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Olympisches Fußballturnier : Deutsche Frauen mit einem Kraftakt ins Halbfinale

Freude in Rot: Die deutschen Frauen stehen im Olympia-Halbfinale Bild: AFP

Die Serie ohne Gegentor hält - und Deutschland kann weiter von Gold träumen. Durch ein 2:0 nach Verlängerung gegen Schweden stehen die deutschen Fußballfrauen im Halbfinale. Dort wartet auf dem Weg ins Finale ein harter Brocken.

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          Die Erfolgsgeschichte des deutschen Frauenfußballs geht weiter. In einem packenden, leidenschaftlich geführten Viertelfinale siegten die Weltmeisterinnen 2:0 nach Verlängerung gegen Schweden. Die Frankfurterin Kerstin Garefrekes erzielte das 1:0 mit einem Kopfball in der 104. Minute, den zweiten Treffer erzielte Simone Laudehr (115.).

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Erfolg beschert der deutschen Mannschaft ein Traum-Halbfinale am Montag gegen Brasilien - das Revival des WM-Finales (2:0) vom vergangenen Jahr. Die beiden besten Teams der Welt hatten es bei Olympia auch schon in der Vorrunde (0:0) miteinander zu tun. Der Kurs ist klar: „Wir haben den absoluten Willen“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid, „ins Finale zu kommen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir das schaffen.“

          Die Deutschen zeigen ihre Stärke - die Defensivstärke

          Vielleicht wieder mit enormer Willenskraft, so wie am Freitag beim Sieg über Schweden. Eigentlich schien der Weg ins Halbfinale einfach. Denn die Schweden waren zuletzt stets der richtige Gegner. Die letzten fünf Spiele gewann Deutschland, darunter so bedeutsame Begegnungen wie im WM-Finale 2003 und im Spiel um Platz drei bei den Olympischen Spielen in Athen 2004. Aber am Freitag war ein Kraftakt nötig, an den niemand im deutschen Tross auch nur im Traum gedacht hatte.

          „Wir hätten die Chancen in der ersten Halbzeit nutzen müssen. So ist es eng geworden“, schilderte Garefrekes. Schon nach sechs Minuten schien die Führung möglich. Die schwedische Torhüterin Hedvig Lindahl konnte den Ball mit einer Faustabwehr nur vor die Füße von Linda Bresonik abwehren, deren Schuss aus gut zwanzig Metern aber am Pfosten landete. Danach zeigten die Deutschen, was sie in diesem Turnier bislang ausgezeichnet hat: ihre Defensivstärke. Die von Ariane Hingst glänzend organisierte Abwehr ließ bis zur Pause keine Chance zu, Nadine Angerer musste gar nicht beweisen, dass sie die beste Torhüterin der Welt ist.

          Nach der Pause verliert die DFB-Elf die Kontrolle

          Zur gewohnten defensiven Verlässlichkeit kam auch größerer Offensivdrang. Die Entscheidung der Bundestrainerin im Angriff auf Anja Mittag anstatt auf Sandra Smisek zu vertrauen, zahlte sich aus. In der 33. Minute schien der entschlossene Auftritt der Deutschen belohnt zu werden. Birgit Prinz lief fast vom Mittelkreis allein auf die schwedische Torhüterin zu, umspielte sie, doch dann bekam die Frankfurterin die Kurve nicht richtig, setzte den Ball mit einem Schuss aus der Drehung am leeren Tor vorbei.

          Silvia Neid schlug am Spielfeldrand die Hände vors Gesicht. Nach dem Wechsel verloren die Deutschen allmählich die Kontrolle über die Partie. Die Schwedinnen wurden immer stärker, und die Souveränität der Weltmeisterinnen war spätestens dahin, als auch Nadine Angerer nach einem Eckball in der 57. Minuten die Orientierung verlor. Aber mit vereinten Kräften konnten die deutschen Abwehrspielerinnen die Chance kurz vor der Linie zunichte machen.

          Das deutsche Team verliert das Ziel nie aus den Augen

          Die Schwedinnen wirkten bis zum Schluss der regulären Spielzeit frischer, aber einen entscheidenden Vorteil konnten sie sich nicht herausspielen. Im Gegenteil: In der dritten Minute der Nachspielzeit war es einer dieser Konter, der die Deutschen beinahe in der regulären Spielzeit ins Halbfinale gebracht hätte. Doch der Schuss von Melanie Behringer aus zwanzig Metern landete am Lattenkreuz. In der Verlängerung überzeugte die deutsche Auswahl dann mit dem unbedingten Willen, nicht aufgeben wollte. Immer wieder setzte sie zu gefährlichen Kontern an, bei denen aber zunächst der letzte Schritt, der entscheidende Meter fehlte.

          Aber das Team verlor sein Ziel nie aus den Augen - und in der 104. Minute wurde es belohnt. Kerstin Garefrekes erzielte nach einem Eckstoß von Renate Lingor mit dem Kopf das verdiente 1:0. Fünf Minuten vor Schluss spielten dann Birgit Prinz und Simone Laudehr wunderbar Doppelpass. Die Vorführung wurde mit dem 2:0 belohnt. Ganz nebenbei stellte die deutsche Mannschaft mit nun vier Spielen ohne Gegentor einen neuen Rekord auf. Aber der interessierte die Weltmeisterinnen nicht mehr. Dafür ist ihnen Gold jetzt viel zu nahe.

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