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Amerikanisches Basketball-Gold : Das Ende des „dunklen Zeitalters“

Kollektiver Jubel nach einem harten Stück Arbeit Bild: dpa

Gold und spektakuläre Auftritte, das hatten die Fans in der Heimat gefordert. Die Mission ist gelungen. Doch die spanische Mannschaft verlangte den amerikanischen Basketballprofis im Endspiel alles ab.

          3 Min.

          Als die Siegerehrung längst vorbei war und alle Fotos gemacht waren, versammelten sich die Spieler des neuen Olympiasiegers um ihren Trainer. Jeder nahm seine Goldmedaille ab und hängte sie Mike Krzyzewski, „Coach K“, wie sie ihn rufen, um den Hals. Bei aller Dramatik dieses hochklassigen Basketballfinales, bei allen Drei-Punkt-Würfen und Slam-Dunks, dies war die Szene des Tages. Sie drückte alles aus, was die amerikanische Mannschaft 2008 ausmacht und was sie von der des Jahres 2004 unterscheidet. Teamgeist. „Alle sagen, NBA-Stars sind selbstsüchtige, arrogante Einzelkämpfer. Aber was wir heute gesehen haben, ist der Erfolg einer Mannschaft“, sagte Kobe Bryant. Es ist der Erfolg von „Coach K“.

          Cai Tore Philippsen

          Leitender Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

          Sie wollten kein neues „Dreamteam“ werden, sie waren als „Redeem-Team“ angetreten, und die Wiedergutmachung ist gelungen. Seit Sonntag steht der Jahrgang 2008 fast auf einer Stufe mit den amerikanischen Basketball-Helden von 1992 um Michael Jordan und Larry Bird, als zum ersten Mal NBA-Stars bei Olympia mitspielten und den Sport weltweit veränderten. Ohne ein Spiel zu verlieren wurde die Millionärstruppe in Peking Olympiasieger.

          Das Ziel: Gold und spektakuläre Auftritte

          Es ist das dreizehnte Basketball-Gold für Amerikas Männer, seit die Sportart 1936 olympisch wurde. Nicht weniger hätten sie erreichen dürfen. Gold und spektakuläre Auftritte, um die Schmach von Athen vergessen zu machen, hatten die Fans in der Heimat gefordert. Die Mission ist gelungen. „Wir waren am Tiefpunkt. Und wir haben Amerikas Basketball wieder dahin zurückgeführt, wo er hingehört: an die Spitze“, sagte Carmelo Anthony von den Denver Nuggets. Dafür hätten sie ihr Herzblut gegeben und auf den freien Sommer verzichtet.

          Kollektiver Jubel nach einem harten Stück Arbeit Bilderstrecke

          2004 hatte das Team drei Spiele verloren, mehr als alle anderen amerikanischen Teams bei Olympia bis dahin. Sie kehrten mit Spott und Bronze heim. Vom ersten Tag an sollte in China alles anders werden, auf und neben dem Court. Bescheiden, aber erfolgreich aufzutreten war das Motto. Keine leichte Übung für die zwölf Männer, die in der Heimat von ihren Klubs, Sponsoren und Medien wie kleine Könige hofiert und wie Topmanager bezahlt werden. Während Olympia für viele Athleten der Ausflug in eine zweiwöchige Scheinwelt bedeutet, muss es für die Stars ein Realitätsschock sein. Auf einmal müssen sie sich in eine Gemeinschaft eingliedern, sind nur noch einer von vielen.

          Sollte etwa doch eine Überraschung möglich sein?

          Doch das Team funktioniert, es wird von Spiel zu Spiel besser und erreicht das Endspiel. Und das Finale in der mit 15.000 Zuschauern ausverkauften Wukesong Arena übertraf alle Erwartungen. Weltmeister Spanien, der das Gruppenspiel noch deutlich mit 82:116 verloren hatte, lieferte dem großen Favoriten bis zur Schlusssirene einen furiosen Kampf. Krzyzewski sprach nach dem 118:107-Erfolg seiner Mannschaft von „einem der besten Länderspiele der Geschichte“.

          Der Olympiasieg ist der erste internationale Erfolg einer amerikanischen Mannschaft seit 2000. Das „dunkle Zeitalter“, wie die Jahre von 2002 bis 2006 in der amerikanischen Presse bezeichnet werden, ist vorbei. „Als ich im NBA-Finale war, dachte ich, das wäre etwas Großartiges. Aber den NBA-Titel zu gewinnen ist nichts im Vergleich damit, für mein Land eine Goldmedaille zu gewinnen“, sagte LeBron James. Die Bronzemedaille gewann Argentinien nach einem 87:75-Sieg gegen Litauen.

          LeBron James von den Cleveland Cavaliers hatte die Partie mit einem schönen Drei-Punkte-Wurf eröffnet. Doch Pau Gasol, der Teamkollege von Kobe Bryant bei den L.A. Lakers, antwortete mit einem Korb und einem verwandelten Freiwurf. Beim Gegenstoß verlor James den Ball, und Gasol traf zur spanischen Führung. Sollte etwa doch eine Überraschung möglich sein? Bis auf fünf Punkte (22:17) konnte Spanien seine Führung ausbauen. Bryant und James waren schnell mit zwei Fouls belastet und wurden von Coach Krzyzewski zur Abkühlung auf die Bank gesetzt.

          „Kobe Bryant macht den Unterschied“

          Dann zeigte sich die Stärke des amerikanischen Teams. Es ist nicht auf die beiden Superstars angewiesen, kämpft sich ohne sie auf 22:22 heran und führt nach dem ersten Viertel schon 38:31. Dwayne Wade von Miami Heat übernimmt die Führungsrolle, spielt überragend und macht in den ersten beiden Vierteln 21 Punkte, am Ende ist er mit 27 Zählern der beste Werfer des Finales. „Wir sind in der Lage, jederzeit unser Spiel zu verändern und an die aktuelle Situation anzupassen, den Druck aufrechtzuhalten“, sagte Kobe Bryant (20 Punkte).

          Aber Spanien bleibt im Rennen, zur Halbzeit steht es nur 69:61 für Amerika, und der Vorsprung schrumpft sogar auf vier Punkte. „Wir waren die ganze Zeit dicht dran, das sagt eine ganze Menge darüber wie gut wir waren“, betonte der Spanier Pau Gasol (21 Punkte), seine Mannschaft könne stolz auf Silber sein. Anfang des letzten Viertels kommt Spanien sogar auf 89:91 heran, Trainer Krzyzewski nimmt eilig eine Auszeit. „Sie haben unsere Pläne immer wieder durchkreuzt“, sagte LeBron James.

          Jetzt zeigt Kobe Bryant, warum er in der vergangenen Saison zum wertvollsten Spieler (MVP) gewählt wurde. Von den folgenden zehn Punkten macht er fünf und bereitet fünf mit seinen Pässen direkt vor. Die Gefahr ist erst einmal gebannt. „Kobe hat seine besten Phasen, wenn wir ihn am nötigsten brauchen. Er macht den Unterschied“, sagte Krzyzewski. Für Kobe Bryant, der am Samstag 30 Jahre alt geworden ist, erfüllte sich auch ein ganz persönlicher Lebenstraum. Als Dreizehnjähriger hatte er 1992 das „Dreamteam“ im Fernsehen bewundert und sich gewünscht, eines Tages auch Olympiasieger werden zu können. Nun ist er am Ziel.

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