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Nürnberg - Hamburg 2:1 : Mintal-Schock für den „Club“

  • Aktualisiert am

Trauriger Abgang von Marek Mintal Bild: AP

Nach dem Fehlstart in die Rückrunde will HSV-Coach Doll vom Titelrennen nichts mehr wissen. Nürnbergs Mintal verletzte sich wieder und fällt bis zum Sommer aus.

          Der Hamburger SV hat die Muskeln spielen lassen, aber nach der ersten Auswärtspleite der Saison hat Thomas Doll die entscheidende Kraftprobe mit dem FC Bayern München überraschend schnell abgesagt.

          „Wir haben uns nie als Bayern-Jäger gesehen, und wer Meister wird, das ist mir völlig wurscht“, sagte der genervte HSV-Trainer nach der ernüchternden 1:2-Niederlage beim 1. FC Nürnberg und machte im Rennen um den Titel in der Fußball- Bundesliga den Weg für die Konkurrenz aus dem Süden frei: „Wir sind nicht gierig und auch nicht dazu da, die Nation glücklich zu machen.“

          Doll wähnt sich im „falschen Film“

          Nürnbergs Coach Hans Meyer hatte nur wenig Freude am zweiten Heimsieg: Torjäger Marek Mintal zog sich bei seinem Comeback einen Mittelfußbruch zu und fällt wohl bis zum Saisonende aus. Dem HSV bereitete die dürftige Darbietung Sorgen. Sportchef Dietmar Beiersdorfer, der mit den spektakulären Einkäufen von Ailton und Nigel de Jong dem Klassenprimus aus München den Kampf angesagt hatte, gab sich geschlagen: „Jetzt wissen wir, wo wir dran sind.“

          Bundesliga-Rückkehrer Ailton, für 450.000 Euro von Besiktas Istanbul ausgeliehen, und der von Ajax Amsterdam an die Alster gewechselte Niederländer de Jong fielen bei ihrem Debüt nicht auf, da die ganze Hamburger Mannschaft nach einer ordentlichen Leistung in der ersten Halbzeit ungewohnt zurückhaltend spielte. „Ich habe gedacht, ich sei im falschen Film“, kritisierte Doll den emotionslosen Auftritt seines Starensembles. „Nach unserer Führung haben wir das Spiel völlig aus der Hand gegeben. Nürnberg war uns in punkto Aggressivität und Engagement überlegen.“

          Mintal schied nach 160 Sekunden aus

          Nürnbergs verdienter Sieg war jedoch teuer erkauft. Eine Untersuchung von Mintals Fuß ergab am Abend die niederschmetternde Diagnose: Der Slowake hatte sich wieder den linken Mittelfuß gebrochen und wurde operiert. „Das macht uns schwer zu schaffen. Er hat schon in der Vorbereitung gezeigt, wie wichtig er für uns ist“, sagte Meyer. Nürnberg erwägt bis zum Transferschluß an diesem Dienstag eine weitere Neuverpflichtung. „Wir halten uns die Option offen, aber die Möglichkeiten sind nicht sehr vielfältig“, sagte Sportdirektor Martin.

          Sehr couragiert und mit viel mehr Laufbereitschaft und Siegeswille feierte der „Club“ den ersten Heimerfolg gegen den HSV seit 13 Jahren. Der frühe Ausfall von Mintal, der schon nach 160 Sekunden mit dem linken Fuß umknickte und sein Comeback nach viermonatiger Pause beenden mußte, und das unglückliche Eigentor durch Andreas Wolf (65.) zur Hamburger Führung hinderten den fränkischen Abstiegskandidaten nicht daran, in der zweiten Halbzeit wie entfesselt aufzutrumpfen. Der Russe Iwan Saenko (67.) glich aus, und nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung krönte Stefan Kießling (73.) Nürnbergs starke Leistung. „Unsere Spieler sind in der Welle der Nürnberger Leidenschaft untergegangen“, gestand Beiersdorfer.

          Meyer: „Wir müssen zu den ganz Großen gehören“

          Einer wie Kießling machte im 50. fränkisch-hanseatischen Duell den Unterschied aus. Bis Freitag hütete der U-21-Nationalspieler mit einer fiebrigen Angina das Krankenbett. „Ich bin total platt“, sagte der 22jährige nach seinem siebten Saisontreffer. Sein Einsatz sei schon ein kleines Risiko gewesen, räumte Hans Meyer ein und stellte nach seinem ersten Heimsieg als Nürnberger Trainer ironisch fest, „daß bislang noch keine Mannschaft gegen den HSV in dieser Saison so viele Tore geschossen hat und auch keine Mannschaft konnte den auswärts noch ungeschlagenen HSV besiegen. Wir müssen wohl zu den ganz Großen gehören“.

          Wenigstens seine Debütanten nahm HSV-Trainer Doll vor zu großer Kritik in Schutz. De Jong habe „ordentliche Arbeit“ im Mittelfeld abgeliefert. Über Ailton sagte er: „Von Toni erwartet man, daß er in jedem Spiel ein Tor macht. Das hat er sich für nächste Woche aufgehoben.“ Beide hätten aber angedeutet, „daß wir Qualität geholt haben. Sie brauchen nur noch etwas Zeit“, meinte Doll. Etwas Zeit braucht der HSV nach Ansicht von Vorstandschef Bernd Hoffmann auch, um den Bayern langfristig Konkurrenz machen. „Hamburg hat das Potential, eine Mannschaft zu stellen, die auf Augenhöhe mit den Bayern spielt“, sagte Hoffmann. Allerdings werde das „nicht innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre“ passieren: „Es wird uns so schnell nicht gelingen, die Bayern von einem Thron zu stoßen, den sie in 30 Jahren erklommen haben.“

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