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2:0 gegen Japan : Bronze-Hattrick nach betongrauem Fußball

Aus, aus, das Spiel ist aus: Bronze für Deutschland Bild: dpa

Die deutschen Fußballfrauen haben dank eines 2:0-Erfolgs gegen Japan zum dritten Mal in Folge Bronze gewonnen. Mit den Weltmeisterinnen von 2007 sind die Olympiadritten von heute aber nicht zu vergleichen.

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          Am Ende hatten sie dann doch fast alle ihre Ziele erreicht. Im Nieselregen von Peking baumelten den strahlenden deutschen Fußballfrauen am Donnerstagabend nach dem allerletzten Kraftakt allesamt hübsche olympische Medaillen um den Hals - und auch der andere große Wunsch nach zwei Wochen Tour de China hatte sich die Mannschaft von Trainerin Silvia Neid erfüllt: das Erlebnis Olympisches Dorf. So fühlten sich die Weltmeisterinnen nach dem 2:0-Sieg im Spiel um Platz drei gegen Japan im Herzen von Olympia wie Gewinnerinnen, auch wenn es zum erhofften großen Preis nicht gereicht hatte.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Aber das war auch in Ordnung so, wie die Bundestrainerin fand. Denn Silvia Neid gestand nach dem Turnier ganz offen ein, dass die Weltmeisterinnen des Vorjahrs mit den Olympiadritten von heute nicht zu vergleichen waren. „In allen Spielen bei diesem Turnier hat die Qualität nach vorn gefehlt“, analysierte die Bundestrainerin nüchtern.

          Birgit Prinz: „Die erste Halbzeit war grottig“

          Und wenn es einer Mannschaft gelingt, trotz beschränkter Offensivkraft eine Medaille zu gewinnen, dann ist das kein geringer Lohn. „Ich freue mich wirklich sehr, dass wir die Bronzemedaille geholt haben“, sagte Silvia Neid, der man die Freude zunächst aber überhaupt nicht ansehen konnte. „Sonst wären wir hier in Peking ja eine Woche ganz umsonst gewesen“, sagte sie grinsend. An Bronze jedenfalls scheinen sich die deutschen Frauen bei Olympia allmählich zu gewöhnen - nach den Spielen in Sydney und Athen erreichten sie nun zum dritten Mal nacheinander den dritten Platz.

          Lira Bajramaj hat Deutschland mit ihren beiden Toren zur Medaille geschossen

          Dass der letzte, mühsame Erfolg der Weltmeisterinnen bei ihrer Olympiareise durch zwei Tore von Lira Bajramaj (68. und 87. Minute) ausgerechnet im „Workers Stadium“ geschafft wurde, passte ziemlich gut zum letzten Auftritt einer deutschen Mannschaft, von der im sechsten Spiel weder Schwung noch Brillanz ausging. Es war allein ihrem Arbeitsethos, einer großen Willensleistung und einer soliden Defensive geschuldet, dass am Ende betongrauer Fußball mit Bronze belohnt wurde. „Wir wollten von Anfang nach vorn spielen, aber das ist uns gar nicht gelungen“, sagte die Bundestrainerin. „Wir sind gar nicht ins Spiel gekommen.“ Birgit Prinz urteilte sehr kritisch so: „Mit der Bronzemedaille können wir sehr zufrieden sein, aber über das Spiel habe ich mich maßlos geärgert. Die erste Halbzeit war grottig.“

          Nadine Angerer - einmal mehr ein sicherer Rückhalt

          Das Tor zur Medaille öffnete erst die in der zweiten Halbzeit kurz zuvor eingewechselte Lira Bajramaj. Die japanische Torhüterin hatte einen Kopfball von Kerstin Garefrekes nur abklatschen können. Die Duisburgerin reagierte am schnellsten und erzielte aus spitzem Winkel mit einem Schuss unters Tordach das 1:0 (68. Minute). Es war bis dahin die einzige Chance für die deutsche Mannschaft, die es über eine Stunde nicht schaffte, das Spiel zu kontrollieren. Immer wieder erspielten sich die Japanerinnen, die in den sechs Begegnungen zuvor noch nie gegen die DFB-Auswahl gewinnen konnten, gute Torchancen.

          Doch wie gut für die Deutschen, dass die Bundestrainerin mit ihrer Analyse („Im Vergleich zur Vergangenheit kommen die Japanerinnen besser zum Abschluss, mittlerweile gehen sie im Strafraum viel entschlossener zu Werke“) ziemlich daneben lag. Die Japanerinnen vergaben vor allem in der ersten Hälfte ihre Chancen im Minutentakt. In der 21. und 22. Minuten musste Torhüterin Nadine Angerer gleich zweimal gegen Aya Miyama und Yukari Kinga retten, und als sie geschlagen war, stand Melanie Behringer beim Schuss von Homare Sawa goldrichtig, wenn man das in einem Spiel um Bronze so sagen darf. „Die Japanerinnen haben in der ersten Halbzeit bestimmt fünfmal auf unser Tor geschossen, wir einmal - falls überhaupt. Wir haben einen Wechsel gebraucht.“

          „Die beiden Tore waren der Hammer“

          Direkt nach der Pause kam Conny Pohlers, nach einer Stunde Lira Bajramaj und kurz darauf Celia Okoyino da Mbabi. Sie brachten wenigstens etwas Belebung in ein erstarrtes deutsches Spiel. „Lira ist eine kreative Spielerin, sie hat viel Schwung gebracht wie auch die anderen jungen Spielerinnen“, sagte Silvia Neid zufrieden über die Belebung, die von der Bank kam. Nach der Führung ließen die Japanerinnen den Mut sinken, und die Deutschen kamen zum verdienten 2:0 wiederum durch Lira Bajramaj, die nach einem schönen Dribbling im Strafraum die Übersicht und die Nerven behielt. „Ich weiß nicht, wie ich meine Gefühle beschreiben soll. Die beiden Tore waren der Hammer. Natürlich hätte ich aber heute 1000 Mal lieber Gold geholt als Bronze“, sagte die zweifache Torschützin.

          Die Duisburgerin wurde zur Spielerin des kleinen Finals, aber auch Torhüterin Nadine Angerer lieferte wieder einmal eine tadellose Leistung ab. Damit schafften die Deutschen auch das Kunststück, in fünf von sechs Spielen ohne Gegentor geblieben zu sein, nur beim 1:4 im Halbfinale hatte sie der brasilianische Sturmwirbel hinweggefegt. „In der Defensive haben wir im gesamten Turnier gut gestanden“, sagte die Bundestrainerin zufrieden. Aber sich immer nur verteidigen können, das war eben nicht genug, um die erste Goldmedaille in Angriff nehmen zu dürfen.

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