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Der Hockey-Kommentar : Olympia zweiter Klasse

  • -Aktualisiert am

Eine Medaille für Zwei: Jan-Marco Montag (l.) und Oliver Korn Bild: AP

Das IOC nimmt für sich in Anspruch, für die besseren Werte im Leben zu stehen. Es denkt sich aber Regeln aus, die diesen Anspruch mit Füßen treten. Besonders absurd ging es beim Hockey zu - dank der neu eingeführten P-Akkreditierung bekommt der Ersatztorwart keine Medaille.

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          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) nimmt für sich in Anspruch, für die besseren Werte im Leben zu stehen. Es denkt sich aber Regeln aus, die diesen Anspruch mit Füßen treten. So wurden bei der Siegerehrung der deutschen Hockeyspieler zwar sechzehn Spieler mit einer Goldmedaille bedacht, der vor dem Halbfinale erkrankte Oliver Korn durfte jedoch nicht mit auf das Podest, weil er im Endspiel nicht mitgespielt hatte.

          Wie verbohrt muss man sein, um zu übersehen, dass man da einem Athleten den emotionalsten Moment seines Sportlerlebens raubt und es kein Ersatz ist, wenn es lapidar heißt: Die Medaille wird nachgeliefert?

          P-Akkreditierung heißt: im Hotel übernachten

          Nicht nur die Siegerehrung erzürnte die Hockeyspieler. Wegen der klimatischen Bedingungen und des für Fußballspieler undenkbaren Programms von sieben Spielen in dreizehn Tagen hatte das IOC nach langem Zögern zugestimmt, dass die teilnehmenden Hockey-Nationen diesmal achtzehn statt der üblichen sechzehn Athleten nominieren dürfen.

          Doch um die beiden zusätzlichen Spieler als Ersatzleute deutlich zu kennzeichnen, wurden sie gleich zu Olympia-Teilnehmern zweiter Klasse abgestempelt: mit der P-Akkreditierung, mit der sie nicht im Olympischen Dorf wohnen durften, sondern in ein Hotel ziehen mussten. Zunächst sollte dieser Ausweis nicht einmal zum Besuch der Eröffnungsfeier berechtigen, ehe es zu einem Gnadenerlass kam. Offensichtlich hatten genügend andere Athleten mit Blick auf ihre Wettkämpfe abgesagt.

          Für den Ersatztorwart gibt es keine Medaille - nicht einmal per Post

          Manchmal habe man das Gefühl, dass die Funktionäre keinerlei Vorstellung davon besäßen, was sie Sportlern mit ihren Entscheidungen antäten, hatte der deutsche Bundestrainer Markus Weise geklagt. Um die Einsatzzeiten für seine Spieler geringer zu halten, hatte er wie die meisten seiner Kollegen nur einen Torhüter nominiert. Schließlich verletzen sich die gut gepolsterten Schlussleute trotz der harten Schüsse so gut wie nie.

          Die Ersatztorleute saßen als P-Akkreditierte auf der Tribüne, waren aber im Training unersetzlich, um die Kollegen mit auf die Spiele vorzubereiten. Trainieren, die Knochen hinhalten, dem Kollegen die Daumen drücken und sich über einen Sieg der Mannschaft freuen, deren Teil man ja immerhin ist – das ist jedoch alles bei Olympischen Spielen keine Medaillendisziplin. Auch Ersatztorwart Christian Schulte durfte nicht mit auf das Podest bei der Siegerehrung – und er bekommt nicht einmal mit der Post eine Medaille nachgeliefert.

          Warmlaufen hinter der Tribüne

          Dass die ganze Sache mit den P-Akkreditierten ohnehin nur lästig war, machte der Wirbel um den Einsatz von Jan-Marco Montag vor dem Halbfinale deutlich. Die Erkrankung von Oliver Korn hatte der Internationale Hockey-Verband zunächst nicht als zutreffenden Grund anerkannt, um Montag nachrücken zu lassen, denn dies sei nur bei Verletzungen erlaubt.

          Es begann ein absurdes Gezerre um die Spielberechtigung des deutschen Ersatzspielers, der zweimal aus dem Stadion gewiesen wurde und sich hinter den Tribünen warm laufen musste. Erst vierzehn Minuten vor Spielbeginn des Halbfinales durfte Montag dann schließlich auf den Kunstrasen und spielte auch im Finale. Seine Medaille reichte er erst einmal an Oliver Korn weiter.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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