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Oliver Kahn : Mindermotivation passé

  • Aktualisiert am

Am 30. Juni 2002 niedergeschlagen: Oliver Kahn Bild: AP

Im neuen Jahr hat Oliver Kahn alte Angriffslust entdeckt. Aus dem Trainingslager in Marbella stichelt der Nationaltorwart gegen Jens Lehmann und Kritiker.

          Oliver Kahn blickt zu Beginn des neuen Jahres wieder angriffslustig nach vorne. Meistertitel und DFB-Pokal sind nach Ansicht des Kapitäns nach dem kläglichen Ausscheiden aus der Champions League für den FC Bayern München als Titel reserviert - und an seiner Position als bester Torwart der Welt lässt der 33-Jährige ebenfalls keine Zweifel zu.

          „Wenn ich Bilanz ziehe, bin ich mit meiner Leistung in dieser Saison absolut zufrieden. Schon in den letzten zwei Monaten bin ich wieder in sehr guter Form gewesen“, sagte Kahn am Dienstag im Trainingslager in Marbella.

          „Ich habe beim 3:3 gegen Hannover Golf gespielt“

          Dass ihn seine Bundesliga-Berufskollegen in einer Umfrage des Fußball-Fachmagazins „kicker“ trotz des starken Endspurts - Kahn ist seit 533 Bundesliga-Minuten ohne Gegentor - nur zur Nummer drei hinter seinem Erzrivalen Jens Lehmann (Borussia Dortmund) und Simon Jentzsch (1860 München) wählten, nahm Kahn mit einer abschätzigen Handbewegung und einem Hinweis auf die Anzahl der Gegentore zur Kenntnis: „Ich habe weniger kassiert als Lehmann“, betonte er.

          Zwar weist die Tabelle Dortmund mit 13 Gegentreffern vor Bayern und Schalke 04 (jeweils 14) als beste Abwehr der Liga aus, aber so Kahn süffisant: „Ich habe beim 3:3 gegen Hannover 96 Golf gespielt und stand nicht im Tor.“ Die Äußerung beweist: Der Ehrgeiz, immer der Beste sein zu wollen, ist unverändert da.

          Selbstsicherheit zur Schau gestellt

          Kahn hat seine „Mindermotivationsphase“ offensichtlich überwunden. „Ich bin überzeugt, dass wir deutscher Meister werden. Es gibt keine Ausreden. Was hinter uns passiert, interessiert uns nicht“, sagte Kahn.

          Überhaupt stellte der 33-Jährige, dessen Manager Ludwig Karstens nach der WM von einer „Mindermotivationsphase“ des Torhüters berichtete, nach „der schwierigsten Phase meiner Karriere“ Selbstsicherheit im noblen Mannschaftshotel zur Schau. Und plötzlich wollte er von etwaigen Problemen in der Vorrunde der Bundesliga nichts mehr wissen.

          „Nur einmal in Bremen einen schlechten Tag“

          „Was soll denn gewesen sein? Nach so einer Leistung bei der WM bekommt jeder Sportler seine Probleme. Nüchtern betrachtet, bin ich aber absolut zufrieden, dass ich das halbe Jahr nach der WM so geschafft habe“, betonte Kahn. Er habe nur einmal in Bremen einen schlechten Tag gehabt: „Das ist eine ganz gute Bilanz.“

          Kahn hat auch seinen Humor wieder entdeckt, nachdem er nach der Weltmeisterschaft einige Zeit als Griesgram daher gekommen war. „Das war die schwierigste Phase meiner Karriere“, gibt der zum besten Spieler des Turniers gewählte Torwart rückblickend zu: „Das ging so zwei, zweieinhalb Monate.“

          „Herkulesaufgabe“ in Asien

          Kritik an seiner sportlichen Leistung und seinem Auftreten nach der WM lässt er dennoch nicht gelten. „Wer das erlebt hat, was ich bei der Weltmeisterschaft erlebt habe, der kann mitreden“, sagt Kahn - also niemand! Es sei eine „Herkulesaufgabe“ gewesen, die er in Japan und Südkorea verrichtet habe, sagte er dem Magazin „Stern“: „Wer fällt nach einem solchen Kraftakt nicht in ein Loch?“

          Nach dem Weihnachtsurlaub verspüre er wieder „große Lust“ auf Fußball - und auch den FC Bayern sieht er vor einem erfolgreichen Jahr. In der fehlenden Champions-League-Belastung sieht der Kapitän einen wesentlichen Vorteil im Kampf um die deutsche Meisterschaft.

          „Konkurrenz interessiert uns nicht“

          „Die Zielfixierung ist viel einfacher. Wir haben in vielen Wochen nur ein Spiel und können jedes topmotiviert angehen.“ Borussia Dortmund und Werder Bremen als schärfste Verfolger fürchtet er nicht: „Die Konkurrenz interessiert uns eigentlich gar nicht. Wir haben sechs Punkte Vorsprung, wir haben alles selbst in der Hand.“

          Ohne Champions League habe Trainer Ottmar Hitzfeld zudem mehr Möglichkeiten im Training, um den Umbruch innerhalb der Mannschaft voran zu treiben. „Für die nächsten Jahre ist das eine wichtige Geschichte“, glaubt Kahn, der den FC Bayern schon im nächsten Jahr auch international wieder ganz vorne sieht: „Es gibt viel, viel schwierigere Umbruchphasen bei großen Vereinen. Nächste Saison wird wieder voll angegriffen. Da habe ich keine Sorge.“

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