicht sein, dass Bundestrainer Richard Prause mehr oder weniger allein durch die Welt fährt und die Turniere mit den Sportlern aus Deutschland besucht. Es ist einfach zu wenig. Wir brauchen drei, vier Trainer. Ein Coach, der so ehrgeizig und gut ist wie Prause, da muss der Verband aufpassen, dass er nach einigen Jahren nicht mit seinen Kräften am Ende ist. Er braucht die Unterstützung von einem Team. Auch vom Deutschen Olympischen Sportbund muss mehr Geld zur Verfügung gestellt werden.

Wie kommen Ihre Vorstellungen bei der Spitze des Tischtennis-Bundes an?

Es ist immer schwierig, mit Funktionären zu verhandeln. Es geht natürlich auch um Geld. Aber ein Trainerteam wäre die Idealvorstellung. Beim Deutschen Fußball-Bund ist es möglich, weil die Finanzierung da ist. Man muss sich nur mal den Betreuerstab der Chinesen ansehen: ihm gehören ausschließlich Weltmeister, Olympiasieger und asiatische Meister an. Die haben 15 Trainer. Bei einer WM haben die mehr Trainer als Spieler dabei, unter anderem einen Mentalcoach. Man sollte mehr als einen Trainer haben. Das wäre mein Ziel.

Demnach wollen Sie nach Ihrer aktiven Karriere Trainer werden?

Ich würde gerne schauen, ob die Trainertätigkeit eine Aufgabe für mich ist. Aber auch, ob die Spieler mit mir als Trainer zufrieden wären. Der chinesische Nationaltrainer sagt immer, dass die Voraussetzungen relativ gut sind, ein guter Trainer zu sein, wenn man zuvor ein guter Spieler war. Ich bin in Verhandlungen mit verschiedenen Verbänden, auch mit dem DTTB. Ich sehe meine Aufgabe als eine Art Zusatz-Bundestrainer. Richard Prause macht auf jeden Fall weiter, er bliebe der Cheftrainer für den Herrenbereich - und ich finge ganz klein an.

Welche Schwerpunkte würde ein Trainer Roßkopf denn setzen?

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