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Leichtathletik : Geher Andreas Erm sieht sich um eine Medaille gebracht

  • Aktualisiert am

Erm mit dem ebenfalls disqualifizierten Australier Nathan Deakes Bild: AP

Beim Sieg des jetzt viermaligen Olympiasiegers Robert Korzeniowski über 50 Kilometer wurde der beste Deutsche disqualifiziert. Zu unrecht, wie er findet. „Es hätte mein Tag werden können“, schimpfte Erm.

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          Der Goldtraum wurde zum Albtraum: Mit drei aus seiner Sicht völlig ungerechtfertigten Verwarnungen erlebte Andreas Erm im 50-Kilometer-Gehen das bittere Ende seiner Hoffnungen und verpaßte die ersehnte zweite Olympia-Medaille für das deutsche Leichtathletik-Team in Athen.

          „Ich weiß nicht, was unsauber gewesen sein soll“, schimpfte der Potsdamer. „Das ging alles so schnell, daß ich überhaupt keine Zeit hatte zu reagieren. Sonst hätte ich ja meinen Geh-Stil ändern oder Tempo rausnehmen können.“

          Den WM-Dritten von Paris 2003 hatte Polens Favorit Robert Korzeniowski, der mit seinem vierten Olympia-Gold seit 1996 endgültig zum größten Geher emporstieg, als seine größte Gefahr bezeichnet. In 3:38:46 Stunden siegte der 35jährige vor dem völlig erschöpften Weltrekordhalter Denis Nichegorodow (3:42:50) und dessen russischem Landsmann Aleksej Wojewodin (3:43:34).

          „Es hätte mein Tag werden können“

          Bundestrainer Ronald Weigel empörte sich über die aus seiner Sicht skandalösen Entscheidungen der Gehrichter. „Platz zwei oder drei wäre für Andreas möglich gewesen. Aber als er an die Führenden rangehen wollte, wollten das wohl einige andere nicht“, wetterte frühere Ex-Weltrekordhalter: „Gehen lebt von Verwarnungen und Disqualifikationen. Aber alle Fachleute bescheinigen Andreas einen guten Gehstil. Selbst meiner kam da nicht ran.“

          Während der Berliner Andre Höhne nach seinem achten Rang über 20 Kilometer nach drei Stunden mit Problemen an der Rückseite des rechten Oberschenkels ausstieg, war Andreas Erm an fünfter Position liegend nach Kilometer 30 aus dem Rennen genommen worden. „Es hätte mein Tag werden können“, meinte er maßlos enttäuscht und klagte in seiner Verbitterung an: „Wahrscheinlich kam ich zu nahe an die Spitze heran, da haben sie mich rausgenommen. Wer eine Gefahr wird für gewisse Leute, der wird rausgenommen.“ Nach zwei Verwarnungen kam für den Olympiafünften über 20 Kilometer von Sydney 2000 die Rote Karte.

          „Andreas hatte sich wieder gut rangekämpft, er war auf dem Weg nach vorn“, bedauerte Cheftrainer Bernd Schubert, der die größte deutsche Goldchance platzen sah. Schubert wollte die Verwarnungen nicht pauschal kritisieren, meinte jedoch: „Im Gehen sind Kampfrichterentscheidungen stets sehr subjektiv.“ Selbst Korzeniowski kam zumindest einmal beim Umschauen derart aus dem Rhythmus, daß er mehrere Schritte lief, was in einer Fernseheinstellung selbst ohne Zeitlupe eindeutig erkennbar war.

          Aus vor der 35-Kilometer-Marke

          Nach einer Schwächeperiode bei Kilometer 20 hatte Erm zunächst abreißen lassen und erhielt eine Verwarnung, Korzeniowski zog als Spitzenreiter mit einer Vierer-Gruppe davon. Nach 30 Kilometern hatte das Quartett 16 Sekunden Vorsprung, der maximale Abstand betrug 57 Sekunden, bevor Erm sich erholte. Bei seiner Aufholjagd erhielt er zunächst die zweite Verwarnung, dann kam noch vor der 35-Kilometer-Marke das Aus.

          Korzeniowski holte sein insgesamt neuntes Gold bei Olympia, WM und EM deutlich überlegen und hüllte sich auf der Zielgeraden in eine polnische Fahne. Der Pole nimmt Abschied von Olympia. Er hatte außer seinen drei Olympiasiegen über 50 Kilometer drei WM- und zwei EM-Titel gewonnen. Der längst als Geschäftsmann erfolgreiche Geher-König will auch als Funktionär im Leichtathletik-Weltverband IAAF tätig werden.

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