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Nordische Ski-WM : Zwei Mal Gold innerhalb von fünf Stunden

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Nach dem Langlauf-Triumph von Axel Teichmann zog Ronny Ackermann bei der Nordischen Ski-WM in der Kombination nach: Auch er holte sich mit großem Vorsprung den Titel.

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          Mit einer Gold-Dublette innerhalb von fünf Stunden haben Langläufer Axel Teichmann und Kombinierer Ronny Ackermann für einen deutschen Feiertag in der Geschichte des nordischen Skisports gesorgt.

          Erst stürmte der 29-Jährige Teichmann bei der WM in Val di Fiemme sensationell zum Titel über 15 Kilometer, dann krönte der nach dem Springen klar führende Ackermann den deutschen Triumphzug mit dem zweiten Gold.

          Fassungslos stolperte Axel Teichmann durch den Zielraum, als um ihn herum die Sektkorken in den strahlend blauen Himmel von Val di Fiemme zischten. „Das ist unglaublich. Ich kann nicht realisieren, was hier abgegangen ist“, meinte der Lobensteiner, der den größten Triumph seiner Karriere erlebte und das erste deutsche Männer-Gold seit 29 Jahren feiern durfte.

          Die Nummer 1: Weltmeister Ronny Ackermann

          Ackermann gelang endlich der große Wurf

          „Eigentlich sollte das Rennen doch nur ein Baustein für den weiteren WM-Verlauf sein. Gold ist eigentlich ein sehr guter Baustein“, meinte Teichmann leicht irritiert und fasste sich verlegen an seinen kleinen blonden Spitzbart. Dagegen stand Teamkollege Andreas Schlütter bitter weinend am Zaun des Zielraumes. Der bis kurz vor Schluss auf Position zwei geführte Oberhofer wurde am Ende Fünfter und verpasste die erste Einzelmedaille seiner Karriere um 4,4 Sekunden. Silber ging an Jaak Mae (Estland) vor Frode Estil (Norwegen).

          Mit der deutschen Fahne in der Hand ließ sich Ronny Ackermann gut vier Stunden später von Hunderten mitgereister deutscher Fans auf der Zieltribüne feiern, nachdem er unangefochten mit einem Vorsprung von 52,1 Sekunden auf seinen großen österreichischen Rivalen Felix Gottwald dominiert hatte. Dritter wurde der dreimalige Olympiasieger Samppa Lajunen (Finnland/1:15,9 Minuten zurück). Der nach dem Springen noch zweitplatzierte Georg Hettich (Rohrhardsberg) machte mit 1:35,9 Minuten Rückstand als Vierter die Sternstunde der deutschen Kombinierer perfekt.

          „Es ist einfach nur überwältigend, ich bin richtig durcheinander. Ich musste vorher ständig auf die Toilette rennen. Dann aber habe ich mein Ziel umgesetzt, gleich ein hohes Tempo zu gehen, um die anderen auf Distanz zu halten. Auch wenn es locker aussah, es war ein verdammt hartes Rennen“, meinte Ackermann, der mit zwei zweiten Plätzen in Salt Lake City noch den ganz großen Wurf verpasst hatte, nun aber ebenso wie Teichmann um 25.000 Euro reicher ist.

          Teichmann: Vom Spät- zum Schnellstarter

          „Das ganze Team hat heute mit gewonnen. Der Ronny hat es sich redlich verdient. Er war in den letzten zwei bis drei Jahren im Weltcup immmer souverän“, meinte Bundestrainer Hermann Weinbuch, der sich 1985 den letzten deutschen Titel im Einzelwettkampf gesichert hatte.

          Nicht einmal der Schuhwechsel vor dem Skispringen - statt mit dem nach einer Reparatur abermals gerissenen Lieblingsschuh sprang Ackermann mit dem Olympiamodell - konnte den Oberhofer aus dem Konzept bringen. Mit Bestweiten von 101,5 und 101 Metern gewann er das Skispringen, ballte siegessicher die Faust und umarmte seinen zweitplatzierten Kollegen Georg Hettich. Nach einem gemeinsamen Spaghetti-Essen im Hotel ließ sich der Gesamtweltcup-Sieger in der Loipe seinen herausgesprungenen Vorsprung von über zwei Minuten nicht mehr nehmen. Ackermann brauchte nicht einmal die Hilfe von Axel Teichmann: „Der Ronny ist alt genug. Der hat genau gewusst, was er zu tun hat - Gold gewinnen.“

          Teichmann, der die einzige Einzel-Goldmedaille für die deutschen Langläufer seit 1974 (damals siegte der Thüringer Gerhard Grimmer über 50 Kilometer) gewann, hatte nach den für ihn enttäuschenden Olympischen Spielen noch im Sommer über einen Rücktritt im zarten Alter von 22 Jahren nachgedacht. Der intelligente Blondschopf (Abiturschnitt: 1,3) wollte Elektrotechnik studieren: „Gut, dass ich es mir im Juni anders überlegt habe.“

          Fand auch Jochen Behle: „Das ist der unglaublichste Tag in meiner Trainerkarriere“, meinte der Bundestrainer, um schnell nachzuschieben: „Das Staffelgold der Mädchen von Salt Lake City will ich aber nicht vergessen.“ Als Sieger durfte sich am Ende auch Teichmanns Heimtrainer Cuno Schreyl fühlen: „Ich habe so lange auf ihn eingeredet, bis er die Devise Alles oder nichts voll begriffen hat.“

          Nach fünf Kilometern lag der sonst als Spätstarter bekannte Teichmann bereits zehn Sekunden vor der verdatterten Konkurrenz. „Das ein Teichmann so schnell angeht, hatte niemand erwartet. Daran haben sich die anderen wohl die Zähne ausgebissen“, meinte der Sieger und sagte mit Blick nach vorn: „Im Jagdrennen will ich jetzt auch eine Medaille. Den ersten Titel feiern wir höchstens mit einem Glas Sekt.“

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