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Im Porträt: Chris Kaman : Der beste unbekannte Profi

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Der Trainingsanzug passt schon mal, das Trikot soll er am Freitag überstreifen: Der eingebürgerte Neudeutsche Chris Kaman Bild: dpa

Der Basketballspieler Chris Kaman will nur ein guter Mensch sein: seit der Kindheit litt der neue, eingebürgerte Center der deutschen Basketballfan einem Aufmerksamkeitsdefizit. Eine neue Therapie hat in auch zu einem besseren Basketballspieler gemacht.

          Die beste Basketball-Liga der Welt hat ein einfaches Schema, mit der sie ihre Spieler in eine Zweiklassengesellschaft aufteilt. Ein paar auffällige Figuren werden zu Halbgöttern hochstilisiert. Der Rest kommt in die große Schublade der Domestiken.

          In so einer Welt fällt ein Mann wie Chris Kaman schon mal leicht durch den Rost, weshalb man den Center der Los Angeles Clippers eigentlich in eine Extra-Kategorie stecken müsste: Er ist der beste NBA-Profi, den keiner kennt.

          Kaman über Kalifornien: Zu viel Verkehr und arrogante Leute

          Es ist allerdings tatsächlich nicht ganz leicht, den 26 Jahre alten Spieler aus Grand Rapids in Michigan kennenzulernen. Zum einen spielt sein Klub, die Clippers, neben den sehr viel bekannteren Lakers in Los Angeles nur die zweite Geige. Zum anderen hat der 2,13 Meter lange Athlet mit einem Jahresgehalt von 10 Millionen Dollar eine Aversion gegen den vielerorts üblichen Lebensstil im modernen Profisport.

          Dirk Nowitzki (l.) und Chris Kaman (Foto aus dem April 2007): jetzt spielen sie zusammen - für Deutschland

          Und gegen den von Südkalifornien im Besonderen. „Ich mag das Wetter, das ist wahrscheinlich das Beste“, sagt er. „Aber der Verkehr stinkt mir, und die Leute sind ziemlich arrogant und hochnäsig.“ So lebt er zurückgezogen in seinem Haus im Vorort Redondo Beach mit Freunden, die sich um den Haushalt kümmern, und den Nachwirkungen einer Krankheit, die vermutlich keine war.

          Vier Häuser, mehr als zwölf Autos, ein Boot für zwei Millionen: „Ganz viele dumme Sachen“

          Kaman wurde als hyperaktiver Zweieinhalbjähriger mit Aufmerksamkeitsdefizit (ADHS) diagnostiziert und wurde von kleinauf mit dem Medikament Ritalin behandelt. Trotzdem hatte er Lernschwierigkeiten, stieg bei Nachbarn aufs Haus, riss Dachziegel herunter und verlor obendrein als eine der Nebenwirkungen seinen Appetit.

          Erst im vergangenen Jahr fand ein Facharzt heraus, dass diese Behandlung seine Konstitution eher verschlimmerte. Eine der Folgen zeigte sich, als er anfing, viel Geld zu verdienen: „Ich habe vier Häuser. Ich habe mehr als zwölf Autos gekauft. Ich habe ein Boot für zwei Millionen Dollar angeschafft. Ganz viele dumme Sachen.“

          Die neue Therapie - Neurofeedback - soll auf das eigentliche Problem ausgleichend wirken: ein übernervöses Hirn. Die Erfahrungen sind gut: „Das hat mein Leben verändert, wie ich mich verhalte, wie ich denke. Und es hat meinem Spiel geholfen.“

          Der Doppelstaatsbürger Kaman ist ein veränderter Mann

          Das wurde in der vergangenen Saison deutlich, als er sich bei den verletzungsgeplagten Clippers zum Punktesammler entwickelte und ganz nebenbei seine Reboundleistung verbesserte.

          Auch von den zotteligen langen Haaren hat er sich getrennt. Mit anderen Worten: Jener Chris Kaman, der sich plötzlich im Frühjahr auf die deutsche Herkunft seines Urgroßvaters besann und nun als Doppelstaatsbürger für die deutsche Nationalmannschaft bei der Olympia-Qualifikation in Athen auf dem Platz stehen wird, ist ein veränderter Mann.

          Kaman vertritt seinen Glauben offen

          Wobei das nicht für alle Facetten seiner Persönlichkeit gilt. Kaman gehört zu jenen amerikanischen Profis, die ihren christlichen Glauben offen vertreten. „Ich versuche so zu leben, wie mir die Bibel das sagt“, erklärte er vor ein paar Jahren.

          Aber auch das scheint relativ. „Ich betrachte mich nicht wirklich als religiösen Menschen. Ich will einfach nur ein guter Mensch sein, der Gott liebt. Der Hauptgrund: Wohin gehst du, wenn dein Leben vorbei ist? Ich will, dass meine Seele zu einem guten Ort wandert, wo ich ewig leben kann.“

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