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Heimische Medaillenhoffnungen : Die Olympischen Spiele der Hessen

  • -Aktualisiert am

Betty Heidler von der LG Eintracht Frankfurt: „Ich will einfach nur weit werfen” Bild: ddp

Bei den Olympische Spielen in Peking treten 28 hessische Athleten an. Die Aussichten auf Edelmetall sind so gut wie lange nicht mehr. Zehn bis zwölf Medaillen könnten für die Sportler aus Hessen drin sein.

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          Betty Heidler lächelt freundlich und verdreht ein wenig die Augen. Die Frage hat sie schon zu oft gehört in den vergangenen Wochen. „Ich will einfach nur weit werfen“, sagt sie. Bloß keinen zu großen Druck aufbauen, keinen Rummel entfachen, der sie ablenken könnte. Aber natürlich hat sich die Hammerwerferin von der LG Eintracht Frankfurt ihre Gedanken gemacht, schließlich ist es die Frage der Fragen, so kurz vor den Olympischen Spielen in Peking. Also noch einmal: Hat sie sich eine Medaille vorgenommen? Sie sagt: „Es ist klar, dass ich Leistungssport mache, um ganz oben zu stehen.“ Na also.

          Heidler ist Weltmeisterin in ihrer Disziplin. Deshalb ist sie eine der großen Medaillenhoffnungen der Region. Sie spricht vom „größten Ereignis, das man als Sportler erleben kann“, hat in den vergangenen Monaten alles auf Olympia ausgerichtet: Krafttraining, Ausdauertraining, Techniktraining; sogar von einer Psychologin lässt sich die Sportlerin seit einiger Zeit beraten. Mit Gesprächen sowie Konzentrations- und Entspannungsübungen will sie alle Kräfte mobilisieren.

          Fußball-Frauen: Beste Chancen auf Gold

          Dabei ist sie nur eine von mehreren vielversprechenden hessischen Athleten bei den Spielen in Peking, die am Freitag beginnen. Die Aussichten sind so gut wie lange nicht mehr. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in den vergangenen 20 Jahren eine so erfolgversprechende Mannschaft entsandt haben“, sagt der Leiter des Olympiastützpunktes Hessen, Werner Schaefer. Zehn bis zwölf Medaillen hält er für realistisch.

          In dem 28 Mitglieder starken Team aus Hessen ist neben Betty Heidler der Wetzlarer Turner Fabian Hambüchen Anwärter auf eine Goldmedaille. Am Reck gilt sein Sieg im olympischen Wettkampf als sehr wahrscheinlich, im Mehrkampf könnte es zumindest Bronze werden. Beste Chancen auf Gold haben als Weltmeister auch die Fußball-Frauen, die mit vielen Spielerinnen vom 1. FFC Frankfurt wie Birgit Prinz und Renate Lingor antreten.

          Sportschütze Christian Reitz: Wettstreit um Gold

          Eine Frankfurterin könnte bei einem gelungenen Wettkampf im Hochsprung in den Kampf um die drei Podiumsplätze eingreifen: die 24 Jahre alte Ariane Friedrich. Sie zählt in diesem Jahr zu den besten fünf Hochspringerinnen und übersprang als erste deutsche Frau seit der Kielerin Heike Henkel wieder die Zwei-Meter-Marke. Beim letzten Wettbewerb vor Olympia am vergangenen Wochenende in Wattenscheid, bei dem sie ebenfalls höher als zwei Meter sprang, sagte sie: „Ich will eine Medaille in Peking.“ Im Schwimmen könnten die Wiesbadener Helge Meeuw und Angela Maurer Edelmetall gewinnen.

          Neben den bekannten Namen haben auch in den sogenannten Randsportarten Athleten aus der Region hervorragende Aussichten. Der erst 21 Jahre alte, in Kriftel geborene Sportschütze Christian Reitz zum Beispiel machte in jüngster Zeit dem dreimaligen Olympiasieger Ralf Schumann an der Schnellfeuerpistole kräftig Konkurrenz. Im Mai jagte Reitz seinem 25 Jahre älteren Nationalmannschafts-Kollegen sogar einen Weltrekord ab. In Peking dürfte ein packender Wettstreit um Gold bevorstehen.

          Darmstädter Boxer Jack Culcay-Keth

          Auf den Platz ganz oben auf dem Podest hofft auch die Kanutin Nicole Reinhardt, die bei der Stadtverwaltung im südhessischen Lampertheim arbeitet. Bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr gewann sie im „K2“ gemeinsam mit einer Partnerin zwei Titel. Auch der für die Frankfurter RG Germania 1869 startende Ruderer Marcel Hacker ist im Einer immer ein Kandidat für Edelmetall. Im Modernen Fünfkampf – bestehend aus Fechten, Schießen, Schwimmen, Reiten und Laufen – könnte der Maschinenbaustudent Steffen Gebhardt aus Bensheim eine Medaille gewinnen; 2007 war er immerhin Mannschaftsweltmeister. Wer seine Reiterkleidung sieht, denkt an britische Eliteschulen.

          Außergewöhnlich ist die Geschichte des Darmstädter Boxers Jack Culcay-Keth. Der Zweiundzwanzigjährige, der gelegentlich noch in einer Kammer des Darmstädter Hochschulstadions gegen den Sandsack schlägt, ist Sohn des ecuadorianischen Lastwagenfahrers Roberto Culcay. Der hatte vor vielen Jahren in seiner Heimatstadt Ambato eine Deutsche kennengelernt. Weil er seine fünf Kinder in Ecuador nicht mehr vernünftig ernähren konnte, emigrierte er 1991 nach Deutschland. Einige Jahre später begann bei der TG 75 Darmstadt der Aufstieg seines Sohnes Jack zum deutschen Meister im Weltergewicht. Nach starken Wettkämpfen im vergangenen Jahr trauen ihm nun viele Fachleute eine Medaille in Peking zu.

          Den Trubel umgehen

          Schwer wird es bei diesem Turnier allerdings für die deutsche Nummer eins im Tischtennis Timo Boll, der zeitweise auch die Weltrangliste anführte. Gelänge es dem Sportler aus Erbach im Odenwald, die Chinesen im eigenen Land zu schlagen und auf das Podium zu kommen, wäre das eine Überraschung. Aussichtslos erscheint die Situation für die Basketballer Pascal Roller und Konrad Wysocki von den Frankfurt Skyliners. Trotz der beiden Stars aus der amerikanischen Profi-Liga, Dirk Nowitzki und Chris Kaman, werden der deutschen Mannschaft angesichts starker Gegner wie den Vereinigten Staaten, Weltmeister Spanien und dem WM-Zweiten Griechenland schon für die Vorrunde wenig Chancen zugestanden. Auch der Korbacher Tennisspieler Rainer Schüttler hat allenfalls Außenseiter-Chancen.

          Ob sich am Ende tatsächlich Hessen im Medaillenspiegel verewigen können, werden die nächsten Wochen zeigen. Alle Sportler seien jedenfalls gesund und, was die Vorbereitung angeht, „auf einem Top-Level“, sagt Olympiastützpunkt-Leiter Werner Schaefer. Einige bereiten sich sogar immer noch vor. Betty Heidler zum Beispiel fliegt heute noch einmal nach Japan ins Trainingslager; zwei Tage vor Wettkampfbeginn am 18. August reisen die Hammerwerferinnen dann nach Peking. Solange es geht, wolle man den Trubel umgehen, sagt Bundestrainer Michael Deyhle. Und wahrscheinlich auch die ständigen Fragen.

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